TÜV-Verband-Studie Warum müssen in Deutschland Rechenzentren stehen?

Quelle: Pressemitteilung TÜV Verband e.V. 3 min Lesedauer

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Die „TÜV Cybersecurity Studie 2025“ zeigt, dass rund 79 Prozent der hiesigen Unternehmen ihre Daten ausschließlich in der EU speichern. Ein Nachrichtenticker hielte auch noch parat: „Globale Spannungen bergen wirtschaftliche Risiken“, „Digitale Souveränität wird Wettbewerbsfaktor“ und „Ausbau europäischer IT-Infrastrukturangebote ist notwendig“.

Der TÜV-Verband sieht eine robuste digitale Infrastruktur in europäischer Hand nicht als Option, sondern als eine sicherheits- und wirtschaftspolitische Notwendigkeit.(Bild:  TÜV e. V.)
Der TÜV-Verband sieht eine robuste digitale Infrastruktur in europäischer Hand nicht als Option, sondern als eine sicherheits- und wirtschaftspolitische Notwendigkeit.
(Bild: TÜV e. V.)

Unternehmen in Deutschland bevorzugen Rechenzentren in der Europäischen Union für die Speicherung und Verarbeitung ihrer Daten. So speichern fast vier von fünf Unternehmen (79 Prozent) mit mindestens zehn Mitarbeitenden ihre Daten ausschließlich in Rechenzentren innerhalb der EU. Weitere 12 Prozent nutzen auch Server außerhalb Europas.

Doch immerhin neun Prozent der befragten IT-Sicherheitsexperten wissen nicht, wo die Unternehmensdaten gespeichert werden. Marc Fliehe, Bereichsleiter Digitalisierung und Bildung beim TÜV-Verband, erläutert: „In welcher Region Unternehmensdaten gespeichert werden, ist eine strategische Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen für Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit.“

Hinweis zur Methodik

Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Ipsos-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands unter 506 Unternehmen ab 10 Mitarbeitenden in Deutschland. Die Umfrage wurde im März und April 2025 erhoben.

Die Frage lautete: Werden Ihre Unternehmensdaten ausschließlich in Rechenzentren innerhalb der EU gespeichert und verarbeitet?

Politische Unsicherheiten, länderspezifische Datenschutzregelungen und unterschiedliche Sicherheitsstandards beeinflussten unmittelbar die Integrität, Vertraulichkeit und Verfügbarkeit unternehmenskritischer Informationen. Er folgert: „Die Wahl der Speicherregion gehört daher heute ins unternehmerische Risiko-Management.“

Datensouveränität ist Teil einer verantwortungsvollen Unternehmensführung

Sichere Daten sind heute kritisch für den Erfolg eines Unternehmens und damit auch ein Wettbewerbsfaktor. Deshalb ist es entscheidend, nicht nur zu wissen, wo Informationen gespeichert sind, sondern auch, unter welchen Bedingungen dies geschieht. „Unternehmen, die ihre IT-Infrastruktur aktiv steuern, stärken ihre digitale Souveränität und schützen sich vor Abhängigkeiten und ungewollten Zugriffen“, betont Fliehe.

Digitale Souveränität bedeute Kontrolle über Datenflüsse, Transparenz bei der Verarbeitung und Verantwortung bei der Auswahl von IT-Dienstleistern. Fliehe: „Es geht nicht um Abschottung, sondern um verlässliche Gestaltungsspielräume. Es geht darum, selbst entscheiden zu können, welche Dienste genutzt werden. Es ist wichtig, Risiken zu bewerten, Alternativen zu kennen und passende Anbieter auszuwählen. Vorhandene Zertifizierungen, die die Einhaltung bestimmter Standards dokumentieren, erleichtern diesen Auswahlprozess enorm.“

Zwar gibt es Einsatzszenarien, in denen internationale Cloud-Dienste oder Rechenzentren außerhalb Europas Vorteile bieten – etwa durch spezielle Funktionen, hohe Rechenkapazitäten oder globale Integrationsfähigkeit. Doch gerade für sensible oder strategisch relevante Daten existieren heute leistungsfähige europäische Alternativen, die neben politischer Verlässlichkeit in der EU auch rechtliche Klarheit und ein hohes Maß an technischer Sicherheit bieten.

Ausbau europäischer Infrastrukturangebote tut Not

Aus Sicht des TÜV-Verbands ist eine robuste digitale Infrastruktur in europäischer Hand nicht nice-to-have, sondern eine sicherheits- und wirtschaftspolitische Notwendigkeit. Angesichts globaler Spannungen, über die eigenen Landesgrenzen hinausreichender Gesetze wie des US Cloud Acts oder des US Foreign Intelligence Surveillance Acts (FISA) und der Verwundbarkeit digitaler Systeme ist eine Stärkung der europäischen Digitalsouveränität notwendig.

Damit Unternehmen echte Wahlfreiheit haben, braucht es den Ausbau zukunftsfähiger europäischer IT-Infrastrukturen – insbesondere in strategischen Bereichen wie Cloud-Technologien, Plattformdiensten oder Kommunikationsnetzen. Ziel muss es sein, den europäischen Datenraum technisch, wirtschaftlich und rechtlich zu stärken.

„Eine resiliente digitale Infrastruktur ist ein Eckpfeiler für europäische Innovationsfähigkeit, Wirtschaftssicherheit und technische Souveränität“, sagt Fliehe. „Europa kann hier Vorreiter sein – nicht durch Abgrenzung, sondern durch Verlässlichkeit, Transparenz und Vertrauen.“

Über den TÜV-Verband

Als TÜV-Verband e. V. will die Organisation die politischen Interessen der TÜV-Prüforganisationen vertreten und den fachlichen Austausch der Mitglieder fördern. Sie setzt sich für die technische und digitale Sicherheit sowie die Nachhaltigkeit von Fahrzeugen, Produkten, Anlagen und Dienstleistungen ein. Grundlage dafür sind allgemeingültige Standards, unabhängige Prüfungen und qualifizierte Weiterbildung.

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