Cybertrading Fraud Millionenschäden bei Anlagebetrug im Internet

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Die Betrüger versprechen das schnelle Geld und kommen so an Millionen Euro. LKA-Chef Germano warnt vor „Cybertrading Fraud“. Allein im ver­gangenen Jahr sind in Rheinland-Pfalz knapp 30 Millionen Euro Schaden entstanden.

Cyberkriminelle spähen potenzielle Opfer aus, um sie später auszutricksen.(Bild:  Benjamin - stock.adobe.com / KI-generiert)
Cyberkriminelle spähen potenzielle Opfer aus, um sie später auszutricksen.
(Bild: Benjamin - stock.adobe.com / KI-generiert)

Gut aussehende Menschen oder vermeintliche Prominente werben im Internet mit teuren Sportwagen – und angebliche Anlageberater versprechen hohe Renditen. „Mit der Aussicht auf schnelles Geld werden Menschen oft über soziale Medien angeworben, auf Instagram, Tiktok oder über Whatsapp“, warnt der Präsident des Landeskriminalamts (LKA), Mario Germano, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (DPA). „Diese Fälle nehmen zu.“

„Cybertrading Fraud“ hießt der Anlagebetrug im Internet, bei dem im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz knapp 30 Millionen Euro Schaden entstand. In mehreren Einzelfällen waren es um die 50.000 Euro. „Wir haben viele Fälle, bei denen Menschen über diese Masche ihr ge­sam­tes Erspartes verlieren“, sagt Germano. Manche Opfer hätten sich sogar noch Geld geliehen.

Genaue Zahlen für 2025 gebe es bisher nicht, die Tendenz sei aber gleichbleibend bis leicht steigend. Germano geht zudem von einer sehr hohen Dunkelziffer aus. Viele Opfer zeigten das nicht an, weil sie wüssten, dass die Straftäter schwer zu überführen seien. Die DPA berichtete jüngst über einen Mann aus Sachsen, der im Internet auf Betrüger hereingefallen ist. Bei einer vermeintlichen Investition hat er 85.000 Euro verloren.

Der Reiz des schnellen Geldes

So werden die Opfer gelockt: „Testimonials, die ihren Lamborghini zeigen oder sonst etwas und sagen: 'Hier, guck mal, ich habe schnelles Geld gemacht'“, beschreibt Germano das Vorgehen. Und dazu die Botschaft: „Das kannst Du auch!“

Wer darauf anspringe, werde zu Chatgruppen und bald auch zu angeblichen Beratungs­ge­spr­ächen eingeladen. In Kursen oder Telefongesprächen vermittelten die Anwerber ver­meintliche Strategien. „Das hört sich alles toll und super an“, sagt Germano. „Ziel der Täter ist es, den Men­schen, der Geld investieren will, auf professionell gefakte Seiten zu lenken, auf denen sein eingesetztes Geld in gefälschten Charts, also in Kursverläufen, angezeigt wird“, berichtet Germano.

Die Täter spähen ihre Opfer aus

„Solange man in der Einzahlphase ist, entwickeln sich die Kurse bombastisch exponentiell nach oben“, weiß der LKA-Präsident. Die Täter versuchten, immer mehr aus ihren Opfern heraus­zupressen. „In gefälschtem Live-Trading kann man zusehen, wie das Geld sich vermehrt.“ Die Internetseiten seien gut gemacht und originalen sehr ähnlich.

Die Opfer würden von vermeintlichen Agenten betreut, die zu weiteren Investitionen anregten. „Man hat einen persönlichen Ansprechpartner.“ Dieser verleite die Menschen auch dazu, Soft­ware auf ihren Computern zu installieren, damit sie sehen könnten, was der Trader mache.

„Man sieht allerdings nicht, was der Täter im Hintergrund macht, nämlich den Rechner dahin­gehend auslesen, zu schauen, beispielsweise über Online-Banking, was hat derjenige für Werte?“, berichtet Germano. „Also wie weit kann ich den noch irgendwie drängen, Geld zu investieren?“

Wenn es an das Auszahlen geht, wird der Betrug offenbar

Die Stunde der Wahrheit kommt, wenn man eingezahltes Geld ausbezahlt haben will. Dann würden die Opfer aufgefordert, zunächst irgendwelche erfundenen Steuern zu überweisen. So mancher habe sich dafür noch verschuldet. Es wird aber auch dann kein Geld ausgezahlt.

„Und dann ist irgendwann keiner mehr erreichbar, die Telefonnummern sind tot, die Chats werden nicht mehr aktualisiert, alles läuft ins Leere“, beschreibt Germano das böse Erwachen.

Täter agieren auch über gehackte Profile

Ein Mainzer verlor durch die Masche kürzlich mehr als 20.000 Euro, wie die Polizei berichtete. Der 34-Jährige war über eine Werbeanzeige auf Instagram auf vermeintlich lukrative Inves­titionsmöglichkeiten aufmerksam geworden. Über einen per Whatsapp versendeten Einla­dungslink wurde er in eine Gruppe aufgenommen, in der allgemeine Informationen zum Börsenmarkt geteilt wurden. Kurze Zeit später wurde er von einer angeblichen Beraterin kontaktiert und in eine weitere Gruppe eingeladen, in der konkrete Investmentvorschläge gemacht wurden.

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Der Mann installierte eine App, in der er sich mittels Personalausweis identifizieren musste. Über diese App wurden ihm erste Gewinne angezeigt, nachdem er in vier Überweisungen über 20.000 Euro investiert hatte.

Dann kamen ihm Zweifel und er versuchte zunächst vergeblich, die Verantwortlichen zu erreichen. Später erreichte er in der Schweiz eine Frau, deren Profil in den sozialen Medien offensichtlich gehackt worden war. Die Frau sagte, sie sei gerade erst aus dem Urlaub zurück und habe eine Vielzahl ähnlicher Nachrichten erhalten.

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