Datenschutz Vertrauen in die Telemedizin stärken

Von Ira Zahorsky

Telemedizinische Angebote sind inzwischen in mehr als 90 Prozent der medizinischen Einrichtungen in Europa vorhanden, denn auch diesem Bereich hat die Corona-Pandemie einen Schub verliehen. Doch die Patienten machen sich Sorgen um den Datenschutz.

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Telemedizinische Angebote können den Patienten Vorteile bringen, werden aber oft wegen Datenschutz-Bedenken nicht angenommen.
Telemedizinische Angebote können den Patienten Vorteile bringen, werden aber oft wegen Datenschutz-Bedenken nicht angenommen.
(© rh2010 - stock.adobe.com)

Gut 90 Prozent der medizinischen Einrichtungen in Europa bieten die Diagnosestellung und Kommunikation mit Patenten aus der Ferne, die Fernüberwachung über tragbare oder intelligente App-Geräte an – etwa doppelt so viele, wie vor der Corona-Pandemie, die auch hier den Remote-Angeboten Vorschub geleistet hat. Zwei Drittel der von Kaspersky befragten europäischen Telehealth-Anbieter hatten jedoch schon den Fall, dass Patienten die Ferndiagnose aus Sicherheitsbedenken ablehnten. In der DACH-Region war dies nur bei 15 Prozent der Fall. Hier glauben auch 90 Prozent der Entscheidungsträger im Gesundheitswesen, dass telemedizinische Angebote den Patienten einen Mehrwert bieten, wie beispielsweise

  • eine unmittelbare Erreichbarkeit,
  • weniger Krankheitsübertragungen zwischen Patienten und medizinischem Personal sowie
  • die Möglichkeit, mehr Menschen in einem kürzeren Zeitraum zu helfen.

Im gesamten europäischen Raum beläuft sich die Zahl auf 64,6 Prozent.

Telemedizin ist der Wegbereiter für einen stärker vernetzten Ansatz im Gesundheitswesen.

Dr. Peter Zeggel, arztkonsultation.de

„Wenn wir Patienten und Ärzte näher zusammenbringen, verändert das die Logik des Gesundheitswesens. Telemedizin wird die Gesundheitsversorgung verbessern, weil Zeit und Ort viel von ihrer aktuellen Relevanz verlieren. Medizinisches Personal und Patienten können von fast überall aus an Videosprechstunden teilnehmen und fortschrittliche medizinische Geräte nutzen. Dadurch werden Beratungen, Diagnosen und Behandlungen leichter zugänglich. Gleichzeitig verlagert sich der Ort der Versorgung in die Haushalte der Patienten selbst. Das ist besonders wichtig für ältere, eingeschränkt mobile und chronisch kranke Menschen oder für unterversorgte Regionen“, resümiert Dr. Peter Zeggel, CEO des Telemedizinunternehmens arztkonsultation.de.

Bedenken bei Patienten und Anbietern

Doch die Menschen sind gegenüber der Telemedizin noch skeptisch. Zwei Drittel der Anbieter hatten Fälle, in denen Patienten ein medizinisches Videogespräch ablehnten wegen

  • Datenschutzgründen (31 %),
  • dem allgemeinem Mangel an Vertrauen in die Telemedizin (19 %),
  • der mangelnden Bereitschaft, auf Video zu erscheinen (28,6 %) und
  • dem Fehlen der richtigen Ausrüstung (21,4 %).

Und auch 76,2 Prozent (20 % in DACH) der Gesundheitsdienstleister machen sich Sorgen, ob ihre Organisation über die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen verfügt, um die Daten der Patienten während eines Telemedizin-Dienstes ausreichend zu schützen.

„Der Schutz sensibler Patientendaten muss für jede Organisation oberste Priorität haben, damit Patientendaten wirklich sicher sind und sich die Patienten dementsprechend auch sicher fühlen“, sagt Christian Milde, General Manager Central Europe bei Kaspersky.

Sicherheitsmaßnahmen

„Das Gesundheitswesen verfügt über eine Vielzahl an komplexen Prozessen und Anwendungen, die nahtlos ineinandergreifen müssen. Jede Integration von Drittanbietern birgt dabei grundsätzlich ein Cybersicherheitsrisiko“, weiß Milde. Wie können die Datenschutz-Bedenken gemindert werden, um jedem Menschen den Zugang zu einer erschwinglichen, schnellen und hochwertigen Versorgung zu ermöglichen? Kaspersky gibt dazu folgende Tipps:

  • Regelmäßig Sicherheitsschulungen für alle Mitarbeiter durchführen, die Zugang zu persönlichen Daten von Patienten haben. Diese Schulungen sollten die wichtigsten Praktiken abdecken, wie die korrekte Verwendung von Passwörtern, eMail-Sicherheit, privates Messaging und sicheres Surfen im Internet.
  • Sicherheitslösungen implementieren, die Kontrolle über die komplexe IT-Infrastruktur geben und alle Geräte im Netzwerk schützen.
  • Bei medizinischen Geräten handelt es sich um Embedded Systems, die einen dedizierten Schutz benötigen. Denn sie haben in der Regel eine geringe Betriebskapazität und können nur eine ganz bestimmte Aufgabe erfüllen.
  • Eine Firewall einsetzen, die als Barriere gegen externe Bedrohungen dient. Damit werden Webserver vor verschiedenen Arten von Malware, darunter Viren, Ransomware und Trojaner geschützt.
  • Cloud-Software und -Aktivitäten über spezielle Sicherheits-Tools oder -Services schützen.
  • Unterstützung durch externe Sicherheitsexperten suchen und Threat Intelligence wie ein externes Cyber Security Operations Center (SOC) nutzen.

Über die Studie

Kaspersky beauftragte Arlington Research mit der Durchführung einer quantitativen Online-Umfrage unter Entscheidungsträgern, die für die Erbringung von Remote-Gesundheitsdienstleistungen (einschließlich Telemedizin), für die Implementierung neuer Technologien, die digitale Transformation oder die Entwicklung einer Strategie für neue Technologien zuständig sind. Es wurden weltweit 389 Interviews mit Vertretern aus Nordamerika, Europa, MEA, APAC, Lateinamerika sowie Russland und der GUS durchgeführt. Die Umfrage fand in 34 Ländern statt. 170 Interviews wurden mit Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern durchgeführt, der Rest der Interviews fand bei Organisationen mit 50 bis 999 Mitarbeitern statt. In Europa wurden 99 Entscheider befragt, in der DACH-Region 20.

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