Der edle Kugelschreiber als Abhörvorrichtung

Wanze im Werbegeschenk

| Autor / Redakteur: Gernot Zehner, Ultima Ratio GmbH / Stephan Augsten

Absolute Diskretion zur Aufdeckung

Wer also meint, Lauschangriffe träfen immer nur die anderen, der irrt: Nie war es einfacher, die Konkurrenz abzuhören und sich so Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Die „SiFo-Studie – Know-how-Schutz in Baden-Württemberg“ fand bereits 2010 heraus, dass der finanzielle Schaden pro Fall im Schnitt 171.000 Euro beträgt.

40 Prozent der betroffenen Unternehmen verzeichneten danach gravierende Umsatzeinbußen und Imageverluste. Ein solch massiver Schaden lässt sich für rachsüchtige (Ex-)Mitarbeiter oder neidische Konkurrenten heute schon mit einem Budget von weniger als 1.000 Euro anrichten.

Um Täter im Unternehmensumfeld nicht vorzuwarnen, lautet das oberste Gebot, absolut verschwiegen zu arbeiten. Zunächst sorgen die Profis in einem Raum für Wanzenfreiheit. Dort können sich die Abhörschutz-Fachmänner dann diskret mit dem Auftraggeber unterhalten und Schritt für Schritt weitere Räume absuchen.

Beim Fund einer Wanze wird diese oft nicht sofort entfernt. Es gilt ja noch den Mithörer zu identifizieren, was leider nicht immer möglich ist. Um den Imageschaden so gering wie möglich zu halten, hängen die betroffenen Unternehmen die Nachricht von einem Abhörvorfall meist nicht an die große Glocke. Sind Mitarbeiter im Unternehmen betroffen, werden diese nach der Überführung in der Regel möglichst diskret entlassen.

Stellt sich der Verdacht der Verwanzung hingegen als unbegründet heraus, sind die meisten Unternehmer erst einmal beruhigt. Die Messungen und Ergebnisse können als Vorlage für spätere Suchaktionen genutzt werden und fallen in die Kategorie vorbeugender Abhörschutz.

Wie Unternehmen sich schützen können

Wer sich aktiv vor Lauschangriffen schützen möchte, sollte vor allem mehr Vorsicht walten lassen: Gerade vor Weihnachten dürfen keine geschenkten Kugelschreiber, Utensilien und andere Nettigkeiten auf dem Chef-Schreibtisch oder im Besprechungsraum gestapelt werden! Besser, man schenkt sie einfach weiter, vorzugsweise an jemanden außerhalb der Firma.

Gibt es im Unternehmen ein Bewusstsein für das vorhandene Risiko, ist schon viel gewonnen. Wird daraus ein Verdacht, sollten allerdings Profis ans Werk, denn 73 Prozent der betroffenen Unternehmen decken die Vorfälle nicht von alleine auf. Das Auffinden und Unschädlichmachen von Abhörvorrichtungen verlangt viel technisches Wissen, Erfahrung und hochwertiges Gerät.

Die meisten frei erhältlichen Aufspürgeräte sind nach Expertenmeinung wertlos und wiegen Unternehmen nach deren Benutzung zudem in falscher Sicherheit. Der Aufbau einer eigenen Security-Abteilung ist für mittelständische Unternehmen kaum finanzierbar. Ein zuverlässiger, prophylaktischer Check durch erfahrene Dienstleister ist dagegen schon ab einem kleineren vierstelligen Betrag möglich.

Über den Autor

Gernot Zehner ist ausgebildeter Nachrichtengeräteelektroniker (Fachrichtung Hochfrequenztechnik) und leitet den Fachbereich Lauschabwehr und Abhörschutz bei der Ultima Ratio GmbH.

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