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Risiko durch Feuer, Wasser und Feinstaub

CIOs unterschätzen physische Gefahren für ihr Rechenzentrum

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Feinstaub und sogar Pollen können ein Risiko für die IT werden

Es müssen aber gar nicht die ganz großen Katastrophen sein, die die IT lahmlegen. Wer beispielsweise in einer Region mit intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen ein Rechenzentrum mit Außenkühlung betreibt, kann ebenfalls seine Überraschung erleben: Starke Pollen während der Blütezeit oder extrem feiner Sandstaub von trockenen Feldern im Sommer können die Leistungsfähigkeit der Außenkühler drastisch mindern.

3. Bedrohung für Rechenzentren: Staub beziehungsweise Feinstaub
3. Bedrohung für Rechenzentren: Staub beziehungsweise Feinstaub
(Bild: Rittal)

Außerdem können bei direkter Freikühlung feinste Partikel durch den immerwährenden Luftstrom bis in die kleinsten Winkel der Hardware gelangen, wo sie sich in den Lagern der Lüfter und auf Kühlrippen festsetzen. Das Ergebnis: Die Server erliegen dem Hitzetod.

Zugangskontrolle statt Türsteher

Einer der wichtigsten Aspekte ist der Schutz des Rechenzentrums gegenüber unberechtigtem Zutritt. Das bedeutet zunächst, dass nur die Personen Zugang haben dürfen, die dort eine legitime Aufgabe erfüllen müssen.

4. Bedrohungsart: Zerstörung durch Vandalismus oder Versehen und Unwissen.
4. Bedrohungsart: Zerstörung durch Vandalismus oder Versehen und Unwissen.
(Bild: Rittal)

Neben entsprechend gesicherten Türen und Schlosssystemen gehört dazu auch eine klare, dokumentierte Aufgabenverteilung, die über Schlüssellisten oder Passwörter durchgesetzt wird. Dabei kommen – je nach Sicherheitsniveau – eine vier-Augen-Kontrolle bei Tätigkeiten im RZ, die Protokollierung aller Zugangsversuche oder die Türüberwachung mit Kameras zum Einsatz. Werden die Bilder aller ein- und ausgehenden Personen aufgenommen und archiviert, ist auch die nachträgliche Kontrolle möglich.

Wenn keiner aufpasst, bekommt die teure IT-Ausstattung Beine oder wird ausspioniert, in jüngster Zeit gerne auch per Drohne.
Wenn keiner aufpasst, bekommt die teure IT-Ausstattung Beine oder wird ausspioniert, in jüngster Zeit gerne auch per Drohne.
(Bild: Rittal)

Feuerprobe drinnen und draußen

Ein entstandenes Feuer wird im Rechenzentrum durch eine Anlage zur Brandfrüherkennung schnell erkannt und dann idealerweise mit einem Löschgas erstickt. Ungiftige Löschgase sind deshalb eine bessere Lösung als Schaum, Pulver oder Wasser, weil die IT-Komponenten dadurch weder beschädigt noch verschmutzt werden.

Viel mehr Kopfschmerzen bereiten Brandherde in angrenzenden Räumen oder Gebäuden. Je nach Feuerwiderstandsklasse (zum Teil auch Brandschutzklasse - DIN 4102) halten Materialien einem Feuer unterschiedlich lange Stand. Die Einteilung reicht von F30 bis hin zu F120, die Zahl gibt jeweils in Minuten an, wie lange die Funktion erhalten bleibt.

Aber selbst ordnungsgemäß verbaute Materialien mit einer F90-Klassifizierung schützen die Anlage auf der Feuer-abgewandten Seite keine 90 Minuten lang. So stellt die Restfeuchtigkeit in den Materialien eine große Gefahr dar. Versuche haben gezeigt, dass das für IT-Hardware kritische Temperaturlimit von 70°C (analog zu EN 1047-2) auf der Brand-abgewandten Seite nach etwa 20 Minuten überschritten und 100 Prozent Luftfeuchte nach kurzen 15 Minuten erreicht wird.

Ganz dicht – ganz cool

Wenn die Feuerwehr den Brand bekämpft, steht im schlimmsten Fall das Wasser längere Zeit in den Gängen. Um Schäden durch den Wassereinbruch zu vermeiden, sollte das RZ wasserdicht nach EN 60529 ausgeführt sein.

Oft übersehen: Gase, die etwa beim Brand entstehen - auch in Nebenräumen, anderen Stockwerken oder sogar in Nachbargebäuden, können das IT-Equipment schädigen.
Oft übersehen: Gase, die etwa beim Brand entstehen - auch in Nebenräumen, anderen Stockwerken oder sogar in Nachbargebäuden, können das IT-Equipment schädigen.
(Bild: Rittal)

Ebenfalls oft unterschätzt wird die Gefährdung durch korrosive Rauchgase. Sie können Materialien von IT-Systemen in kürzester Zeit angreifen, was deren Lebensdauer drastisch reduziert. Sicher ist, wer die Rauchgasdichtigkeit des Rechenzentrums nach EN 18095 prüfen lässt und mindestens den Schutzlevel IP56 vorweisen kann.

Natürlich darf auch die Notstromversorgung im Schutzkonzept nicht fehlen. Unterbrechungsfreie Stromversorgungen, normalerweise mit der höchsten Güteklasse VFI-SS-111, filtern zuverlässig jede Störung aus dem Netz und sorgen bei Ausfällen unterbrechungsfrei für einen zeitlich begrenzten Betrieb oder ein ordentliches Herunterfahren der Systeme. Gegen längere Ausfallzeiträume sollten Rechenzentren durch Netzersatzanlagen wie Dieselaggregate gesichert sein.

Auch mit Strahlung lässt sich IT außer Gefecht setzen.
Auch mit Strahlung lässt sich IT außer Gefecht setzen.
(Bild: Rittal)

Fazit des Autors

Bei der Sicherheit, ob im physischen oder im digitalen Bereich gilt: 100-prozentigen Schutz gibt es nicht. Doch wer sein Rechenzentrum von Anfang an als komplexes Gebilde sieht, das über viele Schnittstellen mit der Umwelt verbunden ist, hat die Gefahrenpotenziale realisiert und kann entsprechend handeln. Eine intelligente Mischung aus planerischen, organisatorischen und technischen Maßnahmen schafft einen zuverlässigen Kordon, der die digitalen Kostbarkeiten so sicher wie möglich gegen alle physischen Bedrohungen abschirmt.

* Bernd Hanstein ist Hauptabteilungsleiter Produkt-Management IT bei Rittal, Herborn.

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