Suchen

Risiken der vernetzten Welt – Teil 2

Wenn Informationstechnik das Heilpersonal überfordert

Seite: 2/3

Firmen zum Thema

Finanzielle Aspekte der Diagnose

Um IBMs künstliche Intelligenz zu nutzen, sind keine spezifischen Investitionen notwendig. Die Ärzte können vorhandene Mobilgeräte verwenden, denn „die Anwendung läuft auf Apples iPad und den Android-Tablets, die mobile Anwendung passt sich dem schnell getakteten Arbeitsablauf eines Krankenhauses an“, wirbt der Konzern.

Der Preis könnte aber in den Informationen bestehen, die der Arzt durch die Nutzung von Watson preisgibt. Immerhin werden die Patientendaten einem mobilen Gerät anvertraut, das sich angreifen lässt und sensible Informationen weitergibt. Gleichzeitig muss der Arzt wissen, dass sein Sprachprofil analysiert werden kann.

Schließlich zu klären, welche Ziele der Arzt bei der Behandlung des Patienten verfolgt: Seit Einführung medizinischer Fallpauschalen ist der Arzt gleichzeitig Unternehmer: Je mehr Behandlungen er seinem Patienten verkauft, desto mehr verdient er. Da kann eine Behandlung auch mal mehr dem Geldbeutel des Arztes als der Gesundheit des Patienten dienen.

Da der Arzt die Schnittstelle zwischen Patient und Gesundheitsindustrie – einschließlich Pharmaherstellern und Medizintechnik-Unternehmen – darstellt, erfreuen seine Entscheidungen die einen Firmen mehr, die anderen weniger. Will er sämtliche medizinische Möglichkeiten durchexerzieren oder stellt er die Würde des Patienten in den Vordergrund seiner Behandlung? Die Frage wird sein, welchem dieser Ziele Watson dient. Und ob Watson womöglich zu kompromittieren ist.

Patientendaten sind ein lohnendes Ziel

Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass medizinische Datenkriminelle die künstliche Intelligenz als Werkzeug für sich entdeckt haben. Dennoch: Der medizinische Identitätsdiebstahl bringt dem Angreifer nach Erkenntnis von Marc Goodman, ‚Global Security Futurist‘ der Singularity University in Kalifornien 20.000 Dollar ein – zehnmal so viel wie „gewöhnlicher“ Identitätsdiebstahl.

Als dankbarbares Angriffsziel könnte sich prinzipiell jede Klinik oder Arztpraxis erweisen. Oft macht sich das medizinische Fach- und Verwaltungspersonal nicht die Mühe, sich von einem System abzumelden, bevor es den Raum verlässt. In einem unbeobachteten Moment könnte ein Angreifer durchaus eine Malware über den USB-Anschluss in das Netzwerk einschleusen. Und diese wieder loszuwerden, könnte zu einem Problem werden – insbesondere für eigenständig praktizierende Ärzte.

(ID:43191563)