Android ohne Google Digitale Souveränität mit europäischen Smartphone-Strategien

Ein Gastbeitrag von Michael Rödiger 4 min Lesedauer

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Open-Source-Systeme wie Murena /e/OS, Fairphone-Hardware und MDM „Made in Germany“ zeigen, dass Unternehmen Smartphones auch unabhängig von US-Diensten betreiben können. Der Beitrag erklärt Chancen, Hürden und konkrete Einsatzmöglichkeiten.

Mit Open-Source-Betriebssystemen und MDM aus Europa lassen sich Smartphones unabhängig von Google- und US-Diensten sicher verwalten.(Bild: ©  ra2 studio - stock.adobe.com)
Mit Open-Source-Betriebssystemen und MDM aus Europa lassen sich Smartphones unabhängig von Google- und US-Diensten sicher verwalten.
(Bild: © ra2 studio - stock.adobe.com)

Mobile Geräte sind heute weit mehr als Kommunikationsmittel – sie sind Zugangsschlüssel, Arbeitsplattform und Sicherheitsfaktor zugleich. Doch viele Unternehmen verlassen sich bei Betriebssystem, Cloud-Diensten und Gerätemanagement auf Anbieter, deren Infrastruktur und Entscheidungen außerhalb Europas liegen. Ein Fehler im System, ein politischer Kurswechsel – und plötzlich könnten Prozesse stillstehen. Was nach Fiktion klingt, kann schneller eintreten, als man sich vorstellen kann.

Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten wird digitale Souveränität damit immer mehr zu einer Schlüsselressource – überall dort, wo täglich mit sensiblen Daten gearbeitet wird: also auch auf den Smartphones.

Doch es gibt Alternativen. Wer digitale Souveränität ernst nimmt, kann sich aus dieser Abhängigkeit befreien. Mit Open-Source-Betriebssystemen wie Murena /e/OS und Cortados Mobile Device Management „Made in Germany“ ist eine unabhängige, datenschutzkonforme Mobilitätsstrategie möglich. Wer auch bei der Hardware gern auf Europa setzt, wird bei den nachhaltigen Fairphones aus den Niederlanden fündig.

Abhängigkeiten erkennen: Was auf dem Spiel steht

Mobile Endgeräte sind ein wichtiger Teil der IT-Infrastruktur. Viele Unternehmen vertrauen hierbei auf Apple oder Google. Diese Hersteller liefern nicht nur Hard- und Software, sondern übernehmen auch die zentrale Verwaltung und Steuerung. Der sogenannte "Zero-Touch"-Prozess etwa verbindet ein neues Android-Gerät sofort beim ersten Einschalten mit den Google-Servern.

Ein MDM-System entscheidet also – je nach Größe des Unternehmens - mit darüber, wer auf möglicherweise tausende Geräte Zugriff hat. Wer hier auf US-Anbieter setzt, geht Abhängigkeiten ein, die sich im Krisenfall als fatal erweisen könnten.

Open Source und europäische Hardware als Ausweg

Mit dem Android Open Source Project (AOSP) existiert eine quelloffene Alternative zum "Google Android". Systeme wie Murena /e/OS bauen auf AOSP auf, verzichten jedoch auf Google Mobile Services. Sie ermöglichen eine neutrale, datenschutzfreundliche Nutzung von Smartphones. Kombiniert mit Hardware von Fairphone wäre ein europäisches Komplettpaket möglich: Open Source Software auf nachhaltig produzierter Hardware.

Zwar ist es grundsätzlich in der Theorie auch möglich, beliebige Android-Geräte zu rooten und Open Source darauf zu installieren, doch es gibt Einschränkungen. Nicht alle Android-Geräte sind für das Rooten oder das Aufspielen von benutzerdefinierten Betriebssystemen geeignet. Murena unterstützt eine begrenzte Auswahl an Geräten, die für die Installation vorbereitet wurden. Um ein stabiles und sicheres System zu gewährleisten, empfiehlt es sich, ein kompatibles Gerät zu verwenden, das offiziell unterstützt wird. Eine vollständige Liste der unterstützten Modelle ist auf der Website verfügbar. Unter den unterstützten Geräten befinden sich beispielsweise auch Google-Pixel-Modelle.

Was ist /e/OS?

/e/OS von Murena ist ein Open-Source-Betriebssystem, das auf Android basiert, jedoch ohne die Dienste von Google auskommt. Es wurde von der französischen Firma e.foundation entwickelt und bietet Nutzern eine Alternative zu gängigen Android-Systemen. /e/OS verzichtet auf Google-Dienste verwendet stattdessen Open-Source-Apps sowie Dienste verwendet, die keine personenbezogenen Daten sammeln. Es ermöglicht eine größere Kontrolle über die eigenen Daten und richtet sich vor allem an diejenigen, die ein möglichst "google-freies" Smartphone-Erlebnis suchen.

Verwaltbarkeit durch europäisches MDM

Die Krux mit Geräten ohne Google ist nicht nur, aber vor allem bei Geräten in großer Stückzahl: Sie können nicht über Zero-Touch in Betrieb genommen werden. Doch welche IT-Abteilung will schon Gerät für Gerät einzeln in die Hand nehmen und einrichten? Hier bieten Anbieter wie Cortado Mobile Solutions mit ihrem MDM eigene, vorkonfigurierte Prozesse. Um Unternehmen noch weiter zu entlasten, bietet das Unternehmen auf Wunsch auch die vollständige Einrichtung von Google-unabhängigen Devices, inklusive Integration ins MDM. Die Server stehen in Deutschland in Frankfurt/Main, die DSGVO-Konformität ist nachgewiesen.

Gerade Kommunen denken um

Gerade Städte, Gemeinden, Energieversorger, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen fragen immer häufiger nach Alternativen zu US-Anbietern und -Diensten. Insbesondere im Bereich kritischer Infrastrukturen (KRITIS) steigt das Interesse an unabhängigen Lösungen. Ein kompletter Umstieg ist jedoch nicht immer sofort machbar und sinnvoll. Denkbar ist es beispielsweise mit besonders sensiblen Arbeitsbereichen zu beginnen und schrittweise fortzufahren.

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Hürden erkennen und einplanen

Doch eines muss einem klar sein: Der Umstieg auf nicht-US-basierte Systeme bedeutet auch Komforteinbußen. Viele Apps setzen auf Google-Dienste. Auch etablierte Verwaltungsprozesse wie der App-Download via Play Store entfallen. Cortado beispielsweise löst dies durch das Einspielen signierter APKs direkt aufs Gerät. Diese APKs können zentral verwaltet und ohne Google-Dienste installiert werden, was eine sichere und datenschutzkonforme Nutzung der Apps ermöglicht. Auch die Installation und Verwaltung von App-Updates erfolgt so zentral und automatisiert. Die Einrichtung von Exchange-Konten, VPNs und WLAN erfolgt über Profile im MDM.

Datenschutz praktisch durchgesetzt

Der Einsatz von MDM erlaubt die Trennung von Arbeits- und Privatdaten auf einem Gerät. Geräte lassen sich sperren, bei Verlust zurücksetzen oder in einen "Verloren"-Modus versetzen. Firmen behalten damit die Kontrolle über ihre sensiblen Daten, ohne in die Privatsphäre der Mitarbeitenden einzugreifen.

Fazit: Schrittweise zur Souveränität

Der komplette Umstieg auf unabhängige Systeme ist anspruchsvoll, aber möglich. Die Kombination aus Open Source und DSGVO-konformem MDM bietet einen Weg zu mehr Kontrolle und Unabhängigkeit. Wichtig ist: Nicht alles auf einmal umstellen, sondern bewusst und schrittweise vorgehen. Und letztlich muss man sich auch überlegen, was einem die Sicherheit der Systeme wert ist. Ein Komplettausfall der Systeme aufgrund von Abhängigkeiten dürfte Unternehmen jedenfalls teuer zu stehen kommen.

Über den Autor: Michael Rödiger Michael Rödiger ist CEO bei Cortado Mobile Solutions. Er berät Organisationen zu sicherem Gerätemanagement und digitaler Souveränität im mobilen Umfeld. Wichtig ist Michael Rödiger stets die richtige Balance zwischen Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit. Denn immer dann, wenn die Nutzerfreundlichkeit leidet, dann suchen und finden Betroffene einen Workaround, der letztlich die Sicherheit gefährdet.

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