Nachdem wir uns bereits in den letzten Wochen mit dem Fachkräftemangel in der IT-Sicherheit aus Unternehmenssicht auseinandergesetzt haben, kommt nun die Sichtweise der Bewerber an die Reihe, die sich für einen neuen Job interessieren.
Im digitalen Zeitalter sind Bewerberprofile vielfältiger denn je. Eine sorgfältige Vorbereitung und Selbstpräsentation sind der Schlüssel zum Erfolg im umkämpften IT-Security-Markt.
(Bild: Robert Kneschke - stock.adobe.com)
Sabine Hansen ist Personalberaterin und Gründerin des Leadership-Consulting-Unternehmens „She4Her“.
(Bild: She4Her)
Die Gründerin des Leadership-Consulting-Unternehmens „She4Her“, Sabine Hansen wies uns zunächst einmal darauf hin, dass die Lebensläufe, die die Bewerber einreichen, heutzutage immer qualitativ hochwertig sind und alle formalen Vorgaben erfüllen, da sie in der Regel von Werkzeugen wie ChatGPT (Generative Pretrained Transformer) erstellt werden. Die Struktur einer Bewerbung sieht dabei so aus, dass zunächst eine Seite Fließtext kommt, die den Hintergrund des Bewerbers mit seinen Kompetenzen, wie etwa durchgeführten Projekten oder auch der Führung von Mitarbeitern, darstellt. Danach folgt dann der klassische Werdegang.
Im Rahmen des oder der Vorstellungsgespräche untersuchen die Vertreter des Unternehmens, ob der jeweilige Bewerber über die für die Stellenausschreibung festgelegten Kompetenzen verfügt. Deswegen sollte dieser konkrete Situationen aus seinem Arbeitsleben oder seiner Ausbildung beschreiben und darlegen, wie er sich in diesen verhalten hat. Er kann beispielsweise erwähnen, wie er ein Team durch eine schwierige Phase geführt hat. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die konkrete Situation genau zu benennen, zum Beispiel durch die Schilderung des Widerstands gegen eine neu eingeführte Maßnahme und der Vorgehensweise beim Überwinden dieses Widerstands, etwa durch das Einbinden bestimmter Mitarbeiter in die Entscheidungsprozesse. Die Zeiten des klassischen Nerds, der an seinem Arbeitsplatz sitzt und sich um nichts anderes als seine Aufgaben kümmert, gehört in den meisten Unternehmen zur Vergangenheit. Frau Hansen sagt dazu: „Teamfähigkeit spielt eine wichtige Rolle und dazu gehört es auch, das eigene Fachwissen der Organisation, für die man arbeitet, zur Verfügung zu stellen. Im Vorstellungsgespräch muss die Bereitschaft dazu klar rüberkommen.“
In dieser Folge des Security-Insider Podcast sprechen wir mit Sabine Hansen über die Herausforderungen, vor der Unternehmen durch den Fachkräftemangel stehen.
ChatGPT als Hilfe
ChatGPT kann übrigens nicht nur beim Erstellen des Lebenslaufs helfen, sondern auch Input für das Anschreiben liefern, beispielsweise über einen Prompt wie: „Du bist ein IT-Security-Spezialist. Erstelle aus dem folgenden Lebenslauf ein Anschreiben für eine Stelle als Cyber Security Expert. Aus dem Schreiben soll hervorgehen, wieso der Bewerber sich für die Stelle interessiert und wieso er die erforderlichen Kenntnisse mitbringt. Hier ist der Lebenslauf: {Lebenslauf}. Hier ist die Stellenbeschreibung für den Cyber Security Expert: {Stellenanzeige}“.
Die Bedeutung des Anschreibens
Dr. Sebastian Schmerl ist Regional Vice President Security Services EMEA bei Arctic Wolf.
(Bild: Arctic Wolf)
Dr. Sebastian Schmerl, Regional Vice President Security Services EMEA bei Arctic Wolf wies uns darauf hin, dass die Anschreiben im Bewerbungsprozess eine große Rolle spielen, besonders wenn Bewerber Quereinsteiger sind oder mehrere Kenntnisse aus der Stellenausschreibung fehlen. Es muss daraus hervorgehen, wieso sich der Bewerber für die Stelle interessiert. Beispielsweise, weil er seine Kenntnisse vertiefen möchte. Im Anschreiben lässt sich zudem eine Eignung für die Stelle hervorheben, die aus dem Lebenslauf nicht hervorgeht.
Zusätzlich hob Dr. Schmerl noch einen anderen Punkt hervor: „Abgesehen davon spielt es für Bewerber eine wichtige Rolle, vorab herauszufinden, wie die Zusammenarbeit mit den Chefs und Teams abläuft. Nur so können sie im Vorfeld erkennen, ob die angebotene Stelle für sie passt oder nicht.“
Tommy Grosche ist Country Manager Deutschland bei Fortinet.
(Bild: Fortinet)
Nach Ansicht von Tommy Grosche, Country Manager Deutschland bei Fortinet, sollten die Bewerber ihren Lebenslauf so kurz wie möglich gestalten. Am besten besteht er nur aus den für den jeweiligen Job relevanten Highlights, die sich idealerweise auf zwei Seiten zusammenfassen lassen. In der Praxis spielt es eine wichtige Rolle, die vorhandene Expertise hervorzuheben. Neueinsteiger können das nicht, sie müssen auf Faktoren wie Lernwilligkeit, abgeschlossene Kurse, Zertifizierungen, Praktika und so weiter ausweichen. Für die Unternehmen ist es sehr wichtig, dass die Junior-Bewerber möglichst schnell produktive Tätigkeiten übernehmen können. Deswegen spielt die Persönlichkeit eine wichtigere Rolle als die Vorkenntnisse.
Etikette nicht vergessen
Im Vorstellungsgespräch müssen die Bewerber sich an die Etikette halten. Kleidung und Umfeld müssen klar kommunizieren, dass wirkliches Interesse an dem angebotenen Job besteht. Bewerber sollten also gepflegt und gut angezogen zum Gespräch erscheinen. Es kann auch Sinn ergeben, wenn die Bewerber Fragen stellen. So könnten sie sich beispielsweise darüber informieren, wie genau ein Arbeitsalltag abläuft und welches Verhalten im Unternehmen üblich ist. Auf diese Weise erhalten sie Tipps und finden viel über die Unternehmenskultur heraus.
„Sollten irgendwelche Zertifizierungen fehlen, so sprechen die Kandidaten das am besten offen an“, betont Herr Grosche. „Dabei argumentieren sie idealerweise so, dass sie den Spalt zwischen ihren Kenntnissen und den Anforderungen der Stelle möglichst schnell schließen möchten und auf Tipps angewiesen sind, wie sie das am besten machen können. Dabei muss ihre Energie deutlich werden. Denn diese kann fehlende Kenntnisse ersetzen.“
Stand: 08.12.2025
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Andrea Zarrabi, Senior Manager HR, bei Sophos sieht das ähnlich: „Bewerber müssen im Rahmen des Bewerbungsprozesses klar machen, wieso sie zu dem betroffenen Unternehmen möchten, was sie dort anspricht und wieso sie sich für die Stelle interessieren. Im Gespräch ergibt es Sinn, immer offen zu sein, viele Fragen zu stellen und sich ein genaues Bild zu machen. Es ist wichtig, herauszufinden, wie die Unternehmenskultur aussieht.“
Drei weitere Aspekte
Andrea Zarrabi ist Senior Manager HR bei Sophos.
(Bild: Sophos)
Abgesehen davon ging Frau Zarrabi auch noch auf drei andere Aspekte ein, die potentielle Bewerber im Hinterkopf behalten können. Zunächst einmal ist der Arbeitsmarkt derzeit als Arbeitnehmermarkt zu sehen. Das bedeutet, die Bewerber sind teils dazu in der Lage, sich die Jobs aufgrund der geringen Mengenverfügbarkeit und des Fachkräftemangels auszusuchen. Das trifft vor allem auf jüngere Generationen zu. Deswegen sind Unternehmen vermehrt in der Pflicht, sich aktiv um neue Mitarbeiter zu bemühen. Sie nutzen demzufolge nicht mehr nur Stellenausschreibungen, sondern auch das Mittel der Direktansprache, beispielsweise über LinkedIn, sowie Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programme, die Boni für die Vermittlung ausloben, um Kandidaten anzusprechen. Als relevant für die Bindung zukünftiger Mitarbeiter hat sich auch erwiesen, mit ihnen zwischen Abschluss des Vertrages und Startdatum regelmäßig im Austausch zu bleiben, um das sogenannte Ghosting zu verhindern. Das macht vor Arbeitsbeginn vieles einfacher und könnte auch im Bewerbungsgespräch thematisiert werden.
Abgesehen davon haben sich die Ansprüche von Bewerbern an das Thema Work-Life-Balance stark verschoben. Dies erweist sich teilweise als eine Herausforderung für Unternehmen, beispielsweise die Vier-Tage-Woche. Hier ist das Management gefragt und die Unternehmen müssen vieles möglich machen. Flexibilität in diesem Bereich kann ein echter Wettbewerbsvorteil im „War for Talents“ sein und erlaubt, die Gruppe potenzieller Mitarbeiter zu erweitern – auch unter dem Aspekt von Diversity und Inclusion. Auch darüber sollten die Interessenten im Bewerbungsgespräch reden.
Drittens kommt es auch vor, dass manche Bewerber gerne teilweise aus dem Ausland arbeiten würden. In diesem Zusammenhang gilt „Arbeiten unter Palmen“ als Synonym für ortsunabhängige Tätigkeiten. Hier ergibt es Sinn, wenn das Unternehmen dafür eine globale Policy vorweist, die im Bewerbungsgespräch vorgestellt wird und die den Rahmen vorgibt, so dass es zu keinen Konflikten mit gesetzlichen Regelungen kommt und möglichst viel zusammen mit den Mitarbeitern realisiert werden kann.
Starke Arbeitsmarktverschiebung
Stephanie Krüger ist Head of Talent Acquisition bei HRtbeat.
(Bild: HRtbeat)
Nach Meinung von Stephanie Krüger, Head of Talent Acquisition bei HRtbeat, ist die Verschiebung des Arbeitsmarktes derzeit so stark wie nie zuvor. „Arbeitgeber haben immer noch überzogene Ansprüche und anders als früher sind die Ansprüche der Arbeitnehmer ebenfalls stark gestiegen. Dadurch wird das Spannungsfeld immer größer, was auf beiden Seiten zu Problemen führt“, sagt sie.
Deswegen ist es in der Praxis wichtig, Gespräche auf Augenhöhe zu führen. Es geht bei einem Arbeitsverhältnis schließlich um eine Vertragspartnerschaft und die Beziehungen sollten deswegen so ähnlich ablaufen, wie die zu Dienstleistern und Kunden, die ja üblicherweise ebenfalls fair behandelt werden.
Zertifikate haben für Recruiter eine andere Bedeutung als für Fachentscheider
Zertifikate stellen für die Recruiter zunächst einmal eine Option dar, sich abzusichern. Fachentscheider legen mehr Wert auf die praktischen Erfahrungen. Verfügt ein Bewerber nicht über die für die angestrebte Stelle geforderten Zertifikate, so sollte er sich bei der Bewerbung auf seine Erfahrung konzentrieren und Beispiele dafür nennen. Es ergibt generell Sinn, bei aktiven Bewerbungen mit Referenzen zu arbeiten. Die Interessenten müssen klar machen, dass sie sich mit den geforderten Inhalten auskennen. Generell gilt, dass Recruiter, die ohne Unterstützung der Fachabteilungen arbeiten, Gefahr laufen, dazu neigen, zu viele Bewerber auszusortieren. Generell gilt in diesem Zusammenhang: Der Bewerber muss im Bewerbungsprozess belegen, dass er die nötigen Kenntnisse im Bereich der jeweiligen Zertifikate hat. Und die Unternehmen müssen eben auch Bewerber berücksichtigen, die vom Profil her nicht vollständig passen.
Bewerber sollten allerdings auch keine Kenntnisse angeben, über die sie nicht verfügen, da dies im Nachhinein zu Problemen führt. Abgesehen davon ist es nicht empfehlenswert, Zertifikate anzugeben, die nicht gefragt sind. Die Recruiter nehmen sich etwa sechs bis acht Sekunden Zeit, um eine Bewerbung erstmalig zu analysieren, deswegen muss sie kurz und prägnant sein.
Zusammenfassung
Als Bewerber kann man gut auf Hilfe von KI setzen, um die Bewerbung bestmöglich zu gestalten. Es ist aber wichtig, die KI-generierten Anschreiben und Lebensläufe vor dem Versand noch manuell an das jeweilige Unternehmen und die Stelle anzupassen. Aus den Bewerbungsunterlagen muss hervorgehen, woher die Interessenten das Unternehmen und seine Produkte kennen, wieso sie interessiert sind, dort zu arbeiten und ob sie bereits Projekte mit dem Unternehmen durchgeführt haben.
ChatGPT lässt sich übrigens auch nutzen, um sich auf Vorstellungsgespräche vorzubereiten. Dazu eignet sich beispielsweise ein Prompt wie: „Du bist ein HR-Consultant. Analysiere das folgende Stellenangebot und sage mir, welche Fragen in einem Vorstellungsgespräch voraussichtlich gestellt werden. Hier das Stellenangebot: {Stellenangebot}“. Anschließend kann ChatGPT auch zum Einsatz kommen, um die gestellten Fragen zu beantworten.