50 Jahre Microsoft: Von MS-DOS zu Cloud-first

Happy Birthday Microsoft!

< zurück

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Microsofts Cloud-Geschäft: Azure als Wachstumsmotor

In den letzten Jahren hat sich Microsofts Cloud-Geschäft zu einem zentralen Erfolgsfaktor für das Unternehmen entwickelt. Mit der Einführung von Microsoft Azure im Jahr 2010 trat das Unternehmen in direkte Konkurrenz zu Amazon Web Services (AWS) und Google Cloud. Seitdem hat sich Azure zu einer der weltweit führenden Cloud-Plattformen entwickelt, die Unternehmen jeder Größe umfassende Lösungen für Speicherung, Rechenleistung, künstliche Intelligenz und Unternehmensanwendungen bietet.

Microsoft CEO Satya Nadella demonstriert 2023 die transformative Kraft künstlicher Intelligenz auf der Microsoft AI Tour in Rom, zeitgleich mit den jüngsten globalen Investitionen in Cloud- und KI-Infrastruktur. (Bild:  Microsoft)
Microsoft CEO Satya Nadella demonstriert 2023 die transformative Kraft künstlicher Intelligenz auf der Microsoft AI Tour in Rom, zeitgleich mit den jüngsten globalen Investitionen in Cloud- und KI-Infrastruktur.
(Bild: Microsoft)

Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg von Azure ist die Flexibilität der Plattform. Microsoft setzt stark auf Hybrid-Cloud-Strategien, die es Unternehmen ermöglichen, Cloud-Dienste sowohl in öffentlichen als auch in privaten Rechenzentren zu nutzen. Diese hybride Herangehensweise hat sich als besonders attraktiv für Unternehmen erwiesen, die eine schrittweise Migration in die Cloud anstreben oder sensible Daten in einer On-Premises-Umgebung behalten möchten.

Darüber hinaus hat Microsoft zahlreiche Innovationen im Bereich künstlicher Intelligenz und maschinelles Lernen vorangetrieben, die mit Azure nutzbar sind. Mit GPT-Technologien und KI-gestützten Diensten wie Copilot setzt der Konzern neue Akzente in seinen Produkten. Unternehmen können leistungsstarke KI-Modelle nutzen, um Daten zu analysieren, oder Automatisierungen zu implementieren. Die tiefe Integration von Azure mit anderen Microsoft-Produkten wie M365, Teams und Dynamics 365 ermöglicht zudem die nahtlose Nutzung und Optimierung von Arbeitsprozessen.

Die Herausforderungen: Kartellrechtsprozesse und Konkurrenz

In den 1990er Jahren geriet Microsoft in das Visier von Wettbewerbsbehörden weltweit. Der wohl bekannteste Fall war das Kartellrechtsverfahren der US-Regierung gegen Microsoft im Jahr 1998. Der Vorwurf: Microsoft nutzte seine Marktmacht, um Konkurrenzprodukte zu unterdrücken. Besonders die Integration des Internet Explorers in Windows sorgte für Diskussionen, da dies den Wettbewerb mit dem damaligen Browser-Pionier Netscape erheblich erschwerte.

Nach langwierigen Gerichtsverfahren wurde Microsoft 2001 verpflichtet, seine Marktpraktiken anzupassen. Auch in der EU wurde das Unternehmen in den 2000er Jahren mehrfach zu hohen Geldstrafen verurteilt, unter anderem wegen wettbewerbswidrigen Verhaltens bei der Medienwiedergabe-Software Windows Media Player und der unzureichenden Bereitstellung technischer Informationen für Konkurrenten. Trotz dieser Herausforderungen blieb Microsoft wirtschaftlich stark und passte seine Strategie schrittweise an, indem es sich für mehr Interoperabilität und offene Standards öffnete – wenn auch nicht in dem Maße, wie es Branchenverbände oder Wettbewerbswächter fordern.

Microsoft blickt auf 50 Jahre Erfolgsgeschichte zurück
Bildergalerie mit 21 Bildern

Wandel zur Innovationsführung: KI, Cloud und Open Source

In den letzten Jahren hat Microsoft einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen, um mit der sich verändernden Technologielandschaft Schritt zu halten. Unter der Führung von CEO Satya Nadella seit 2014 konzentrierte sich das Unternehmen zunehmend auf Cloud-Technologien und künstliche Intelligenz. Microsoft Azure entwickelte sich zu einer der führenden Cloud-Plattformen weltweit und steht in direkter Konkurrenz zu Amazon Web Services (AWS) und Google Cloud.

Ein bemerkenswerter Wandel war die Annäherung an Open-Source-Software. Lange Zeit war Microsoft als Gegner von Open Source bekannt, doch in den letzten Jahren hat sich das Unternehmen stark geändert. Die Übernahme von GitHub im Jahr 2018 war ein deutliches Signal für diese neue Strategie. Zudem wurde die Kompatibilität von Windows mit Linux-Systemen verbessert, was Entwicklern neue Möglichkeiten eröffnete.

Auch im Bereich der künstlichen Intelligenz hat Microsoft große Fortschritte gemacht. Mit Investitionen in Technologien wie GPT-gestützte Sprachmodelle und die Integration von KI in Produkte wie Microsoft 365 und den Edge-Browser verfolgt das Unternehmen eine klare Innovationsstrategie. So zielen Projekte wie Microsoft Copilot darauf ab, den Arbeitsalltag durch KI-gestützte Automatisierung zu erleichtern.

Kevin Scott, Chief Technology Officer Microsoft
„Wenn man sich einen Moment Zeit nimmt, um darüber nachzudenken, wie die Welt vor 50 Jahren aussah, lässt sich der Einfluss, den Microsoft auf die technologische Entwicklung der folgenden fünf Jahrzehnte hatte, kaum überschätzen: Wir haben die PC-Revolution vorangetrieben, ein ganzes Ökosystem darum herum geschaffen und zahlreiche bedeutende Beiträge zu allen späteren Technologieplattformen geleistet. Und trotz dieses gewaltigen Erbes bin ich überzeugt, dass die KI-Plattform, die wir heute aufbauen, letztlich einen noch größeren Einfluss auf die Welt haben könnte als all diese bisherigen Entwicklungen zusammen.“

Bildquelle: Microsoft Corp.

Die Welt ohne Microsoft: ein alternatives IT-Universum?

Wie würde die IT-Welt heute ohne Microsoft aussehen? Wahrscheinlich wäre die technologische Landschaft völlig anders. IBM hätte möglicherweise eine größere Dominanz im PC-Markt behalten, während Apple eventuell schon früher einen größeren Marktanteil erlangt hätte. Vielleicht hätte sich der Markt ohne Windows als Quasi-Standard für PC-Betriebssysteme stärker fragmentiert, mit einer größeren Vielfalt an konkurrierenden Systemen. Dies hätte jedoch möglicherweise auch die Entwicklung und Verbreitung von Software erschwert, da Unternehmen ihre Anwendungen für mehrere unterschiedliche Plattformen entwickeln müssten.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zur IT-Sicherheit

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Auch das Office-Software-Ökosystem wäre nicht dasselbe. Microsoft Office hat maßgeblich dazu beigetragen, einheitliche Standards für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen zu setzen. Ohne diese Standardisierung wäre die digitale Büroarbeit möglicherweise komplexer und weniger produktiv.

Sicherlich hätte sich auch die Cloud- und KI-Entwicklung anders gestaltet. Microsoft ist einer der Haupttreiber im Cloud-Computing-Sektor und hat mit Azure eine der führenden Plattformen aufgebaut. Ohne diesen Wettbewerb wäre Amazon Web Services (AWS) vielleicht noch dominanter, während Unternehmen wie Google einen stärkeren Einfluss im Unternehmens-Cloud-Sektor hätten.

Fazit: Microsofts Einfluss auf die IT-Welt

Microsoft ist weit mehr als nur ein Softwareunternehmen. Es hat die Art und Weise, wie Menschen arbeiten, kommunizieren und Technologien nutzen, maßgeblich geprägt. Das 50-jährige Jubiläum ist ein Meilenstein in der Geschichte der Informationstechnologie – und ein Blick in eine Zukunft, die zumindest in absehbarer Zeit weiterhin von Microsoft mitgestaltet wird.

Achim Berg, ehemaliger Area VP von Microsoft Germany, blickt zurück

Achim Berg war von 2007 bis 2010 Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland. In seine Zeit fiel die Einführung von Windows XP – eines der erfolgreichsten Betriebssysteme des Unternehmens – ebenso wie die spätere Veröffentlichung des deutlich weniger gefeierten Windows Vista. Doch rückblickend betrachtet war es für Berg vor allem ein strategischer Schritt, der bleibenden Eindruck hinterließ: „Microsoft erkannte, dass Cloud-Computing die Zukunft sein würde, und startete 2008 die Azure-Plattform (damals als „Windows Azure“ bekannt). Dies war der Beginn von Microsofts langfristiger Transformation zum Cloud-Giganten und wir waren in Deutschland damals führend in dieser Transformation.“

Achim Berg ist heute Operating Partner und Senior Advisor der Viessmann Group.
(Bildquelle: Viessmann Group)

Begleitet wurde dieser Wandel von tiefgreifenden kulturellen Veränderungen im Unternehmen, erinnert sich Achim Berg: „Microsofts Unternehmenskultur hat sich in den Jahren in der Tat sehr verändert, aber bewährte Prinzipien wie Innovation, Anpassungsfähigkeit, Kundenfokus und strategische Partnerschaften sind geblieben. Die Transformation zum Cloud- und KI-Konzern war möglich, weil Microsoft diese Werte immer beibehalten hat.“

In den Jahren 2007 bis 2010 konnte Microsoft Deutschland über alle Produktbereiche hinweg stark wachsen. Besonders bemerkenswert sei der strategische Umgang mit dem Thema Open Source gewesen: Die Aktivitäten in diesem Umfeld, insbesondere rund um Windows und Office, konnten gezielt adressiert und zurückgedrängt werden. Dass Microsoft heute einen besonderen Fokus auf den Standort Deutschland lege, zeige sich nicht zuletzt in den kontinuierlich wachsenden Investitionen in lokale Rechenzentren sowie speziell auf den deutschen Markt ausgerichtete in KI-Initiativen.

Welches Ereignis war besonders aufregend? „Da fällt mir eine Menge ein“, sagt der ehemalige Deutschlandchef, „auf der Bühne mit einem wilden Steve Ballmer, ein Besuch bei Bill Gates in seinem Privathaus, mit der Kanzlerin über die Cebit. Aber eigentlich hat mich die tolle Stimmung, die im Team und der gesamten Mannschaft mit der Zeit gewachsen ist, am meisten motiviert und stolz gemacht.“

Mit Blick auf die Zukunft gibt es aus Sicht des ehemaligen Microsoft-Managers kaum Zweifel: „KI wird der ‚game changer‘ sein und Microsoft ist nicht nur durch das Investment in OpenAI hier sehr gut aufgestellt.“

Microsoft blickt auf 50 Jahre Erfolgsgeschichte zurück
Bildergalerie mit 21 Bildern

(ID:50379262)