Colt, Nokia und Honeywell erproben QKD Quantenschutz aus dem All

Von Berk Kutsal 2 min Lesedauer

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Colt, Nokia und Honeywell wollen Daten mit quantensicherer Kryptografie schützen. Der Schlüssel dazu liegt in einer neuen satellitengestützten Technologie, die bisherige Limits sprengen soll.

Colt, Nokia und Honeywell arbeiten bei quantensicherer Kryptografie zusammen.(Bild:  Colt)
Colt, Nokia und Honeywell arbeiten bei quantensicherer Kryptografie zusammen.
(Bild: Colt)

Quantencomputer könnten bald viele gängige Verschlüsselungsmethoden aushebeln. RSA, lange Standard für sichere Kommunikation, wird zunehmend angreifbar – nicht nur theoretisch, sondern konkret. Laut aktuellem Whitepaper von Colt wächst damit der Druck auf Unternehmen, Regierungen und kritische Infrastrukturen, neue Wege zur Datensicherung zu gehen.

Quantensicherheit über Satelliten

Die Antwort der Partner Colt, Nokia und Honeywell liegt im Weltall: Gemeinsam testen sie Quantum Key Distribution (QKD) über Satelliten. Anders als herkömmliche Methoden basiert QKD auf physikalischen Prinzipien, nicht auf mathematischen Algorithmen. Ein entscheidender Vorteil sei laut den Unternehmen die Fähigkeit, Abhörversuche unmittelbar zu erkennen – jede Manipulation ändere den Quantenzustand und werde sofort sichtbar.

Bisher scheiterte QKD an der Reichweite: terrestrische Lösungen schaffen gerade einmal 100 Kilometer. Für längere Strecken braucht es bisher sogenannte „trusted nodes“, vertrauenswürdige Knotenpunkte. Gerade für Unterseekabel oder interkontinentale Verbindungen ist diese Methode wenig praktikabel. Satelliten könnten dieses Problem nun umgehen. Sie ermöglichen global verteilten Standorten, etwa über den Atlantik hinweg, sicher miteinander zu kommunizieren – ein entscheidender Fortschritt, der bisher kaum vorstellbar war.

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Umsetzung und Fahrplan klar definiert

Die Technologie könnte ab Ende 2027 kommerziell verfügbar sein. Bereits jetzt sind laut Colt erste Pilotprojekte geplant, um Machbarkeit und Integration in bestehende Netze zu testen. Zu den Zielgruppen gehören vor allem Finanzdienstleister, Betreiber kritischer Infrastrukturen und Regierungsstellen, bei denen Sicherheit höchste Priorität genießt.

Neue regulatorische Herausforderungen

Die Bedeutung quantensicherer Netze wächst auch aufgrund strengerer Regularien. Die NIS2-Richtlinie der EU fordert explizit Schutz für Datenübertragungen, nicht nur für gespeicherte Daten. Unternehmen müssen nun gewährleisten, dass Daten nicht auf dem Weg zwischen Sender und Empfänger abgefangen oder später entschlüsselt werden können. Der Druck steigt, denn die Folgen eines Versagens sind finanziell enorm: Durchschnittlich kostet ein Datenleck inzwischen rund 4,88 Millionen US-Dollar.

QKD: Komplementär, nicht konkurrierend

Die satellitenbasierte QKD sei dabei keine Ablösung, sondern eine Ergänzung bestehender terrestrischer Lösungen. Wo herkömmliche Methoden an ihre Grenzen stoßen, könne Satelliten-QKD übernehmen. Beide Technologien zusammen bilden ein ganzheitliches Sicherheitssystem, das nahtlos funktioniert und für Unternehmen eine einheitliche Nutzungserfahrung bietet.

Erste Angebote zur QKD sollen bereits Ende 2025 in städtischen Umgebungen starten. Ab 2026 sollen dann erste Satelliten-Tests folgen, um eine flächendeckende globale Einführung vorzubereiten. Unternehmen könnten somit Schritt für Schritt in die quantensichere Zukunft einsteigen – vom lokalen Netzwerk bis zur weltweiten Datenübertragung via Satellit.

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