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23.05.2023

ChatGPT – die Büchse der Compliance-Pandora?

Technische Innovationen werden bei Neueinführung häufig kritisch beäugt. Doch kaum ein Thema der letzten Jahre hat die Gemüter so sehr gespalten, wie der rasante Aufstieg der künstlichen Intelligenz, bzw. konkret ChatGPT. Während einige Arbeitnehmer:innen um ihre Jobs bangen, schwärmen andere davon, unbeliebte Aufgaben nie mehr selbst durchführen zu müssen. Neben der Schule oder dem Studium lassen sich vor allem im Arbeitsalltag unliebsame Arbeitsschritte an die künstliche Intelligenz aus dem Silicon Valley abtreten. Doch wie ist hier eigentlich die Rechtslage, dürfen Arbeitnehmer:innen das Tool einfach einsetzen? Und welche Compliance-Risiken können hier möglicherweise entstehen? In diesem Blogbeitrag geben wir einen Überblick über die Rechtslage rund um den Einsatz von ChatGPT durch Arbeitnehmer:innen.

Egal ob Tageszeitung, Fachjournal oder Social Media, überall spürt man die Goldgräberstimmung rund um Chat-GPT. Für all diejenigen, die sich dem Hype erfolgreich entzogen haben, hier ein kurzer Überblick. ChatGPT ist ein Chatbot vom Entwickler OpenAI (San Francisco, Kalifornien), der mit Hilfe einer fortschrittlichen künstlichen Intelligenz über Textnachrichten mit einem User kommuniziert. Das Large Language Model (LLM) ist in der Lage, auf kurze Befehlseingaben mit komplexen Antworten zu reagieren. Hierbei ließen sich mit dem Tool bereits funktionierende Quellcodes für Apps, ausformulierte (und bestandene!) US-amerikanische Jura Klausuren sowie eine Vielzahl an Gedichten, Liedern, oder Nachrichtenartikel verfassen. Dabei funktioniert das Tool so gut, dass es nach der Veröffentlichung am 30.11.2022 nur fünf Tage dauerte, bis sich eine Millionen Nutzer:innen angemeldet haben. Für die kostenfreie Verwendung erfolgt eine Registrierung mit Name, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum und Telefonnummer zur Verifizierung.

Die Idee, dieses Potenzial für Arbeitsaufgaben einzusetzen, ist also naheliegend. Immerhin bereitet es dem Tool keinerlei Schwierigkeiten, bei Angabe der Parameter eine geschäftliche E-Mail oder sogar einen Vertrag auszuformulieren. Es ist also durchaus davon auszugehen, dass bereits einige Arbeitnehmer:innen das Tool verwenden, möglicherweise ohne Wissen des Arbeitgebers. Welche rechtlichen Fallstricke hier zu beachten sind, wird nachfolgend entlang der relevantesten Rechtsgebiete dargelegt. Eine erste Übersicht bieten unsere Compliance Tipps.

Compliance Tipps im Überblick

  • Der Einsatz von ChatGPT bzw. das Verbot zur Verwendung von ChatGPT sollte im Arbeitsvertrag oder durch ergänzende Richtlinien möglichst detailliert verbindlich festgehalten werden.
  • Personenbezogene Daten sollten von der Verarbeitung durch ChatGPT strengstens ausgeschlossen werden. Zusätzlich sollte der Opt-out bei der Verwendung der Eingaben zu Trainingszwecken genutzt werden. Das Restrisiko bzgl. der zur Registrierung erforderlichen Daten bleibt bestehen.
  • Um die Eingabe von Geschäftsgeheimnissen zu vermeiden, sollten hierzu klare Regelungen in den etwaigen Vertraulichkeitsvereinbarungen festgehalten werden. Damit Arbeitnehmer: innen geheime Informationen zuverlässig als solche erkennen, sollten unternehmensinterne Geheimhaltungskategorien und eine einheitliche Kennzeichnung der Informationen etabliert werden.
  • Um Urheberrechtsverletzungen zu vermeiden, sollte ChatGPT beim Verfassen von Texten mit der Absicht zur Veröffentlichung höchstens als Arbeitshilfe genutzt werden. Ausgegebene Texte sollten keinesfalls einfach übernommen und veröffentlicht werden.
  • Die Arbeitnehmer: innen sollten im Umgang mit ChatGPT geschult werden, um alle vorstehenden Maßnahmen einhalten zu können.

Alternativ: Die Verwendung von ChatGPT kann über das Weisungsrecht des Arbeitgebers ausdrücklich verboten werden. Technisch kann der Zugang zu ChatGPT über das Unternehmensnetzwerk gesperrt werden, bspw. Apple (https://www.forbes.com/sites/siladityaray/2023/05/19/apple-joins-a-growing-list-of-companies-cracking-down-on-use-of-chatgpt-by-staffers-heres-why/#)

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