Neue Risiken für die digitale Gesellschaft KI, Cyberangriffe und Desinformation

Ein Gastbeitrag von Petra Jenner 4 min Lesedauer

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2024 ist erst wenige Monate alt, doch schon jetzt bekommen wir, neben den vielen positiven technologischen Trends, einen Vorgeschmack auf die Bedrohungen, denen Staaten, Unternehmen und Gesellschaften ausgesetzt sind und sein werden. Allein in den ersten Wochen des Jahres 2024 verzeichneten Experten Dutzende Cyberangriffe auf Unternehmen, staatliche Institutionen und andere Organisationsformen.

Cyberangriffe gegen strategisch wichtige Ziele sind schon seit einiger Zeit Realität, Desinformations­kampagnen werden in Zukunft zunehmend zum Alltag gehören.(Bild:  Sono Creative - stock.adobe.com)
Cyberangriffe gegen strategisch wichtige Ziele sind schon seit einiger Zeit Realität, Desinformations­kampagnen werden in Zukunft zunehmend zum Alltag gehören.
(Bild: Sono Creative - stock.adobe.com)

Petra Jenner ist Senior Vice President und General Manager für EMEA bei Splunk.(Bild:  Splunk)
Petra Jenner ist Senior Vice President und General Manager für EMEA bei Splunk.
(Bild: Splunk)

Durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz haben Cyber-Angriffe das Potenzial, eine völlig neue Dimension zu erreichen. Sie können schneller, effektiver und in immer kürzeren Abständen erfolgen.

Interessanterweise steht laut dem Global Risk Index der Mangel an Cybersicherheit inzwischen auf Platz vier der größten Risiken für die Menschheit – sogar vor den Bedrohungen durch bewaffnete, zwischenstaatliche Konflikte.

Die größte Bedrohung – die im Index neu hinzugekommen ist – ist jedoch die Verbreitung falscher Informationen oder Desinformations­kampagnen. Dies deckt sich mit den Schlussfolgerungen der Cyber- und Sicherheitsanalysten in „Splunk’s 2024 predictions report“.

„Wir gehen davon aus, dass sowohl Cyberangriffe als auch Desinformation zunehmen werden“

Das potenzielle Ausmaß, der Umfang und die Geschwindigkeit, mit der Technologie heute genutzt werden kann, um Organisationen und Informationsflüsse negativ zu beeinflussen, sind beispiellos. KI-Tools ermöglichen es kriminellen Akteuren, sowohl traditionellere Cyberangriffe als auch effektive Desinformations­kampagnen über soziale Medien und andere Plattformen durchzuführen. Auch, wenn ihre eigenen Ressourcen begrenzt sind.

Große, gut vernetzte Organisationen, die oft selbst im Verdacht stehen, nationalstaatliche Verbindungen zu haben, nutzen Cyberangriffe seit einiger Zeit, um Störungen in den unterschiedlichsten Bereichen zu verursachen – von Unternehmen bis hin zur zivilen Infrastruktur. Heute erwägen diese Organisationen ihr eigenes Potenzial und KI für Desinformations­kampagnen, Hacktivismus und Sabotage einzusetzen. Desinformation ist heute zu einem integralen Bestandteil nationaler Konflikte geworden und könnte sich auch auf wichtige Wahlen überall auf der Welt auswirken.

2024 ist aus meiner Sicht mit intensiveren und vielfältigeren Cyberangriffen und Desinformations­kampagnen mit kommerziellen und wirtschaftlichen Motiven zu rechnen, aber auch mit gezielteren Angriffen auf Einzelpersonen, Marken und den Ruf von Unternehmen.

Es geht darum, vorbereitet zu sein

Leider gibt es keine einheitliche Verteidigungstaktik gegen Cyberangriffe oder Desinformation.

Meiner Meinung nach sollten Staaten bei der Entwicklung des Schutzes vor Cyberangriffen darauf achten, dass die „Grundlagen“ der Cyberhygiene vorhanden sind und konsequent angewendet werden. Nationale und kommunale Behörden müssen sich auf die Stärkung der Cyberabwehr konzentrieren und eng mit Experten aus allen relevanten Bereichen zusammenarbeiten. Dazu gehören ein umfassender und organisierter Wissensaustausch, die Durchsetzung regelmäßiger Patches, die Umsetzung grundlegender Cyberhygiene sowie der Einsatz geeigneter und leistungsfähiger Sicherheits- und Überwachungs­instrumente.

Es geht darum, sich darauf zu konzentrieren und zu definieren, welche Bereiche der Gesellschaft besonders bedroht sind – darunter fallen beispielsweise Finanzinstitute, Industrieproduktion, Stromnetze oder Telekommunikationsnetze. Nach der Risikoanalyse müssen geeignete Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Wichtig ist auch, dass die zuständigen nationalen Behörden über schwerwiegende Vorfälle informiert werden.

Wichtig zu erwähnen ist, dass KI-Technologien, die wir im Zusammenhang mit Cyberbedrohungen und Desinformation erwähnt haben, auch eine äußerst positive Rolle bei der Cyberabwehr spielen werden. In den kommenden Jahren werden verschiedene KI-gestützte Tools eine wichtige Rolle dabei spielen, sowohl traditionelle Cyberangriffe als auch Desinformation in einem Ausmaß und mit einer Geschwindigkeit zu erkennen, zu bewerten, zu selektieren und abzuwehren, die Menschen ohne eine solche Erweiterung nicht erreichen könnten.

Der Kampf gegen Desinformation wird eine besondere Herausforderung darstellen. Daher muss die Öffentlichkeit umfassend darüber aufgeklärt werden, wie Angreifer vorgehen, wie man gefälschte Informationen erkennt und was man dagegen tun kann. Mit anderen Worten: Der Kampf gegen Desinformation erfordert einen komplexen, vielschichtigen Ansatz, an dem sich Unternehmen, der Staat und Einzelpersonen beteiligen müssen.

Die neue Realität

Cyberangriffe gegen strategisch wichtige Ziele sind schon seit einiger Zeit Realität. Und obwohl es sich um einen andauernden Kampf handelt und es immer viel zu tun gibt, haben sich Regierung und Industrie im Großen und Ganzen als geschickt darin erwiesen, sich an diese Situation anzupassen und unsere digitale Infrastruktur zu schützen. Und wenn wir damit rechnen können, dass Desinformations­kampagnen in Zukunft zunehmend zum Alltag gehören, erwarte ich gleichermaßen, dass Regierungen, Unternehmen und Privatpersonen effektiv zusammenarbeiten, um sich an diese neue Realität anzupassen und Wege zu finden, digitale Desinformation besser zu analysieren und zu erkennen.

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Über die Autorin: Petra Jenner ist Senior Vice President und General Manager für Europa, den Nahen Osten und Afrika bei Splunk. Vor ihrer Tätigkeit bei Splunk war Petra sechs Jahre lang bei Salesforce in verschiedenen Funktionen innerhalb der EMEA-Region tätig, zuletzt als General Manager, Senior Vice President mit Verantwortlichkeit für Osteuropa und die Schweiz. Während ihrer mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Technologiebranche bekleidete sie unterschiedliche Führungspositionen, unter anderem bei Microsoft, Checkpoint und Pivotal. Ihre Schwerpunkte liegen auf den Themen Wachstum und die Weiterentwicklung von Unternehmen, Innovationen und Go-To-Market-Lösungen, neuen Arbeitsmodelle sowie der Talententwicklung.

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