Trotz Broadcom, trotz Preismodell: Ein Wechsel taugt nur bei optimalem Business Case VMware-Pricing lässt die Anwender schwitzen

Von Jürgen Frisch 4 min Lesedauer

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Nach der Übernahme von VMware durch Broadcom erwartet Kunden ein Zwang zu Mietlizenzen mit höheren Preisen. Forrester geht davon aus, dass sich nun 20 Prozent der VMware-Kunden nach Alterativen umsehen. Der Vertriebspartner Softwareone sieht auch Vorteile und verweist bei großen Workloads auf die sehr aufwändige Migration.

„Die Übernahmen von Software-Unternehmen wie beispielsweise Symantec oder Computer Associates waren für viele Kunden und Partner eher mühselig“, umschreibt Marco Vogel Global Alliance Lead für VMware beim IT-Dienstleister Softwareone, die Liquidierung der ehemaligen Softwaregrößen.(Bild:  frei lizenziert: un-perfekt  /  Pixabay)
„Die Übernahmen von Software-Unternehmen wie beispielsweise Symantec oder Computer Associates waren für viele Kunden und Partner eher mühselig“, umschreibt Marco Vogel Global Alliance Lead für VMware beim IT-Dienstleister Softwareone, die Liquidierung der ehemaligen Softwaregrößen.
(Bild: frei lizenziert: un-perfekt / Pixabay)

„Nach der Übernahme von VMware durch Broadcom gibt es nun endlich Klarheit, wie es mit dem Virtualisierungs- und Hybrid Cloud Spezialisten weitergeht.“ Dies ist der positive Aspekt, den Marco Vogel, Global Alliance Lead für VMware beim IT-Dienstleister Softwareone in einem Blog-Beitrag zur Übernahme von VMware in die Diskussion wirft: „In den vergangenen eineinhalb Jahren, in denen die mögliche Übernahme diskutiert und vorbereitet wurde, war das Unternehmen in einer Art Schwebezustand. Die Entscheidungen, wie sich VMware intern sowie produktseitig ausrichtet und mit Partnern umgeht, kamen teilweise nur sehr verzögert. Diese Bremse hat sich nun gelöst.“

Softwareone ist ein international aktiver IT-Dienstleister mit 9.250 Mitarbeitern in 90 Ländern. Die Geschäftsbereiche umfassen Cloud-Projekte mit Amazon Web Services, Google Cloud Platform und Microsoft Azure, IT Asset Management, Application Modernization und Financial Operations Management in der Cloud.

„Bei unternehmenskritischen großen Workloads ist VMware nicht ohne Grund der Marktführer“, erläutert Marco Vogel Global Alliance Lead für VMware beim IT-Dienstleister Softwareone. „Die Lösungen sind zwar teurer als andere On-Premise Virtualisierungslösungen, aber sie bieten eben auch mehr Funktionen und haben vor allem den Ruf von absoluter Verlässlichkeit. Ein Wechsel der Technologie ist daher mit einem hohen Aufwand verbunden.“(Bild:  Softwareone)
„Bei unternehmenskritischen großen Workloads ist VMware nicht ohne Grund der Marktführer“, erläutert Marco Vogel Global Alliance Lead für VMware beim IT-Dienstleister Softwareone. „Die Lösungen sind zwar teurer als andere On-Premise Virtualisierungslösungen, aber sie bieten eben auch mehr Funktionen und haben vor allem den Ruf von absoluter Verlässlichkeit. Ein Wechsel der Technologie ist daher mit einem hohen Aufwand verbunden.“
(Bild: Softwareone)

Vogel hat als Global Alliance Lead für VMware Einblick in die Änderungen, welche die Übernahme auslösen kann: „Broadcom hat sich mit VMware einen echten Goldesel ins Portfolio geholt, der das Broadcom Software-Portfolio sinnvoll erweitert. VMware Lösungen sind fest in den Rechenzentren der Kunden verankert und bieten eine Virtualisierung von Compute, Storage und Netzwerk sowie umfangreiche Managementkomponenten– ein Muss für größere Unternehmen.“

Auch für VMware selbst erwartet Partnermanager Vorteile. So sei eine Neuordnung und Straffung des Portfolios grundsätzlich eine gute Nachricht für Kunden und Partner: „Wir gehen künftig von einer deutlich geringeren Anzahl an Produkten und Produkt-Bundles aus. Im Rechenzentrum erwarten wir einige wenige 'vSphere'-Varianten, für Enterprise-Kunden wird wohl 'VMware Cloud Foundation' der Standard beziehungsweise die höchste Ausbaustufe sein.“

Kunden fürchten Support-Probleme und hohe Preise

Trotz dieser Vorteile erkennt Vogel Unruhe im Markt. Diese speist sich unter anderem aus den Erfahrungen der Kunden mit dem früheren Geschäftsgebaren von Broadcom: „Broadcom macht 80 Prozents seines Geschäfts im Hardware-Umfeld. Die Übernahmen von Software-Unternehmen wie beispielsweise Symantec oder Computer Associates waren für viele Kunden und Partner eher mühselig“, erläutert Vogel im persönlichen Gespräch. „Nun kommt die Furcht auf, dass sich diese Probleme nach der VMware-Übernahme wiederholen.“ Vogel sieht diese Furcht als unbegründet: „Broadcom dürfte aus seinen früheren Fehlern gelernt haben. Außerdem ist VMware deutlich größer als Symantec und hat mehr Kunden und Partner, mit denen es langjährige Beziehungen pflegt.“

Ein weiterer Punkt, der bei Kunden für Unruhe sorgt, ist das Thema Lizenzierung. Broadcom hat deutlich klargestellt, sich zukünftig auf Subscriptions statt auf Kauflizenzen fokussieren zu wollen.

„Bisher existierten noch beide Varianten gleichberechtigt nebeneinander, aber bereits am 11. Dezember hat s Broadcom den End of Sales für neue Perpetual Lizenzen und auch das Renewal von Wartungsverträgen verkündet.“, erläutert Vogel und verweist darauf, dass VMware mit dieser Praxis nicht alleine ist. Auch bei Microsoft, Adobe und anderen Software-Herstellern würden seit geraumer Zeit Kauflizenzen durch Subskriptionsmodelle ersetzt. Im Rahmen dieser Umstiege hat es je nach Marktbeherrschung der Software-Hersteller auch Preiserhöhungen gegeben. Darüber hinaus könnten die Kunden nach Ablauf der Subskription die jeweilige Software nicht mehr weiter benutzen.

Forrester erwartet ein Abwandern von VMware-Kunden

Manch ein Kunde wird diesen Umstieg wohl nicht mitmachen wollen. „Wir beobachten schon seit Bekanntgabe der beabsichtigen Übernahme vor 18 Monaten, dass sich einige Unternehmen und auch der Öffentliche Dienst grundsätzlich nach Alternativen zu VMware fragen“, erläutert Vogel. „Genaue Zahlen kann ich nicht schätzen. Als SoftwareOne sehen wir uns aber breit genug aufgestellt, um entweder im Rechenzentrum Alternativen zu bieten oder auch gegebenenfalls mehr Cloud-Migrationsprojekte mit Microsoft Azure oder Amazon Web Services zu stemmen.“

Einen deutlichen Umschwung im VMware-Markt erwarten die Forrester Analysten Michele Pelino und Naveen Chhabra. Gemäß ihrer Prognose für 2024 werden satte 20 Prozent der Unternehmenskunden den VMware Stack auswechseln: „Viele Kunden haben genug von den deutlichen Preiserhöhungen, dem sich verschlechternden Support und dem Zwang zu einem Subskriptions-Modell. Trotz der Dominanz von VMware in Sachen Virtualisierung, Cloud-Management, End User Computing und Lösungen für eine hyperkonvergente Infrastruktur werden sich einige Unternehmen wohl schon bald nach Alternativen umsehen.“

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Ein solcher Umstieg gestaltet sich allerdings nicht einfach, insbesondere dann, wenn es um große Workloads etwa von SAP geht: „Bei unternehmenskritischen großen Workloads ist VMware nicht ohne Grund der Marktführer“, erläutert Vogel. „Die Lösungen sind zwar teurer als andere On-Premises Virtualisierungsprodukte, aber sie bieten eben auch mehr Funktionen und haben vor allem den Ruf von absoluter Verlässlichkeit.“

Ein Wechsel der Technik ist daher mit einem hohen Aufwand verbunden: „In Kundenprojekten haben wir gesehen, dass die Migration von großen Workloads von A nach B sehr gut geplant sein will und sich keinesfalls in einem oder zwei Monaten erledigen lässt. Wir reden hier von Jahren, und eine Projektdauer von zwei Jahren wäre noch moderat. Einen solchen Aufwand rechtfertigt nur ein guter Business Case.“

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