40 Jahre E-Mail Vorteile der E-Mail sind zugleich Ursache für aktuelle Probleme

Autor / Redakteur: Frank Rickert, Eleven / Stephan Augsten

In Zeiten von Facebook, Twitter und Skype zählt die E-Mail schon fast zum alten Eisen – ein Oldtimer der IT. Vor 40 Jahren schickte Ray Tomlinson die erste Mail von einem Computer zum anderen, einer der wichtigsten Internet-Dienste war geboren. Dieser Artikel geht auf die Entwicklung der E-Mail und ihre Probleme ein.

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Stein im Brett: Zwanzig Jahre lang musste die E-Mail ein Schattendasein fristen, in den zwanzig Jahren danach avancierte sie zum beliebtesten Kommunikationsmittel.
Stein im Brett: Zwanzig Jahre lang musste die E-Mail ein Schattendasein fristen, in den zwanzig Jahren danach avancierte sie zum beliebtesten Kommunikationsmittel.
( Archiv: Vogel Business Media )

1971 sah die Welt der Computer noch deutlich anders aus als heute. Computer waren Maschinen in Extraräumen, groß wie Schränke und nur von Spezialisten zu bedienen. An jedem Byte Speicherplatz wurde gespart. An eine Vernetzung und das direkte Versenden von Dateien, wie wir es heute kennen, war nicht zu denken.

Der Entwickler Ray Tomlinson arbeitete bei der Firma Bolt Beranek and Newman (BBN) an einer Software die es ermöglichte, einen Computer mehrere Aufgaben gleichzeitig abarbeiten zu lassen (Timesharing-Software TENEX). Bei seiner Arbeit kam ihm die Idee, zwei vorhandene Programme zu kombinieren.

Das eine Programm namens CPYNET konnte Dateien übertragen, das andere, SNDMSG, erlaubte die Nachrichtenübermittlung an bestimmte Empfänger. In ihrer Kombination sollten die beiden Anwendungen in der Lage sein, Nachrichten inklusive Attachement an Nutzer in einem Netzwerk zu versenden und zu empfangen.

Gegen Jahresende 1971 wurde die erste E-Mail von einem Raum in den Nachbarraum geschickt. Im Jahr 1972 wurde diese Möglichkeit der Kommunikation mit dem neuen Release der Software TENEX ausgeliefert.

Zur Adressierung diente bereits damals das berühmte @-Zeichen: Es trennte den Namen des Benutzer von dem des Computers, auf dem er seinen Account hatte: name@computer. Die heute bekannte Form name@computer.tld wurde damals noch nicht verwendet.

Seite 2: Verbreitung der E-Mail

Verbreitung der E-Mail

Anfangs kommunizierten nur wenige Universitäten und Firmen miteinander. Im Wesentlichen war der Norden der Ostküste (unter anderem MIT und Harvard) mit den Universitäten in Kalifornien über das ARPA-Net verbunden. Der Informationsaustausch wurde über Foren und so genannte Boards geführt, große Dateien konnten via FTP übertragen werden.

1984 wurde die erste E-Mail aus den USA nach Deutschland geschickt, doch die Internet-Kommunikation blieb eine Anwendung für Spezialisten. Erst 1990 wurden am Schweizer CERN die Grundlagen für das heutige WWW gelegt. Hier wurden sowohl das Hypertext Transfer Protokoll (HTTP) entwickelt als auch die Beschreibungssprache Hyper Text Markup Language (HTML).

1991 wurde die Software (zur Verwendung der Protokolle) veröffentlicht und leitete die Internet-Epoche ein, genauer gesagt die Ära des World Wide Web (WWW). In Berlin beispielsweise gründete sich der Internetprovider Interactive Networx (snafu), der als einer der ersten Internetzugänge für Privatpersonen anbot.

Aus heutiger Sicht war das keine große Sache, damals aber dem Bundespräsidenten Roman Herzog den Preis „Mutiger Unternehmer“ wert. Einer der Gründer, Robert Rothe, leitet heute den E-Mail-Sicherheitsspezialisten eleven, welcher Komplettlösungen zur Absicherung des geschäftlichen E-Mail-Verkehrs anbietet.

Kaum mehr wegzudenken

Seit den 90er Jahren verbreitete sich der E-Mail-Dienst rasant. Jeder Internetzugangsprovider stellte eine oder mehrere E-Mail-Adressen zur Verfügung oder man nutzte eine kostenlose E-Mail-Adresse eines so genannten Freemailers. E-Mail-Clients (E-Mail-Programme) gehörten neben dem Internetbrowser bald zur Standard-Ausstattung von PCs.

Ob aus dem Privatleben oder dem Berufsleben, die E-Mail war nicht mehr wegzudenken. Ein Großteil der geschäftlichen Kommunikation wird heute per E-Mail abgewickelt. Die E-Mail ermöglicht den Informationsaustausch der globalisierten Wirtschaft. Die zunehmende Bedeutung unterstreicht auch die kürzlich in Kraft getretene Pflicht zur Archivierung geschäftsrelevanter E-Mails.

Seite 3: Problemkind E-Mail

Problemkind E-Mail

Mit dem Siegeszug der E-Mails als Kommunikationsmittel für Jedermann zeigten sich aber auch die ersten Schwächen. Das größte Ärgernis waren unerwünschte E-Mails mit Werbung, umgangssprachlich als Spam bezeichnet. Die kostenlose E-Mail-Übertragung ermöglicht es, Massensendungen ohne Begrenzung zu versenden.

Was als Ärgernis begann, entwickelte sich zu einer ernsthaften Belastung. In den vergangenen Jahren lag der Spam-Anteil bei den E-Mails bei über 90%, in großen Firmen teilweise bei 98%. Die Ausgaben zur Bekämpfung von Spam stellen mittlerweile einen wesentlichen Teil der IT-Ausgaben dar.

Neben dem Charakter der unerwünschten Werbung ist die E-Mail immer noch Haupteinfallstor für Schadsoftware aller Art. Aktuelle Sicherheitslösungen verfolgen einen vollständigen Ansatz zu Sicherung der E-Mail-Kommunikation. Hierzu zählen einerseits die klassische Spam- und Virenerkennung aber auch die Erkennung unbekannter Viren (Outbreaks), Verschlüsselung der E-Mail-Kommunikation und die E-Mail-Archivierung.

Obwohl sich die Anti-Spam-Anbieter wie beispielsweise der führende deutsche E-Mail-Sicherheitsanbieter Eleven inzwischen sehr gut auf ständig wechselnde Tricks der Spammer eingestellt haben (z.B. durch das Bulkcheck-Verfahren), bleibt die Lage angespannt. Durch die zunehmende mobile Nutzung der E-Mail ergeben sich neue Angriffspunkte; ebenso durch das so genannte Web 2.0, in dem viele Dienste ins Internet verlagert werden.

Interaktion anstelle von einfacher Rezeption lautet hier der Grundgedanke. Doch obwohl viele Menschen twittern, bloggen und SMS schreiben, wird die E-Mail in den nächsten Jahren das erfolgreichste und beliebteste Kommunikationsmittel bleiben.

Frank Rickert ist im Bereich Unternehmenskommunikation beim Mail-Security-Spezialisten Eleven tätig.

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