Strategischer Wandel einer Ruhrgebietsstadt Bochum – ein Hotspot der IT-Sicherheit

Ein Gastbeitrag von Jaya Hegele 5 min Lesedauer

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Die digitale Transformation durchdringt zunehmend alle Bereiche unseres Lebens und erfordert hohe Datenschutz- und Sicherheitsstandards. Der verstärkte Datenaustausch birgt sowohl Chancen als auch Risiken, da immer mehr Geräte miteinander und mit dem Internet kommunizieren. Bochum hat die Bedeutung der IT-Sicherheit früh erkannt und sich dadurch einen deutlichen Standortvorteil verschafft.

(Bild:  Stadt Bochum/Lutz Leitmann, bearbeitet v. Bochum Wirtschaftsentwicklung)
(Bild: Stadt Bochum/Lutz Leitmann, bearbeitet v. Bochum Wirtschaftsentwicklung)

In den letzten Jahren hat sich Bochum zu einem zentralen Dreh- und Angelpunkt für IT-Sicherheit entwickelt. Dies ist das Ergebnis strategischer Maßnahmen und der Ansiedlung bedeutender Institutionen und Unternehmen, die intensiv an der Sicherung digitaler Infrastrukturen arbeiten.

Bochum hat in seiner über 700-jährigen Geschichte schon mehrfach erfolgreiche Wandel durchlebt, zuletzt nach der Schließung von Opel und Nokia. Die Strategen der Stadt haben dabei den notwendigen Wandel als große Chance begriffen, sich mit zukunftsorientierten Entscheidungen für die nächsten Jahrzehnte zu wappnen. Denn die Ruhr-Universität Bochum (RUB) und weitere acht Hochschulen stehen für das, was für Bochum zukunftsentscheidend ist: Wissen. Die Wissensarbeit ist daher auch in der selbst auferlegten „Bochum Strategie 2030“ festverankert. Mit dieser Richtungsvorgabe hat sich Bochum stark entwickelt. Ein Ergebnis ist unter anderem die auf dem Opelgelände entstandene Fläche MARK 51°7, bei der die Vorstellung „Wissen schafft Wirtschaft“ gelebt wird. Hier haben sich neben Instituten und Forschungseinrichtungen zahlreiche wichtige Player aus der Software- und IT-Sicherheit angesiedelt.

Ein herausragender Meilenstein auf dem Weg zum IT-Security-Hotspot war die Gründung des Horst-Görtz-Instituts für IT-Sicherheit (HGI) an der RUB im Jahr 2002. Mit etwa 1.000 Studierenden und 40 Professoren ist das HGI eine der führenden Ausbildungsstätten für IT-Sicherheit in Europa. Besonders hervorzuheben ist der Beitrag des HGI zur Entwicklung des Exzellenzclusters "CASA: Cyber Security in the Age of Large-Scale Adversaries", das international eine hohe Anerkennung genießt. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit können nahezu alle Aspekte der IT-Sicherheit abgedeckt und innovative Lösungen gegen großskalige Angriffe entwickelt werden.

Das ideale Setting für Innovationen in der IT-Sicherheit, stellt das Cube 5 dar. Angesiedelt am HGI und an der RUB sorgt dieser Inkubator des Worldfactory Start-up Center (WSC) dafür, dass Start-ups sowie Gründungsinteressierte im Bereich IT-Sicherheit und zukünftige Kommunikationssysteme (6G) die Unterstützung bekommen, die sie für ein zukunftsfähiges Unternehmen benötigen.

Ein weiterer bedeutender Schritt für Bochum war die Ansiedlung des Max-Planck-Instituts für Sicherheit und Privatsphäre im Jahr 2019. Dieses Institut verstärkt die wissenschaftliche Kompetenz der Stadt und fördert die Forschung auf dem Gebiet der IT-Sicherheit maßgeblich.

Ebenso wichtig ist die Ansiedlung etablierte Unternehmen wie ETAS, einem Unternehmen der Bosch-Gruppe, auf MARK 51°7. ETAS übernahm im Jahr 2012 ESCRYPT. Das als Spin-off der RUB hervorgegangene Unternehmen ist mittlerweile ein führender Anbieter von IT-Security-Lösungen für eingebettete Systeme in der Automobilbranche, und unterstreicht Bochums Rolle als Standort für innovative Wissensarbeit.

Nicht zu vernachlässigen sind die Branchenvertreter und Netzwerke wie der BITSI e.V., eurobits e.V. und BOtechnologies, die ebenfalls zur Entwicklung Bochums als IT-Sicherheitsstandort beitragen. Sie fördern die Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen Forschung, Wirtschaft und Startups und schaffen so ein fruchtbares Umfeld für die Weiterentwicklung der IT-Sicherheit.

Viele kleine und große Puzzleteile in Form von wichtigen Initiativen und Institutionen tragen dazu bei, dass sich Bochum zu einem bedeutenden Zentrum für IT-Sicherheit entwickelt, weit über die Stadtgrenzen hinausstrahlt und einen wichtigen Beitrag zur Sicherung digitaler Infrastrukturen leistet.

Bochums Antwort auf die großen Herausforderungen für die IT-Sicherheit

Die IT-Sicherheit gewinnt für Unternehmen, Kommunen und den Staat an Bedeutung. Bochum zeigt hohe Kompetenz auf diesem Gebiet.

Eine der größten Herausforderungen für die IT-Sicherheit ist die Bedrohung durch Quantencomputer, die herkömmliche Verschlüsselungstechniken gefährden könnten. Sicherheitsforscher des Exzellenzclusters CASA um Prof. Dr. Eike Kiltz haben quantensichere Verfahren entwickelt, die den Standardisierungswettbewerb des US-amerikanischen National Institute for Standards and Technology (NIST) gewonnen haben. Diese Verfahren, „made in Bochum“, werden die IT-Sicherheit der Zukunft rund um den Globus maßgeblich prägen.

Kritische Infrastrukturen wie Wasser- und Energieversorgung, Funkkommunikationsnetze, Gesundheitswesen und Industrieautomation sind zunehmend von Cyberkriminellen bedroht. Um die für die Infrastruktur relevanten Geräte, die mit dem Internet verbunden sind (Stichwort: Internet der Dinge, kurz IoT) zu sichern, bietet das aus dem Cube 5 Inkubator hervorgegangene Start-up PHYSEC aus Bochum spezielle Sicherheitslösungen. Diese kombinieren physische und digitale Sicherheit, um IoT-Geräte und -Netzwerke nach höchsten Sicherheitsstandards vor Cyberangriffen und Manipulationen zu schützen.

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Die Anwendungen von Künstlicher Intelligenz (KI) sind mannigfaltig und das Wirtschafts­potenzial dahinter ist enorm. Der produktive Einsatz von KI ist jedoch mit vielen Sicherheitsrisiken verbunden. Für einen einfachen und sicheren Zugang zu KI, insbesondere für klein- und mittelständische Unternehmen, sorgt das Start-up ai.dopt. Mit einem softwarebasierten Ansatz kann ai.dopt Unternehmen von der Validierung über das Erzeugen bis hin zur produktiven Verwendung einer sicheren KI-Anwendung unterstützen.

Insbesondere das Zusammenspiel zwischen wissenschaftlichen Durchbrüchen und Innovationen in der IT-Sicherheit durch Start-ups und großen, etablierten Unternehmen wie G Data, Volkswagen Infotainment und VMray sorgt in Bochum für ein gesundes Ökosystem sorgt.

Bildung und Forschung: Die Grundpfeiler der IT-Sicherheit in Bochum

Die Konzentration von Experten und Nachwuchskräften hat Bochum von einem kleinen zu einem der bedeutendsten IT-Sicherheitsstandorte Europas gemacht. Das HGI, das MPI und auch andere Bildungseinrichtungen wie die International School of IT Security ermöglichen es, aktuelle Forschungsthemen praxisnah zu vermitteln und die Studierenden optimal auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Die Stadtverwaltung hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass sich in Bochum solch ein lebendiges Ökosystem für IT-Sicherheit entwickeln konnte. Sie schafft die passenden Rahmenbedingungen für die Gründung und Ansiedlung neuer Unternehmen. Nicht zuletzt ist die Lebensqualität in Bezug auf bezahlbaren hochwertigen Wohnraum und umfangreiche Freizeitangebote für jeden, d.h. Studierende, Nachwuchskräfte und Fachkräfte in Bochum ein besonderer Standortvorteil.

Bochum als Vorreiter und Innovator in der IT-Sicherheit

Mit erstklassiger Bildung, innovativer Forschung und einer florierenden Industrie ist die Stadt sehr gut positioniert, um den Herausforderungen der digitalen Ära zu begegnen und innovative Lösungen für eine sichere Zukunft zu entwickeln. Die umfassende Unterstützung durch die Stadt und die enge Vernetzung aller Akteure machen Bochum zu einem einzigartigen Hotspot der IT-Sicherheit in Europa.

Über die Autorin: Jaya Hegele ist Expertin für Konzeptionelle Kommunikation bei der Bochum Wirtschaftsentwicklung.

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