USA setzen eigene Keylogger erstmals erfolgreich ein FBI durchsucht mit Keylogger heimlich Computer von Verdächtigen
Die amerikanische Bundespolizei hat einen jugendlichen Straftäter ermittelt, der damit drohte, seine ehemalige High School in die Luft zu sprengen. Das besondere dabei: Erstmals setzte die Behörde mit richterlichem Segen eine spezielle Spyware ein, ähnlich des hierzulande berühmt-berüchtigen „Bundestrojaners“. In einem Blog tauchten nun Details zu diesem Programm auf.
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Nach den traurigen Anschlägen auf High Schools und Universitäten in den USA greift die Bundespolizei FBI (Federal Bureau of Investigation) nun erstmals zu raffinierten technischen Ermittlungsmethoden. Im konkreten Fall ging es um die Identitätsermittlung eines potenziellen Bombenlegers, der mit einem Anschlag auf eine High School drohte.
Dazu nutzte er fünf verschiedene Google-Mail-Adressen und ein MySpace-Konto, das auch anderen Schul-Hassern als Plattform dienen sollte. Zum Einloggen nutzte er kompromittierte Rechner, so dass die IP-Adressen, die Google und MySpace an das FBI meldeten, nicht zum Fahndungserfolg sondern nach Italien führten.
Richter gibt grünes Licht
Das FBI beantragte daraufhin einen richterlichen Durchsuchungsbefehl – und den Einsatz des „Computer and Internet Protocol Address Verifiers“ (CIPAV). Dabei handelt es sich um eine Art „behördlicher Spyware“, die das FBI zum Ausspähen verschiedener Daten einsetzen kann. Der zuständige Richter genehmigte sowohl Durchsuchungsbefehl als auch den CIPAV-Einsatz. Einzige Auflage: Die Spyware durfte die mitgeschnittenen IP-Informationen nur zwischen 6 und 22 Uhr an die Behörde übertragen, obwohl theoretisch auch eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung möglich ist.
In seinem Blog beim US-Branchendienst CNet erläutert der Journalist Declan McCullagh die Vorgehensweise von CIPAV. Das Programm wird per E-Mail oder Instant Messenger auf einen Windows-Rechner geschleust und nistet sich dort unauffällig ein. Im vorliegenden Fall verschickte das FBI die CIPAV-Spyware sogar via Google-Mail und MySpace, als der potenzielle Bombenleger wieder Drohungen veröffentlichte.
Durchsuchung im Hintergrund
Nach dem erfolgreichen Transfer auf den verdächtigen Rechner, schickt CIPAV eine Liste an das FBI. Dort sind die Namen aller laufenden Programme, Browser-Informationen, das Betriebssystem samt Seriennummer sowie alle Benutzerinformationen aus der Registry des Systems aufgeführt. Zusätzlich übermittelt CIPAV die zuletzt besuchte Internetseite sowie alle aufgerufenen IP-Adressen.
Nicht übermittelt werden Kommunikationsinhalte, was das FBI in einer eidesstattlichen Erklärung des Beamten, der den Durchsuchungsbefehl beantragte, mehrfach betont. Damit gehen die USA einen anderen Weg wie die deutschen Politiker, die in der Diskussion um den „Bundestrojaner“ eine derartige Funktion ausdrücklich forderten. Unklar ist dagegen, ob CIPAV prinzipiell in der Lage ist, Kommunikationsinhalte und Tastatureingaben mitzuprotokollieren sowie an die Ermittler zu senden.
In diesem Fall war der Einsatz der heimlichen Computerüberwachung von Erfolg gekrönt – der jugendliche Straftäter wurde gefasst. Damit ist das FBI bei der technikgestützten Überwachung von Verdächtigen einen bedeutenden Schritt weiter gegangen. Bisher hatte die Behörde auf Keylogger gesetzt, die per Hand am Zielsystem installiert wurden.
Artikelfiles und Artikellinks
Link: Homepage des FBI
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