Trotz der ernsten Gefahr, die Identitätsbetrug darstellt, haben viele Unternehmen keine effektiven Systeme, um dagegen vorzugehen. Selbstverständlich ist kein Ansatz hundertprozentig sicher. Aber wenn Sie die Anti-Betrugs-Strategie Ihres Unternehmens nach den folgenden drei Kriterien hinterfragen, schützen Sie sich vor den meisten der potentiellen Risiken.
Schätzungen gehen davon aus, dass sich die weltweiten Verluste durch Zahlungsbetrug im Jahr 2020 auf 32,39 Milliarden US-Dollar belaufen.
Die Pandemie-Krise hat zu einer verstärkten Nutzung von Onlineservices über alle Branchen hinweg geführt. Damit einher geht leider auch eine Zunahme von Betrug – das ist eine Tatsache. Der Fraud Report von Onfido zeigt beispielsweise, dass die Rate des Identitätsbetrugs im Vergleich zum Vorjahr um 41 Prozent gestiegen ist.
In bestimmten Branchen, etwa für Banken und andere Finanzdienstleister, eröffnen die Zunahme an Onlinekäufen, der verstärkte Handel auf Kryptowährungsbörsen sowie mehr Onlinezahlungsverkehr und persönliches Banking ständig neue Möglichkeiten für Betrüger. Vor allem leichte Betrugsfälle durch nichtprofessionelle Betrüger sind deutlich auf dem Vormarsch und stiegen von 52 Prozent im Jahr 2019 auf 77 Prozent im Jahr 2020.
Der Einsatz von 2D- und 3D-Masken, um Selfie- oder Videoverifikation anzugreifen, ist für das Onfido Fraud-Team ein bekanntes Szenario. 2020 wurde das Team erstmals mit Replay-Angriffen konfrontiert. Diese ermöglichen es Betrügern, Kameras vollständig zu umgehen und gestohlene Videos oder Deep Fakes hochzuladen. Deep Fakes sind verglichen mit guten 3D-Masken billiger in der Herstellung und könnten sich daher zum präferierten Mittel für den professionellen Identitätsbetrug entwickeln.
Jeder Betrugsfall verursacht Kosten - aber wissen wir, wie hoch?
Schätzungen gehen davon aus, dass sich die weltweiten Verluste allein durch Zahlungsbetrug im Jahr 2020 auf 32,39 Milliarden US-Dollar belaufen. Das ist das Dreifache dessen wie vor zehn Jahren. Wie eine Studie der CIMA (Chartered Institute of Management Accountants) zeigt, verlieren Unternehmen bis zu sieben Prozent ihres Jahresumsatzes durch Betrug. Nur ein kleiner Prozentsatz dieser Verluste wird jemals wiedererlangt. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass die meisten dieser Zahlen auf konservativen Schätzungen beruhen. Es gibt zwar eine große Anzahl von Erhebungen, die versuchen, das wahre Ausmaß und die Kosten von Betrug für Unternehmen und die Gesellschaft abzuschätzen, aber es ist schwierig, ein vollständiges Bild zu erhalten.
Vor allem die Stunden, die Mitarbeiter mit der Behebung von Problemen verbringen, der Reputationsschaden für Unternehmen sowie die persönlichen Kosten, die Betrugsopfer zu tragen haben, bleiben überwiegend unentdeckt und laufen in keine Berichte mit ein. Klar ist jedoch, dass Identitätsbetrug ein schwerwiegendes und kostspieliges Problem bleibt, vor allem wenn nicht proaktiv dagegen vorgegangen wird.
Begegnen Sie Betrug proaktiv und nicht reaktiv
Um Kosten, die durch Betrug entstehen, zu vermeiden, müssen Unternehmen im Vorfeld Zeit, Geld und Ressourcen in das Betrugsrisikomanagement investieren. Ein erfolgreiches Modell bietet einen umfassenden Ansatz zur Identifizierung, Bewertung, Abschwächung und Überwachung von Betrug. Ein ausgeklügeltes Betrugsrisikomanagement sorgt dafür, dass die Gesamtkosten bei Betrugsfällen niedriger sind als bei einer rein reaktiven Abwehr. Es geht darum, von Anfang an robuste Rahmenbedingungen zur Betrugserkennung und -prävention einzurichten und sich entwickelnde Betrugstrends zu analysieren, um neuen Betrugstrends und -techniken einen Schritt voraus zu sein.
Berücksichtigen Sie die folgenden drei Punkte für eine effektive Anti-Betrugs-Strategie
1. Menschen, Strategien und Governance
Ein erfolgreiches Modell beruht auf der richtigen Kultur und den richtigen Personen. Im Idealfall sind dezidierte Betrugsrisikomanager für Anti-Betrugs-Strategien verantwortlich und setzen diese im Top-down-Prinzip durch. Die Positionierung von oben beeinflusst die Effektivität der Betrugsprävention und -aufdeckung im gesamten Unternehmen positiv. Führungskräfte sollten das bestmögliche Team zusammenstellen, um die verschiedenen Aspekte von Betrug anzugehen. Dieses Team sollte über unterschiedliche Erfahrungen im Zusammenhang mit Betrugsstrategien verfügen. Wichtig ist, auch ein Teammitglied mit einer kundenzentrierten Denkweise miteinzuschließen, denn fehlende Kundenorientierung ist oft der Punkt, an dem Anti-Betrugs-Strategien scheitern.
2. Ausgewogenheit
Die besten Anti-Fraud-Teams existieren nicht in einem Vakuum. Sie sollten mit kundenerfahrenen und wachstumsorientierten Teams zusammenarbeiten, um ein Gleichgewicht zwischen dem Risiko, das sie eingehen, und der Anzahl der Kunden, die sie gewinnen, zu erreichen. Denn, überspitzt formuliert, können 100 Prozent des Betrugs über Nacht stoppen, indem sie einfach keine weiteren Kunden mehr zulassen. Die Schwierigkeit liegt darin, für die Kunden das Onboarding möglichst einfach und angenehm zu gestalten und dennoch alle Register der Betrugsprävention erfolgreich zu ziehen.
3. Technologie und Analytik
Digitale Prozesse und Services nehmen im privaten, wie im beruflichen Umfeld rasant zu. Der Mensch allein kann mit dem Ausmaß und der Menge der Betrugsfälle nicht mehr mithalten. Um die damit verbundenen Risiken zu bekämpfen, müssen Unternehmen intelligentere Technologie, wie zum Beispiel künstliche Intelligenz und Analytik einsetzen, um Betrug zu erkennen, abzuwehren oder im Vorfeld zu verhindern. Vollautomatisierte Prüfmechanismen weisen auf lange Sicht deutlich niedrigere Fehlerquoten auf als bei der Überprüfung durch Menschen. Anschaffungskosten für digitale Werkzeuge zur Dokumentenprüfung amortisieren sich schnell, wenn Sie die versteckten wahren Kosten von Identitätsbetrug dagegen halten.
Stand: 08.12.2025
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Die zu beziffernden Kosten von Identitätsbetrug sind eine Sache. Was ein Unternehmen aber insgesamt zahlt - an Lehrgeld, Reputationsverlust, verlorenen oder gar nicht erst gewonnenen Kunden - ist die andere Sache. Fangen Sie am besten noch heute an, ein proaktives Betrugsmanagement zu etablieren.
Über den Auto: Oliver Krebs ist Vice President Central EMEA bei Onfido.