Mit dem Cloud-Anbieter auf Augenhöhe sein Wie sich die Cloud auch im Mittelstand durchsetzt

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

Seit weit über zehn Jahren versuchen Anbieter dem deutschen Mittelstand Cloud Computing schmackhaft zu machen – bislang mit sehr durchwachsenem Erfolg: Nur zwölf Prozent der Unternehmen in Deutschland nutzten laut dem Statistischen Bundesamt im Dezember 2014 entsprechende Dienste.

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Die Firmen setzen Datenwolken am häufigsten zur Speicherung von Daten (56 Prozent), für E-Mails (46 Prozent) und zum Betrieb von Unternehmensdatenbanken (34 Prozent) ein. Nur nebenbei sei erwähnt, dass es bei den Konzernen deutlich besser aussieht – hier nutzen 27 Prozent Speicherkapazitäten und Rechendienste aus der Datenwolke.

Bei kleinen Betrieben tut dies aber nur jeder zehnte – eine noch deprimierendere Situation als im Mittelstand also. Zum Vergleich: Im EU-Durchschnitt nutzen knapp 19 Prozent der Unternehmen Cloud Computing, wie aus Daten der Statistikbehörde Eurostat hervorgeht. Spitzenreiter ist Finnland mit knapp 51 Prozent vor Schweden mit 39 Prozent und Dänemark mit 38 Prozent. Schlusslichter sind Rumänien und Lettland mit jeweils fünf Prozent.

Unternehmen, die auf Dienste aus der Datenwolke verzichten, begründen dies laut Statistischem Bundesamt vor allem mit Sicherheitsbedenken. Das ist wenig überraschend: Selbst Privatnutzer schrecken noch immer vor der Public Cloud zurück, wie eine Umfrage des Sicherheitsexperten Kaspersky Lab zusammen mit B2B International vom Herbst 2014 zeigt. Sie fand heraus, dass zwar cloud-basierte File-Hosting-Dienste gerade von jungen Anwendern immer mehr genutzt werden. Von den 16 bis 24-Jährigen in Deutschland setzen bereits 41 Prozent auf diese meist kostenfreien Angebote.

Im Durchschnitt aller Altersgruppen bevorzugen jedoch überwältigende 81 Prozent noch physikalische Speichermedien wie Festplatten oder Wechseldatenträger bei der Datensicherung. Ein Grund dafür ist die große Verunsicherung, die die neue Technik mit sich bringt. So glauben 32 Prozent der Befragten, dass die Cloud grundsätzlich keine sichere Ablage für ihre Daten sei. Weitere 38 Prozent der Deutschen wollen wegen des Verlustrisikos derzeit dort zumindest keine sensiblen Daten ablegen. Nur sechs Prozent sehen die Cloud als grundsätzlich sicheren Ort für ihre Daten.

Keine grundsätzliche Abneigung

Aber es gibt einen Hoffnungsschimmer: Mehr als 60 Prozent der mittleren und großen Unternehmen (ab 500 Mitarbeitern) sind gegenüber cloud-basierten Arbeitsplatz-Lösungen grundsätzlich aufgeschlossen, wie uns die drei Monate alte und von PAC (Pierre Audoin Consultants) durchgeführte Studie „Arbeitsplätze in der Wolke?!“ darlegt. Das bedeutet noch keine Cloud-Euphorie, die die Anbieter seit Jahr und Tag heraufbeschwören wollen, aber es zeigt doch eine grundsätzliche Bereitschaft zum Auslagern von Daten und Diensten – wenn sie denn ein sicheres Zuhause finden.

Denn 82 Prozent der cloud-affinen Unternehmen haben – Sie erraten es – Sicherheitsbedenken. Ein signifikanter Teil der Cloud-Lösungen wird daher intern betrieben. Und der Handlungsdruck ist groß: Die Verantwortlichen haben die Modernisierung ihrer Arbeitsplätze weit oben auf der Agenda und müssen neue Lösungen für die zunehmende Anzahl an Tools und Devices bieten. Dabei gilt es die damit einhergehenden hohen Integrations- und Administrationskosten im Griff zu behalten – das geht eigentlich nur mit der Cloud.

Was also tun die eigentlich willigen jedoch sehr ängstlichen Unternehmen? PAC liefert auch darauf eine Antwort: 61 Prozent der mittleren und großen Unternehmen setzen auf eine weitgehend einheitliche Lösung eines Herstellers – u. a. wohl aufgrund des immensen Integrationsaufwands, der mit der Anzahl der Mitarbeiter zunimmt. Vergleichsweise geringe 39 Prozent bevorzugen eine Kombination aus Lösungen verschiedener Anbieter.

Die Auswahl der Cloud-Lösungen wird in erster Linie von Sicherheitsaspekten dominiert. Zwei Drittel der Unternehmen vertrauen Cloud-Angeboten nur, wenn sich die Rechenzentren im Inland befinden. Die Bereitstellung von Integrations- und technischen Beratungsleistungen spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Fast ein Drittel der cloud-affinen Unternehmen betrachtet lokale IT-Dienstleister oder Fachhändler als Vertragspartner erster Wahl. Knapp 30 Prozent der Unternehmen würden sich auch direkt an spezialisierte Cloud-Anbieter wenden.

Letzte Hoffnung Schatten-IT?

Der Fall scheint also klar: Mittelständische Unternehmen in Deutschland wollen auf Augenhöhe, aus einer Hand und innerhalb Deutschlands bedient werden, dann klappt es auch mit dem Cloud Computing. „Cloud-Anbieter sind angesichts dieser Resultate gehalten, attraktive Channel-Modelle für ihre Partner zu entwickeln“, so Dr. Andreas Stiehler, Principal Analyst bei PAC. „Ebenso muss der Vertrieb auf Führungskräfte im Top-Management zugeschnitten sein, denn diese sind oft die Hauptentscheider bei der Cloud-Migration.“

Und noch eine Hoffnung gibt es für die Anbieter: Laut der Experton Group sind die Ausgaben der deutschen Unternehmen für Cloud-Technologien, Cloud-Services und entsprechende Beratungs- und Integrationsservices im vergangenen Jahr bei rund 6,6 Milliarden Euro gelegen. Bis zum Jahr 2018 soll sich dieses Volumen auf über 21 Milliarden Euro erhöhen.

Laut Experton-Analyst Oliver Schonschek wird dies aber kaum möglich sein, wenn alle Verbote von Cloud-Diensten in deutschen Unternehmen tatsächlich eingehalten würden. Der Verdacht liegt also nahe, dass Cloud Computing wesentlich stärker in den Unternehmen genutzt wird, als es dem jeweiligen Management bekannt ist. Schatten-IT, ich hör dir trapsen!

„Bereits heute nutzen viele Beschäftigte und sogar ganze Fachbereiche in den Unternehmen verschiedene Cloud-Dienste, ohne die IT-Abteilung deshalb jemals eingeschaltet zu haben, wie Untersuchungen der Experton Group AG gezeigt haben“, so Schonschek. Gut möglich also, dass Cloud Computing doch noch breit im Mittelstand Einzug hält – dann durch die Hintertür und an der IT-Abteilung vorbei. Nicht gerade die Wunschvorstellung deutscher IT-Verantwortlicher.

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