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Schritt 2: Definition der Ausgangslage
Die Ausgangslage ist ähnlich dem aktuellen Standort bei einer GPS-Anwendung. Um den Weg zum Ziel zu finden, muss man den Startpunkt kennen. Alle weiteren Schritte bauen auf den ersten beiden auf, da sie ein klares Verständnis der aktuellen Situation schaffen – wie etwa bestehende Funktionen, Prozesse, Anwender und Kosten. Nur mit diesem Verständnis ist es möglich, die Ziele für ein IAM-Projekt zu setzen.
Allzu oft unterschätzen Unternehmen den Umfang eines IAM-Prozesses – entweder im Hinblick auf die Anzahl der betroffenen Mitarbeiter und Systeme oder die Komplexität der versteckten Details in den Sicherheitsanforderungen der Applikationen. Dabei kommt es häufig zu einer Fehleinschätzung, inwiefern ein Projekt die Geschäftsabläufe insgesamt beeinflusst – was unweigerlich bei der Implementierung zu einer Katastrophe führt und zudem die wirtschaftliche Rechtfertigung des Projekts untergräbt.
Um ein vernünftiges Grundverständnis für das Projekt sicherzustellen, ist es wichtig, alle Schlüsselstellen zu identifizieren – vom IT-Team zu den Helpdesk-Mitarbeitern und dem Security-Team bis hin zu den Anwendern in den Fachabteilungen – und zu klären, in welcher Weise sie von den aktuellen Prozessen betroffen sind. Beispielsweise muss berücksichtigt werden:
- Wie viele Anwender müssen unterstützt werden, einschließlich Mitarbeiter, Auftragnehmer, Partner, Berater etc.? Wie hoch ist die Abwanderungsquote?
- Wie lange dauert es im Schnitt, bis ein neuer Anwender angelegt ist?
- Wie lange dauert es für gewöhnlich, bis eine Änderung der Zugriffsrechte genehmigt ist?
- Wie oft müssen im Monat Passwörter zurückgesetzt werden?
- Wie viele Zugriffsberechtigungen werden durchgeführt und wie häufig? Wie effektiv ist das?
- Wie viel Aufwand ist damit verbunden, Richtlinien (etwa die Trennung von Rechten) durchzusetzen?
Sobald die aktuellen Prozesse und beteiligten Rollen im Detail verstanden wurden, können anhand dieser Informationen die grundlegenden Kosten des aktuellen Ansatzes erfasst werden.
Schritt 3: Definition erreichbarer Ziele für das Projekt
Überzeugende Business Cases basieren auf unternehmerischen Zielen und Vorteilen. Während die Auswahl einer spezifischen Technologielösung auch Detailfragen bis hin zur Softwarearchitektur oder andere technische Aspekte berühren kann, werden Entscheidungen mit Blick auf Geschäftsanwendungen zumeist generell anhand eines Lösungstyps, der Kosten oder des unternehmerischen Nutzens getroffen.
Dies sollte vergleichsweise einfach zu lösen sein, da die Dokumentation und Quantifizierung der spezifischen Anforderungen, Prozesse und betroffenen Parteien bereits zum Großteil während der ersten beiden Schritte erledigt wurde. Wesentlich ist, dass die Geschäftsziele messbar sind. Wenn sich beispielsweise ergeben hat, dass ein neues IAM-Projekt in den kommenden fünf Jahren dem Unternehmen z.B. 10 Millionen Euro an Kosten einspart, sollte präzisiert werden, wie sich dies zusammensetzt und wie das Erreichen dieses Ziels über den Zeitraum festgestellt werden kann.
Sollte das nicht messbar sein – da eventuell die dafür nötigen Zahlen fehlen – ist es besser, dieses Ziel nicht aufzuführen. Aus diesen Gründen sollten die Zielsetzungen realistisch sein, was in der Regel bedeutet, klein anzufangen und die Vorteile aufzuzeigen, die sich im Laufe der Zeit ergeben – ein phasenweiser Ansatz, anstatt alles auf einmal umsetzen zu wollen.
Erfolge in der ersten Phase können zur Dokumentation und zum Nachweis der Einschätzungen herangezogen werden, die dem Projekt zu Beginn zugrunde lagen. Damit kann zudem dargelegt werden, dass die geplanten Vorteile tatsächlich realistisch und erreichbar sind. Dies kann helfen, Unterstützung für künftige Phasen zu erhalten – möglicherweise in einem größeren Umfang als anfangs denkbar gewesen wäre.
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