Sicherheitsvorfall bei Schufa-Tochter Kriminelle erbeuten Videoident-Daten von Bonify-Nutzern

Von Paula Breukel 2 min Lesedauer

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Die Schufa-Tochter Bonify hat ein schwerwiegendes Datenleck bestätigt. Betroffen sind Ausweisdaten, Adressen, Fotos und Videos aus dem Iden­tifikationsverfahren. Für Nutzer entsteht ein erhebliches Risiko für Iden­titätsdiebstahl.

Bonify informierte betroffene Kunden per E-Mail oder Post über den Abfluss personenbezogener Daten und arbeitet mit Behörden an der Aufklärung des Cyberangriffs.(Bild:  Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)
Bonify informierte betroffene Kunden per E-Mail oder Post über den Abfluss personenbezogener Daten und arbeitet mit Behörden an der Aufklärung des Cyberangriffs.
(Bild: Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)

Die Schufa-Tochter Bonify hat einen Sicherheitsvorfall bestätigt, bei dem Angreifer auf sensible Daten von Nutzern zugreifen konnten. Nach Unternehmensangaben betrifft der Vorfall Daten aus einem Videoident-Verfahren. Es handelt sich also um Informationen, die bei der digitalen Identifikation neuer Nutzer übermittelt werden. Darunter befinden sich Ausweisdaten, Adress­informationen, Fotos und Videoaufnahmen. Das Unternehmen erklärte, die kompromittierten Daten seien bei einem externen Dienstleister gespeichert gewesen, nicht in den eigenen Syste­men. Passwörter, Zugangsdaten oder Bonitätsinformationen seien nach aktuellem Kenntnis­stand nicht betroffen. Bonify informierte betroffene Nutzer bereits persönlich per E-Mail oder Post.

Mögliches Leck beim Drittanbieter?

Mit den erbeuteten Daten könnten Cyberkriminelle versuchen, Verträge im Namen der Opfer abzuschließen oder sich gegenüber Dritten als diese auszugeben. Besonders kritisch sind Aus­weiskopien oder Videoaufnahmen, da sie in Betrugsverfahren häufig als Legitimation einge­setzt werden. Bonify warnte, dass ein erhöhtes Risiko für Identitätsdiebstahl bestehe.

Der externe Identifizierungsdienstleister IDnow, über dessen Systeme die Videoidentifikation bei Bonify abgewickelt wird, wies jegliche Verantwortung zurück. Es habe keinen unbefugten Zugriff auf seine Systeme gegeben. Die fraglichen Daten seien im Rahmen einer Auftrags­ver­arbeitung erhoben und anschließend an Bonify übergeben worden.

Zusammenarbeit mit Ermittlungsbehörden

Bonify hat nach eigenen Angaben Anzeige erstattet und die zuständigen Datenschutzbehörden informiert. Der Berliner Landesdatenschutzbeauftragte untersucht den Vorfall, auch die Straf­ver­fol­gungsbehörden sind eingeschaltet. Das Unternehmen betont, gemeinsam mit externen IT-Sicherheitsexperten an der Aufklärung des Angriffs zu arbeiten.

Wie viele Nutzer betroffen sind und wann genau der Angriff stattfand, bleibt bislang unklar. Branchenkreise berichten von möglichen Erpressungsversuchen im Zusammenhang mit dem Datendiebstahl.

Belastung für Schufa und Bonify

Für Bonify ist der Vorfall ein Rückschlag. Das 2015 gegründete Unternehmen wurde 2022 von der Schufa übernommen und bietet Nutzern die Möglichkeit, ihren Schufa-Basisscore kostenlos einzusehen. Der Vorfall trifft die Muttergesellschaft zu einem sensiblen Zeitpunkt, da sie derzeit mit einer groß angelegten Transparenzoffensive und einem neuen Scoring-System um Ver­trauen wirbt. Zudem ist es nicht der erste Sicherheitsvorfall im Umfeld von Bonify. Bereits 2023 war Bonify Opfer eines Hackerangriffs. Ein Datenleck habe es damals jedoch nicht gegeben.

Was Bonify-Nutzer jetzt tun können

Betroffene sollten besonders aufmerksam auf ungewöhnliche Nachrichten, Mails oder Anrufe achten, in denen persönliche Daten oder Ausweisinformationen erwähnt werden. Solche Kon­taktversuche können auf Identitätsbetrug hindeuten.

Empfohlene Schritte:

  • Verdächtige Vorgänge dokumentieren: Screenshots oder Fotos anfertigen.
  • Anzeige erstatten: Verdacht auf Identitätsdiebstahl umgehend der Polizei melden.
  • Schufa informieren: Einen Identitätsbetrug eintragen lassen, um den eigenen Score zu schützen. Eine Anleitung liefer die Schufa hier.
  • Ausweis prüfen: Bei kompromittierten Dokumenten neuen Ausweis beantragen und den alten sperren lassen.
  • Monitoring aktivieren: Bonify bietet betroffenen Nutzern für sechs Monate kostenlosen Identitätsschutz an. Das Tool überwacht, ob persönliche Daten im Netz auftauchen.

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