Cyber Resilience Act Open-Source-Gemeinschaft entwickelt Cyber­sicherheits­prozesse für die Umsetzung von CRA-Vorschriften

Quelle: Pressemitteilung Eclipse Foundation 4 min Lesedauer

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Namhafte Organisationen der Open-Source-Community planen ein konzertiertes Engagement, um gemeinsame Standards für eine sichere Softwareentwicklung zu schaffen.

Eine neue Arbeitsgruppe wird unter dem Dach der Eclipse Foundation gegründet. Das Ziel sind gemeinsame Standards für die sichere Softwareentwicklung auf Basis bereits bewährter Praktiken einzelner Open-Source-Organisationen.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Eine neue Arbeitsgruppe wird unter dem Dach der Eclipse Foundation gegründet. Das Ziel sind gemeinsame Standards für die sichere Softwareentwicklung auf Basis bereits bewährter Praktiken einzelner Open-Source-Organisationen.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Die Apache Software Foundation, die Blender Foundation, die OpenSSL Software Foundation, die PHP Foundation, die Python Software Foundation, die Rust Foundation und die Eclipse Foundation wollen zusammen an der Erstellung gemeinsamer Spezifikationen für die sichere Softwareentwicklung auf der Grundlage bewährter Open-Source-Prozesse arbeiten. Das gab die Eclipse Foundation in einer Pressemitteilung bekannt. Laut dieser gehe es bei dem Schritt darum, den realen Herausforderungen der Cybersicherheit im Open-Source-Ökosystem zu begegnen und die volle Unterstützung des Cyber Resilience Act (CRA) der Europäischen Union zu demonstrieren.

Diese gemeinsame Anstrengung soll bei der in Brüssel ansässigen Eclipse Foundation beheimatet sein und werde in Form einer neuen Arbeitsgruppe umgesetzt. Als Europas größte Open-Source-Stiftung, die bereits einen robusten offenen Spezifikationsprozess entwickelt und anwendet, will die Eclipse Foundation eine ideale Plattform für dieses Projekt bieten.

Andere Open Source Foundations sowie KMU, Industrieunternehmen und Forschungseinrichtungen sind eingeladen, sich ebenfalls zu beteiligen. Ausgangspunkt sind die bereits bestehenden Sicherheitsrichtlinien und -verfahren der jeweiligen Open-Source-Stiftungen und ähnliche Dokumente, in denen Best Practices beschrieben werden. Die Leitung der Arbeitsgruppe folgt dem üblichen, mitgliedergeführten Modell der Eclipse Foundation, wird aber durch eine erweiterte Vertretung der Open-Source-Gemeinschaft ergänzt, um Vielfalt und Ausgewogenheit bei der Entscheidungsfindung zu gewährleisten. Die Ergebnisse bestehen aus einer oder mehreren Prozessspezifikationen, die unter einer liberalen Copyright-Lizenz für Spezifikationen und einer gebührenfreien Patentlizenz zur Verfügung gestellt werden sollen.

Bedeutung und Dringlichkeit der CRA-Konformität

Der Grund für diese Zusammenarbeit gehe laut der Eclipse Foundation über die Einhaltung von Vorschriften hinaus. Software, insbesondere Open-Source-Software, spielt in unserer Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle, und der Bedarf an Zuverlässigkeit, Sicherheit und Schutz nimmt stetig zu. Neue Vorschriften, wie der bevorstehende CRA, unterstreichen die Dringlichkeit des Ansatzes „Secure by Design“ und robuster Sicherheitsstandards für die Lieferkette, und zwar lange vor Inkrafttreten der neuen Verordnung im Jahr 2027.

Open-Source-Gemeinschaften und -Stiftungen halten sich zwar in der Regel an die branchenüblichen Best Practices im Sicherheitsbereich und haben diese auch in der Vergangenheit umgesetzt, doch fehlt es ihren Ansätzen häufig an Abstimmung und umfassender Dokumentation, so die Eclipse Foundation. Nun stünden sie vor einer gemeinsamen Herausforderung: der dringende Bedarf an Standards für den Cybersicherheitsprozess, der durch den CRA geschaffen wurde.

Schwierigkeiten bei der Entwicklung von Open-Source-Sicherheitsstandards

Der CRA zieht zahlreiche Standardisierungsanforderungen der Europäischen Kommission an die Europäischen Standardisierungsorganisationen nach sich. Und das sind nur die europäischen Anforderungen. Auch aus den USA und anderen Regionen sind ähnliche Regulierungen zu erwarten, so Eclipse. Der CRA definiere eine neue Art von Wirtschaftsakteur: den Open Source Steward. Auch in diesem Zusammenhang möchten die Open Source Foundations gemeinsame Spezifikationen für eine sichere Softwareentwicklung definieren.

Diese Herausforderung werde durch folgende Faktoren verschärft:

  • Die heutige globale Software-Infrastruktur besteht zu über 80 Prozent aus Open Source. Der Software-Stack, der jedem Produkt mit digitalen Elementen zugrunde liegt, wird in der Regel mit Open-Source-Software erstellt. Wenn wir also von der „Software-Lieferkette" sprechen, beziehen wir uns in erster Linie, aber nicht ausschließlich, auf Open Source.
  • Traditionelle Normungsorganisationen haben in der Vergangenheit wenig mit Open-Source-Gemeinschaften und der breiteren Software-/IT-Branche zusammengearbeitet. Erschwerend kommt hinzu, dass ihre Governance-Modelle den Open-Source-Gemeinschaften derzeit keine Möglichkeiten zur Beteiligung bieten.
  • Open-Source-Gemeinschaften haben nur begrenzte Erfahrung im Umgang mit traditionellen Normungsorganisationen. Zudem ist es für sie aufgrund ihrer begrenzten Ressourcen schwierig, sich einzubringen.
  • Die Erarbeitung von Standards ist in der Regel ein langwieriger Prozess, und die Zeit drängt.

Diese neuen Cybersicherheitsstandards müssten laut der Pressemeldung zwar unter Berücksichtigung der Anforderungen von Open-Source-Entwicklungsprozessen und -Gemeinschaften entwickelt werden, doch es gebe keinen klaren Weg, wie das in der Kürze der Zeit geschehen kann. Ebenso wichtig ist es, dass diese Standards so entwickelt werden, dass sie auch die Bedürfnisse der proprietären Softwareentwicklung großer Unternehmen, vertikaler Branchen sowie kleiner und mittlerer Unternehmen berücksichtigen.

Trotz dieser Herausforderungen gebe es eine Grundlage für die Entwicklung. Führende Open-Source-Gemeinschaften und -Stiftungen haben seit Jahren sichere Softwareentwicklungsprozesse erarbeitet und angewendet, so die Eclipse Foundation. Dabei handele es sich um Best Practices der Branche in Bezug auf Vorgehensweisen wie koordinierte Offenlegung, Peer Reviews und Freigabeprozesse. Diese Vorgehensweisen seien von jeder dieser Organisationen dokumentiert worden, wenn auch teils unter Verwendung unterschiedlicher Terminologie und Ansätze. Die Eclipse Foundation geht davon aus, dass die technische Dokumentation dieser bestehenden Cybersicherheitsprozesse einen Ausgangspunkt für die Entwicklungen bieten kann, die für die Einhaltung der CRA-Vorschriften erforderlich sind.

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Ziel ist es, dass die erarbeiteten Spezifikationen in die formellen Normungsprozesse von mindestens einer der europäischen Normungsorganisationen einfließen können. In Anbetracht des engen Zeitrahmens für die Umsetzung der CRA stellt dieser schnelle Start ein konstruktives Umfeld für die technischen Diskussionen dar, die für die Stewards, Mitwirkenden und Anwender von Open Source notwendig sind, um die Anforderungen des CRA zu erfüllen.

Aufruf zur Zusammenarbeit und Teilnahme an der Initiative

Die Eclipse Foundation ist offen für Interessenten, die an den Spezifikationen für eine sichere Open-Source-Entwicklung mitarbeiten möchten. Gemeinsam mit Open-Source-Organisationen, KMU, Branchenführern und Forschungseinrichtungen sollen die Herausforderungen des CRA angegangen werden. Wer weiterhin Informationen über diese Initiative erhalten möchte, kann sich in eine Mailingliste eintragen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Schwesterpublikation Industry of Things.

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