Gezielte Desinformation Wahlbeeinflussung wird zum Problem für Unternehmen

Quelle: Pressemitteilung 5 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Am 23. Februar 2025 wählt Deutschland den neuen Bundestag. Ein wichtiges Thema dabei: die Beeinflussung von Wahlen. Dies ist kein reines Politik­problem mehr, sondern auch Unternehmen geraten dem Cyberintelligence Institute zufolge immer mehr unter Druck.

Das Cyberintelligence Institute hat untersucht, wie sich die Beeinflussung von Wahlen auf Unternehmen auswirkt.(Bild:  PX Media - stock.adobe.com)
Das Cyberintelligence Institute hat untersucht, wie sich die Beeinflussung von Wahlen auf Unternehmen auswirkt.
(Bild: PX Media - stock.adobe.com)

Bereits zum zweiten Mal identifizierte das Weltwirtschaftsforum Desinformation in Kombination mit künstlicher Intelligenz (KI) und Wahlen als größtes globales Risiko. Wie das Cyberintelligence Institute (CII) nun untersuchte, sind Wahlbeeinflussung und Desinformation sind nicht nur politische Phänomene, sondern betreffen auch Unternehmen und Wirtschaftsakteure direkt.

Unternehmen und private Organisationen brauchen ganzheitliche Sicherheits und Risikominimierungsstrategien für Probleme wie Desinformation und Wahlbeeinflussung.

Cyberintelligence Institute

Wahlbeeinflussung sei vor allem in den vergangenen zehn Jahren zu einem immer größeren Problem – auch für Unternehmen – geworden. Laut der Bertelsmann Stiftung wurden 2024 über 90 Prozent der Wahlen durch Desinformation beeinflusst. Dabei gehe es nicht nur darum, ob der Ausgang einer Wahl durch innere oder äußere Akteure effektiv gestört und manipuliert werden könnte und welche Folgen dies für das (wirtschafts-)politische Umfeld und das Agieren von Unternehmen habe. Vielmehr würden Unternehmen immer öfter selbst direkt in die Schusslinie geraten und zum Opfer von Aktionen mit dem Ziel des Image- und Reputationsschadens werden. Auch wahlbezogene Cyberattacken, inszenierte oder gekaufte Protestaktionen oder Sabotage seien Mittel der Beeinflussung. Deshalb richten sich das CII und Studienautor Dr. Christopher Nehring, Intelligence Director des Cyberintelligence Institutes, direkt an Unternehmen, Wirtschaftsverbände und andere private Organisationen, um über die Gefahren von Wahlbeeinflussung aufzuklären.

Was ist Wahlbeeinflussung?

Das CII definiert Wahlbeeinflussung als Versuche, das Ergebnis von Wahlen durch Maßnahmen, die gegen die Grundsätze demokratischer Wahlen verstoßen, absichtlich zu beeinflussen. Wahlbeeinflussung sei zu unterscheiden von legitimem, ebenfalls interessengeleitetem Wahlkampf bei dem um Einfluss, Stimmen und Macht geworben wird. „Im Gegensatz zum demokratischen Wahlkampf verletzt Wahlbeeinflussung demokratische Prinzipien und Wahlrechtsgrundsätze, benutzt Methoden wie Desinformation oder Cyberangriffe, die über legale politische Werbung und Argumentation hinausgehen, zielt auf die Manipulation von Medien, Organisationen und Wählern, beruht auf Drohungen, Täuschungen und Falschinformationen und wird zumeist von Akteuren, zum Beispiel ausländischen Staaten oder Firmen, durchgeführt, die keine Legitimation für wahlbezogene Aktivitäten haben“, heißt es in der Studie.

Ein aktueller Fall ereignete sich am 18. Februar 2025, nur wenige Tage vor der Bundestagswahl, in Leipzig. Wie die Stadt mitteilte, wurde im Rahmen einer gezielten Kampagne versucht, den Wahlkampf zu beeinflussen. In den sozialen Medien sind verschiedene Videos im Umlauf, die gefälschte Stimmzettel zeigen. Auf den Videos entsteht der Eindruck, dass in einem Leipziger Wahlbezirk der Bewerber der AfD fehlt und dass Wählende dieses Bezirks keine Zweitstimme bei der Partei setzen können. Dabei handelt es sich jedoch um manipulierte Wahlunterlagen. Die Stadt Leipzig schließt Fehldrucke aus. Derzeit würde überprüft, welche rechtlichen Schritte aufgrund dieser Videos eingeleitet werden müssen. Alle Wahlhelferinnen und Wahlhelfer seien bereits informiert und können manipulierte Stimmzettel bei der Auszählung am Wahlabend identifizierten.

Wieso werden Unternehmen Opfer von Wahlbeeinflussung?

Unternehmen werden bei Wahlbeeinflussung zur Zielscheibe. Nicht immer direkt, sondern oft auch indirekt. Während Wahlbeeinflussung meist als rein politisches Problem angesehen wird, hat sie dem CII zufolge immer öfter auch Folgen für die Wirtschaft. Und für die Akteure, die die Wahlen beeinflussen wollen, seien Unternehmen ein wichtiges Ziel. Das gelte umso mehr in Ländern, die vor allem wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und nicht aufgrund ihrer sicherheitspolitischen oder strategischen Bedeutung eine globale oder regionale Vormachtstellung haben. Die „Wirtschaftsmacht Deutschland“ sei dafür ein Paradebeispiel. Mit Angriffen gegen Unternehmen solcher Länder können Angreifer daher sowohl direkt als auch indirekt politisch agieren und Wahlen und politische Prozesse beeinflussen.

Das CII nennt diverse Gründe, warum Unternehmen direkte Opfer von Wahlbeeinflussung werden:

  • Unternehmen haben sich in einem Wahlkampf klar politisch positioniert, zum Beispiel gegen rechtsextreme Parteien und Gruppen, oder politisch engagiert.
  • Unternehmen gehören durch die Herstellung und Lieferung von Software, Materialien und Services zu einem Teil zur technischen Lieferkette für kritische Wahlinfrastruktur.
  • Unternehmen haben aufgrund von Größe, Umsatz oder Produkten und Leistungen eine systemrelevante Funktion und Stellung.
  • Unternehmen sind Teil der Lieferkette von Produkten, die von Sanktionen betroffen sind beziehungsweise in globalen militärischen Konflikten eine Bedeutung haben, zum Beispiel Rüstung, Logistik, Software oder Mobilität.
  • Unternehmen befinden sich in Konkurrenz zu staatsnahen oder systemrelevanten Unternehmen in einem anderen Land.

Als deutlich komplexer und schwieriger vorherzusehen sind dagegen die indirekten Gefahren der Wahlbeeinflussung für Unternehmen:

  • Unternehmen sind von staatlichen oder privaten Services und Produkten abhängig, die zur Zielscheibe von Angriffen wurden und ausfallen.
  • Unternehmen kooperieren mit, engagieren sich für oder erhalten Aufträge beziehungsweise leisten Services für politische Organisationen, Gruppen, Personen oder Teile der kritischen Wahlinfrastruktur.
  • Unternehmen leiden indirekt durch Angriffe auf den Marktstandort, beispielsweise durch ein „Klima der Angst und Verunsicherung“, welches sich auf die Nachfrage auswirkt.
  • Durch Desinformation befeuerte gesellschaftliche Polarisierung wirkt sich negativ auf das Betriebsklima, den Betriebsfrieden und die Gewinnung von Mitarbeitern aus.
  • Unternehmen werben, teils unabsichtlich, in Medien, die Wahl-Desinformation verbreiten, zum Beispiel über Websites, Channels, in Profilen, Gruppen, TV oder Radio-Stationen.
  • Gesetze und Compliance-Regeln, die als Reaktion auf oder zum Schutz vor Wahlbeeinflussung erlassen wurden, bringen neue Belastungen für Unternehmen.

Empfehlungen des Cyberintelligence Institutes

Das oberste Gebot um gegen Wahlbeeinflussung und Desinformation anzukämpfen, sei Awareness. In Unternehmen müsse ein Bewusstsein für die Gefahren geschaffen werden, welches nach innen und außen kommuniziert werden müsse. Als grundsätzliche Empfehlung nennt das CII zudem eine ganzeheitliche Sicherheitsstrategie. Es sei notwendig, dass Sicherheitskonzepte, Strategien, Planungen und Maßnahmen individuell auf die Bedürfnisse von Unternehmen zugeschnitten werden. Der Schlüssel sei die ganzheitliche Ausrichtung eines Sicherheits- und Abwehrkonzepts. Ein ganzheitliches Konzept beinhaltet dem CII zufolge unter anderem:

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zur IT-Sicherheit

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung
  • ein umfassendes Mapping von Gefahren, Risiken, Angriffsvektoren und Angreifern,
  • den Einbezug aller internen und externen Stakeholder, die im Sinne des Unternehmens und im Sinne der Gesellschaft und nicht in Eigeninteresse mitdenken sollten,
  • ein vorausschauendes und anpassungsfähiges Denken, welches alle Angriffsvektoren und Ebenen in ein gesamtes Konzept eingliedert,
  • eine Ausrichtung auf langfristige Resilienz,
  • das Nutzen von Ressourcen,
  • einen steten Kreislauf von Tests und Übungen, Feedback, Verbesserungen und Anpassungen sowie
  • den Aufbau und die Nutzung nationaler und internationaler Kooperationen.

(ID:50327284)