Zum Ende der Biden-Harris-Regierung platzieren die Politiker noch einen regulatorischen Brummer, der bis April 2025 zur Debatte steht. Das „Regulatory Framework for the Responsible Diffusion of Advanced Artificial Intelligence Technology“ will den weltweiten Handel mit KI-Hardware und KI-Modellen regulieren. Die SIA und Nvidia beurteilen diesen Vorstoß als fehlgeleitet.
Der regulatorische Entwurf der Regierung würde den USA mehr schaden denn nützen, glauben Vertreter der SIA und Nvidias.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Kurz bevor die aktuelle Biden-Harris-Regierung aus dem Amt scheidet, hat sie die Halbleiter- und KI-Branche noch in Aufruhr versetzt. Am 13. Januar 2025 wurde das „Regulatory Framework for the Responsible Diffusion of Advanced Artificial Intelligence Technology“ veröffentlicht, kurz gesagt der Versuch, den weltweiten Handel mit KI-Hardware und das Training von KI-Modellen zu regulieren.
„Diese Politik wird dazu beitragen, ein vertrauenswürdiges technologisches Ökosystem auf der ganzen Welt aufzubauen, und es uns ermöglichen, uns gegen die mit KI verbundenen nationalen Sicherheitsrisiken zu schützen, während gleichzeitig sichergestellt wird, dass die Kontrollen nicht die Innovation oder die technologische Führungsrolle der USA ersticken“, so US-Handelsministerin Gina Raimondo.
Das Ziel des neuen Reglements, angesichts des sich stetig verschärfenden Chip-Kriegs, scheint deutlich China zu sein. Das Framework wurde bisher nicht verabschiedet, sondern kann in den kommenden 120 Tagen kommentiert werden. Bedeutet, dass die Anpassung und Implementierung des Regelwerks in den Händen der kommenden Regierung unter Donald Trump liegen wird.
Anders als bei bisherigen marktregulierenden Maßnahmen zum Schutz des heimischen Ökosystems soll dieses Mal keine Black oder Entity List gepflegt werden, sondern eine Liste freigegebener Länder, wie die Details zur KI-Hardware offenlegen. Das Regelwerk ist bislang in nicht finaler Form als PDF vom Bureau of Industry & Security zur Verfügung gestellt worden.
Rechtsrahmen für die verantwortungsvolle Verbreitung fortgeschrittener Technologien der künstlichen Intelligenz
Das Dokument beschreibt neue Exportkontrollen des U.S. Department of Commerce für fortschrittliche integrierte Schaltkreise (ICs) und KI-Modelle. Ziel ist es, die nationale Sicherheit und außenpolitischen Interessen der USA zu schützen, indem die Verbreitung dieser Technologien an risikoreiche Destinationen wie die Volksrepublik China und Macau eingeschränkt wird.
Dazu werden globale Lizenzanforderungen eingeführt, die auf der Total Processing Performance (TPP) von ICs basieren. Diese TPP-Werte definieren, wie viele Rechenoperationen ein System verarbeiten kann, und werden genutzt, um Länderzuweisungen für Exporte bis 2027 festzulegen.
Zusätzlich gibt es neue Kontrollen für KI-Modelle, deren Trainingsoperationen 10²⁶ Rechenschritte überschreiten, insbesondere für geschlossene Modellgewichte, da diese leichter missbraucht oder kopiert werden können. Die Regeln sehen auch Lizenzausnahmen für validierte Nutzer und Länder mit geringem Risiko vor, um sicherzustellen, dass diese Technologien unter strikten Sicherheitsauflagen weiterhin wirtschaftlich und gesellschaftlich genutzt werden können. Gleichzeitig sollen neue Melde- und Überwachungsverfahren die verantwortungsvolle Nutzung in Datenzentren und großen Rechenclustern fördern. Details schlüsseln wir Ihnen nachfolgend auf.
Kontrollen für fortschrittliche Computerchips
Die Kontrollen für KI-Hardware sollen durch eine Genehmigungspflicht für Ausfuhren, Wiederausfuhren und Verbringungen (innerhalb des Landes) verschärft werden. Betroffen sind davon fortschrittliche GPUs, wobei bisher nicht definiert wurde, was genau eine solche fortschrittliche GPU auszeichnet, wie die Autoren von Heise anmerken, die sich das Regelwerk angeschaut haben. Begleitet werden diese Pflichten von Lizenzausnahmen und Genehmigungen:
Ausnahmen für bestimmte Verbündete und Partner: Die neue Lizenzausnahmegenehmigung für künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence Authorization, AIA) erlaubt die Ausfuhr, Wiederausfuhr oder Weitergabe (im Land) von fortschrittlichen Computerchips ohne Genehmigung an eine Reihe von Verbündeten und Partnern. Diese Liste umfasst die Länder Australien, Belgien, Kanada, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, Japan, die Niederlande, Neuseeland, Norwegen, Korea, Spanien, Schweden, Taiwan, Großbritannien und die Vereinigten Staaten. Unternehmen in diesen Ländern können in der Regel die fortschrittlichsten ICs ohne Lizenz erwerben, solange sie die Einhaltung bestimmter Anforderungen bescheinigen.
Ausnahmen für Lieferketten: Die neue Lizenzausnahme Advanced Compute Manufacturing (ACM) erlaubt die Ausfuhr, Wiederausfuhr oder Weitergabe (innerhalb des Landes) von fortgeschrittenen Computerchips ohne Genehmigung für die Zwecke der Entwicklung, Herstellung und Lagerung dieser Chips, außer in Länder, für die ein Waffenembargo gilt. Diese Ausnahmeregelung baut auf der befristeten allgemeinen Lizenz vom Oktober 2023 auf, um eine Unterbrechung der Lieferketten zu verhindern.
Ausnahme für geringe Mengen: Die neue Lizenzausnahme Low Processing Performance (LPP) erlaubt es, dass begrenzte Mengen an Rechenleistung weltweit fließen, außer in Länder, gegen die ein Waffenembargo verhängt wurde.
Aktualisierung des Data Center Validated End User (VEU) Programms: Die Regel unterteilt Rechenzentren-VEUs weiter in:
Universelle VEUs (UVEU): Bietet Unternehmen aus den USA und bestimmten verbündeten Ländern und Partnerländern die Möglichkeit, eine einzige Genehmigung zu erhalten, die es dem Unternehmen erlaubt, Rechenzentren auf der ganzen Welt ohne zusätzliche Genehmigungen zu errichten, außer in Ländern, gegen die ein Waffenembargo besteht.
Nationale VEUs (NVEU): Bietet Unternehmen mit Hauptsitz außerhalb von Ländern, gegen die ein Waffenembargo verhängt wurde, die Möglichkeit, eine Genehmigung zu erhalten, die es dem Unternehmen ermöglicht, Rechenzentren an bestimmten Standorten ohne zusätzliche Genehmigungen zu errichten, außer in Ländern, gegen die ein Waffenembargo verhängt wurde.
Kontrollen für KI-Modelle
Zusätzlich zu den Regularien für den Handel mit den fortschrittlichen ICs stellen sich die Politiker vor, auch KI-Modelle oder deren Trainingsgewichte zu kontrollieren, die mithilfe von US-Technologie entstanden sind. Wenn man es ganz genau nehmen will, dann betrifft das wahrscheinlich so ziemlich jedes KI-Modell. Die Gewichte sind numerische Parameter, die während des Trainings des Modells optimiert werden, um die gewünschten Ergebnisse zu erzeugen. Sie bestimmen, wie das Modell Eingabedaten verarbeitet, und sind essenziell für dessen Funktion.
Diese Kontrollen gelten zunächst für die Gewichte von Modellen, die mit 10^26 Rechenoperationen oder mehr trainiert wurden, also für ziemlich große und obendrein geschlossene Modelle, wie die weiter unten folgenden Ausnahmen spezifizieren. Open-Weight-Modelle sind etwa die eingeschränkte Version von GPT-2 von OpenAI oder Stable Diffusion, ein Modell für die Text-zu-Bild-Generierung.
Zusätzlich soll eine neue Regelung für ausländische direkte Produkte geschaffen werden, die diese Kontrollen auf bestimmte Modellgewichte anwendet, die im Ausland unter Verwendung von mit US-Technologie oder -Ausrüstung hergestellten Hochleistungsrechnerchips produziert wurden. Wie bei den Hochleistungsrechnerchips enthält diese Regel jedoch mehrere Ausnahmeregelungen für Modellgewichte:
Stand: 08.12.2025
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Ausnahme für Einsätze durch in den USA, verbündeten und partnergeführten Unternehmen: Die neue Lizenzausnahme „Artificial Intelligence Authorization“ (AIA) erlaubt den Export, Reexport oder innerstaatlichen Transfer von ansonsten kontrollierten geschlossenen KI-Modellgewichten ohne Genehmigung durch Unternehmen, die in den USA oder in bestimmten Alliierten- und Partnerstaaten ansässig sind, außer in Länder, die einem Waffenembargo unterliegen.
Ausnahme für offene Modelle: Modelle mit weitverbreitet verfügbaren Modellgewichten (d. h. Open-Weight-Modelle) unterliegen keinen Kontrollen.
Die Reaktionen: „Zutiefst enttäuschend“ und „beispiellos fehlgeleitet“
Kurz gesagt versucht die US-Regierung den US-amerikanischen Unternehmen vorzuschreiben, wo und in welchen Mengen künftig ihre KI-Hardware verkaufen. Die SIA, die Semiconductor Industry Association, ist von dem Vorstoß der Biden-Harris-Regierung extrem enttäuscht. Nicht nur riskiere man mit den Regularien unabsichtliche und andauernde Schäden an der US-amerikanischen Wirtschaft sowie der globalen Wettbewerbsfähigkeit der USA. „Wir sind zutiefst enttäuscht, dass ein politischer Wandel dieses Ausmaßes und dieser Auswirkung nur wenige Tage vor dem Wechsel des Präsidenten und ohne sinnvollen Beitrag der Industrie überstürzt auf den Weg gebracht wird“, so SIA-Präsident und CEO John Neuffer. Aber: „Wir sind bereit, mit den führenden Politikern in Washington zusammenzuarbeiten, um einen Weg in die Zukunft zu finden, der die nationale Sicherheit schützt und es uns gleichzeitig ermöglicht, das zu tun, was Amerika am besten kann – im globalen Wettbewerb zu bestehen und zu gewinnen.“
Auch vom weltgrößten Profiteur des KI-Booms, Nvidia. Ned Finkle ist Vizepräsident für Regierungsangelegenheiten bei Nvidia und geht mit dem Entwurf noch wesentlich schärfer ins Gericht. „In den letzten Tagen ihrer Amtszeit versucht die Biden-Regierung, Amerikas Führungsrolle mit einem mehr als 200-seitigen Regelungswust zu untergraben, der im Geheimen und ohne ordnungsgemäße Überprüfung durch den Gesetzgeber ausgearbeitet wurde. Dieser weitreichende Eingriff würde die bürokratische Kontrolle darüber erzwingen, wie Amerikas führende Halbleiter, Computer, Systeme und sogar Software entwickelt und weltweit vermarktet werden. Durch den Versuch, die Marktergebnisse zu manipulieren und den Wettbewerb – das Lebenselixier der Innovation – zu unterdrücken, droht die neue Vorschrift der Biden-Administration, Amerikas hart erkämpften technologischen Vorsprung zu verspielen.“
Unter dem Deckmantel einer Anti-China-Maßnahme würden die neuen Regeln, so Finkle, nichts tun, um die Sicherheit in den USA zu erhöhen, sondern mit dem Kontrollwahn nur Amerikas Wettbewerbsfähigkeit schwächen. „Wie die erste Trump-Administration gezeigt hat, gewinnt Amerika durch Innovation, Wettbewerb und die gemeinsame Nutzung unserer Technologien mit der Welt – und nicht durch den Rückzug hinter eine Mauer der staatlichen Übervorteilung. Wir freuen uns auf eine Rückkehr zu einer Politik, die die amerikanische Führungsrolle stärkt, unsere Wirtschaft fördert und unseren Wettbewerbsvorteil in der KI und darüber hinaus bewahrt.“
Dieser Artikel stammt von unserem Partnerportal ELEKTRONIKPRAXIS.