Die aktuelle Cybersecurity Workforce Study der weltweit größten Non-Profit-Mitgliederorganisation für professionelle Cybersecurity-Experten, ISC2, gibt einen guten Gesamtüberblick für Cyber-Deutschland. Sie zeigt aber gleichzeitig auch die Probleme und Herausforderungen der Cyber-Belegschaft sowie die Auswirkungen auf Unternehmen und Institutionen.
Die Bedrohungslage durch Cyberattacken ist für deutsche Unternehmen so hoch wie nie, dennoch waren über die Hälfte aller Cybersecurity-Teams in Deutschland 2023 von Kürzungen betroffen.
(Bild: Pixel-Shot - stock.adobe.com)
Generell sind in Deutschland 2023 ca. 456.000 Mitarbeitende im Bereich Cybersecurity tätig. Das entspricht einer Reduktion um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig ist der Personaldbedarf aber um 0,4 Prozent gestiegen. Im internationalen Vergleich ist Deutschland damit das einzige Land, dass seine Cyber-Belegschaft bei wachsendem Bedarf reduziert hat. Weltweit wurden demnach 440.000 Cybersecurity-Arbeitsplätze geschaffen auf heute mehr als 5,5 Mio. angestellte oder selbständige Cybersecurity-Experten. Das entspricht einer Steigerung von 8,7 Prozent zum Vorjahr. Allerdings stieg in diesem Jahr der weltweite Bedarf an Mitarbeitenden um 12,6 Prozent.
Für die seit 2019 jährlich durchgeführte ISC2 Cybersecurity Workforce Study 2023 wurden in Nordamerika, Europa, Asien, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Afrika 14.865 Cybersecurity-Fachleute online befragt.
Fachkräftemangel und Qualifikationsdefizite treffen auf höchste Bedrohungslage seit Jahren
61 Prozent der Befragten aus Deutschland machen sich aufgrund der vielen Herausforderungen Sorgen um die Sicherheit ihres Unternehmens und ihrer Organisation. Nur geringfügig mehr (62 Prozent) sagen sogar, dass die aktuelle Bedrohungslage die größte der letzten fünf Jahre darstellt. Hier spielt auch die aktuell negative wirtschaftliche Lage eine Rolle: 60 Prozent der deutschen Befragten schätzen, dass die Gefahr eines bösartigen Insiders (Insider Threats) dadurch erhöht wird.
Übergreifend glaubt die Hälfte der Befragten, dass ihr Unternehmen nicht über angemessene Instrumente und Mitarbeitende verfügt, um in den nächsten zwei bis drei Jahren auf Cyber-Vorfälle reagieren zu können. Grund dafür sind vor allem fehlende Arbeitskräfte (68 Prozent) und Qualifikationsdefizite (88 Prozent). Die deutschen Cybersecurity-Mitarbeitenden sehen vor allem in den Bereichen Cloud Computing Security (38 Prozent), künstliche Intelligenz / Machine Learning (32 Prozent) und digitale Forensik / Incident Response (29 Prozent) hohe Defizite.
53 Prozent der Cyber-Teams erlebten 2023 Kürzungen
Geprägt von der wirtschaftlichen Situation waren laut den Befragten 53 Prozent der Cybersecurity-Teams in Deutschland von Kürzungen betroffen. Dazu gehören sowohl Budgetkürzungen und Einstellungsstopps aber auch Entlassungen und nicht umgesetzte Beförderungen. Bei 39 Prozent wurden Schulungsprogramme und Weiterbildungen gestrichen. Diese Kürzungen haben sich bei zwei Dritteln der Befragten negativ auf die Produktivität und die Moral ihres Teams ausgewirkt und die generelle Arbeitsbelastung erhöht.
Grundsätzlich investieren Unternehmen in die Zukunft ihrer Cyber-Fachkräfte
Unabhängig von den Kürzungen setzen Unternehmen aktiv Strategien zur Stärkung ihrer Cyber-Sicherheitsteams ein. So gaben 72 Prozent der Befragten in Deutschland an, dass ihre Unternehmen in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter investieren und Zertifizierungen unterstützen (65 Prozent). Zudem unterstützen sie ihre bestehenden Teams durch Rekrutierung, Einstellung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter (72 Prozent), um Personalengpässen vorzubeugen oder diese abzumildern und bieten flexible Arbeitsbedingungen (74 Prozent) sowie Programme zur Förderung von Vielfalt, Gleichberechtigung und Integration an (59 Prozent).
Neueinsteiger brauchen vor allem Problemlösungskompetenz und Neugierde
Neben der technischen Beherrschung verschiedener Fertigkeiten betonen Cybersecurity-Experten vor allem die Bedeutung nichttechnischer Eigenschaften für Quer- und Neueinsteiger. Neben Problemlösungsfähigkeiten (40 Prozent) stehen Neugierde und Lerneifer (41 Prozent) sowie gute Kommunikationsfähigkeiten (38 Prozent) ganz oben auf der Liste.
Clar Rosso, CEO von ISC2 sagte zu den Ergebnissen in Deutschland im Interview mit dem Tagesspiegel: „Unsere diesjährige Studie hat besonders deutlich gemacht, dass wir nicht nur vor einer Arbeitskräftelücke stehen, sondern auch einer Qualifikationslücke stehen. [..] Ich denke, das Positive daran ist, dass es den Unternehmen zeigt, dass sie sich auf diese Qualifikationslücken konzentrieren müssen. Selbst wenn sie keine neuen Mitarbeitenden einstellen können, sollten sie in kontinuierliche Aus- und Weiterbildung investieren, um die Qualifikationslücken zu schließen.“
Stand: 08.12.2025
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