Betörende Bequemlichkeit

Wie sich unser Online-Verhalten auf Datenschutz und -sicherheit auswirkt

Seite: 3/3

Firmen zum Thema

Das Leben als gläserner Kunde

Keiner hat uns je dazu gezwungen, die Kundenkarten der Fluglinien, Kaufhäuser, Tankstellen, Apotheken und Videotheken zu benutzen. Wir sind nicht unter Zwang zu Online-Suchmaschinen-Junkies geworden. Und keiner hat uns je verboten, unsere Bücher im Buchhandel zu kaufen anstatt online zu bestellen.

Wir machen das alles freiwillig, während um uns herum die Konvergenz der elektronischen Systeme zunimmt und Daten trotz gesetzlicher Regelungen ohne unser Einverständnis genutzt werden. Hinzu kommt, dass es bei der enormen Anhäufung von Daten immer schwieriger wird, das Verlust- und Missbrauchsrisiko zu kontrollieren.

Wer beschenkt hier eigentlich wen?

Auch wenn uns die vielen Risiken teilweise bewusst sind, lassen wir uns immer weiter in den Strudel der Online-Datensammlung ziehen. Das liegt meiner Meinung nach vor allem daran, dass wir eine neue Stufe der Bequemlichkeit erreicht haben, deren Preis vordergründig gering erscheint: ein bisschen weniger Dateneigentum.

Manchmal bekommen wir dafür sogar noch einen Geschenkgutschein – für etwas das wir meist nicht brauchen. Oder ist das ein Versehen, dass mir zusammen mit meinen neu erworbenen Laufschuhen ein Gutschein für bunte Krücken zugeschickt wurde?

Bei aller Bequemlichkeit und allen vermeintlichen Vorteilen sollten wir innehalten und uns fragen, ob wir die Hosen wirklich so weit herunterlassen möchten. Wenn wir erst beim nächsten Online-Einkauf in der Wartezeit bis zur Bestellbestätigung, also nach der freiwilligen Angabe unserer persönlichen Daten über den Schutz nachdenken, ist es bereits zu spät.

Jeder kann selbst entscheiden, daher empfiehlt es sich die Prinzipien der Datensparsamkeit, Datenvermeidung und Zweckgebundenheit/Erforderlichkeit einzuhalten. Wenn irgendwo online einmal wieder Daten abgefragt werden, sollte man sich die Frage stellen: Würde ich diese Information auch einem Fahrgast im Bus mitteilen? Hinterfragen Sie ruhig auch, wozu der Versender eines per E-Mail zugestellten Dokuments eine persönliche Telefonnummer oder die Adresse benötigt (Zweckgebundenheit)? Warum soll ich auch noch angeben, welche anderen Marken ich toll finde oder ob ich verheiratet bin (Datenvermeidung / Datensparsamkeit)?

Jeder hat seine Datenumwelt selbst im Griff und kann sich vor den Datensammlern dieser Welt schützen. Es liegt an uns, dies auch zu tun.

Rainer Rehm

Rainer Rehm, (ISC)²-zertifizierter CISSP, arbeitet als Security Architect im Global Security Department bei Nokia Siemens Networks.

(ID:2044438)