Wolke im Schuhkarton

Lassen sich Daten in der Cloud kontrollieren?

| Autor / Redakteur: Tommy Grosche* / Stephan Augsten

Selbst in Zeiten der Cloud versuchen Unternehmen noch krampfhaft, den Standort der Daten zu verfolgen.
Selbst in Zeiten der Cloud versuchen Unternehmen noch krampfhaft, den Standort der Daten zu verfolgen. (Bild: Archiv)

Viele deutsche Unternehmen Probleme, Kundendaten zu schützen und Datenpannen zu verhindern. Oft wird nämlich versucht, die kontrollierte Datenhaltung der Papierwelt auf digitale Inhalte zu übertragen. Hier muss ein Gedankenwandel stattfinden.

Deutsche Unternehmen gelten als besonders genau. Egal ob Einspritzventil, Kuckucksuhr oder Content Management: man arbeitet präzise, zuverlässig und mit Augenmaß. Soweit das Vorurteil – die Wirklichkeit sieht oft anders aus, vor allem in der digitalen Welt. Bei aller Unvollkommenheit wird doch weiter auf bisher überlieferte Regeln vertraut: Kontrolliere deine Daten, behalte sie stets im Auge!

Hier liegt bereits ein Denkfehler. Daten können – anders als Aktenordner – durchaus an mehreren Orten zugleich liegen, sich in Sekundenschnelle von Schwabing nach Peking bewegen. Trotzdem können sie stets unter der Kontrolle ihrer Besitzer bleiben, auch ohne Augenkontakt. Denn Datenkontrolle bedeutet: Einfluss darauf zu haben, wer Zugriff auf die Daten bekommt und wie sie weiter verwendet werden.

Eine Option, um Daten kontrollieren zu können, ist die Cloud. Die Vorteile des Cloud Computing sind zahlreich: es ist skalierbar, ständig verfügbar, standortunabhängig – und spart zudem noch Kosten ein. Doch Kontrolle gehört nicht zu ihren stereotypen Vorteilen, wenigstens für deutsche Unternehmen.

Eine Verlagerung der Daten in die Cloud bedeutet, dass sie um den Globus wandern. Gerade internationale Cloud-Anbieter haben deswegen Schwierigkeiten, potentielle Kunden zu gewinnen: ihre Rechenzentren liegen verstreut über die Weltkugel. Doch einige Unternehmen vertrauen noch immer lieber ihrem Serverschrank als dem World Wide Web.

Diese On-Premise-Lösungen scheinen auf den ersten Blick auch ausreichend – und doch ist eine rein lokale Cloud schlicht widersinnig; die Bewegung der Daten ist ihre Bestimmung, ihr Speicherplatz nur sekundär. Eine „Cloud im Schuhkarton“ hilft internationalen Unternehmen daher nicht weiter.

Der Digitale Binnenmarkt als kontinentaler Schuhkarton

Die Regulierungen der EU zur Datenkontrolle im Rahmen des sogenannten Digitalen Binnenmarktes bewegen sich jedoch ebenfalls in diese Richtung. Diverse Anforderungen an die Speicherung von Daten in der Cloud, aus bestehenden Länder- und neuen EU-Vorgaben zusammengefügt, sehen vor, dass Rechenzentren in Europa liegen müssen, um Cloud-Daten zu speichern.

Brüssel erhofft sich einen virtuellen Maschendrahtzaun, der zum Schutz der Netzwerke entlang der geographischen EU-Grenzen hochgezogen werden soll. Doch damit wird die Cloud jedoch nicht aus dem Schuhkarton befreit – dieser wird nur etwas ausgedehnt.

Zwar ist es ein gutes Zeichen, dass die EU sich mit nationalen Datengrenzen beschäftigt – doch das Ergebnis des digitalen Binnenmarktes ist nicht die Aufhebung von Datengrenzen, sondern nur eine Erweiterung der „erlaubten“ Zone für Cloud-Provider. Die Lösung des eigentlichen Problems wird so nur verlagert.

Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen ihr Verständnis von Informationen und Kontrolle den realen Gegebenheiten anpassen. Sie müssen Abstand vom Konzept des physischen Speicherortes nehmen. Je mehr technischen Fortschritt wir erleben, desto dringender ist es, sich mit diesem Konzept eingehend auseinanderzusetzen.

Mit moderner Technik hat der physische Speicherort nichts mehr zu tun. In Zeiten der Papierakten war es entscheidend, wo die Akten abgelegt und wohin sie befördert wurden. Doch heute, in der digitalen Ära mit einer unendlichen Anzahl an Datensätzen, die in Millisekunden um die Erde wandern, ist ein neues Konzept für Datensicherheit erforderlich.

Der Speicherort ist nicht mehr der ausschlaggebende Faktor, sondern die Kontrolle über die Daten. Wer hat Zugriff? Was darf er mit der Datei tun – sie kopieren, ausdrucken, verändern?

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