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IBM Think Digital 2020: KI, Cloud, Edge und Corona Automatisierung von IT-Abläufen für weniger Ausfälle und Kosten

| Autor: Ulrike Ostler

Derzeit findet virtuell die IBM-Veranstaltung „Think Digital 2020“ statt. Aus den Ankündigungen, die der Konzern anlässlich des Event macht, stechen zwei für den Bereich Datacenter hervor: KI-gestützte Services sollen CIOs dabei helfen, ihre IT-Infrastrukturen zu automatisieren und Edge-Computing umzusetzen. Darüber hinaus gibt es im Wettbewerb „Call for Code“ drei Gewinner mit Apps im Kampf gegen COVID-19.

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IBM stellt auf der virtuellen Konferenz „Think Digital 2020“ IT-Automatisierungswerkzeuge vor: „IBM Watson AIOps“.
IBM stellt auf der virtuellen Konferenz „Think Digital 2020“ IT-Automatisierungswerkzeuge vor: „IBM Watson AIOps“.
(Bild: IBM)

Die Services, die auf Künstlicher Intelligenz beruhen und von IBM etwa als „IBM Watson AIOps“ entwickelt werden, sollen bei der Automatisierung von IT-Abläufen helfen und dadurch für mehr Ausfallsicherheit und geringere Kosten sorgen. Watson AIOps baut auf „Red Hat Openshift“ auf, läuft in jeder beliebigen Cloud und wird von einem Partnerökosystem gestützt, darunter Slack and Box.

Schon jetzt lässt sich absehen, dass sich die Probleme, denen sich Chief Information Officers (CIOs) gegenübersehen, durch den Neustart nach der globalen Pandemie zuspitzen. Die Herausforderungen sind komplizierter und kritischer sind als je zuvor.

Rob Thomas, Senior Vice President für Cloud und Data Platform bei IBM, sagt: „Die COVID-19-Krise und die gestiegene Nachfrage nach Remote-Arbeitsfunktionen treiben den Bedarf an KI-Automatisierung in einem noch nie dagewesenen Tempo voran.“ Die breite Palette an KI-gestützten Fähigkeiten und Dienstleistungen, die IBM während der Konferenz ankündigt, sollen CIOs dabei helfen, ihre IT-Infrastrukturen zu automatisieren, um widerstandsfähiger gegen Unterbrechungen zu sein und zur Kostensenkung beizutragen.

Analystenstimmen

Unvorhergesehene IT-Vorfälle und Ausfälle können Unternehmen sowohl Umsatz als auch den Ruf kosten. Das Marktforschungsunternehmen Aberdeen beziffert den Wert eines Ausfalls auf rund 260.000 Dollar pro Stunde.

Die Hoffnung auf Hilfe durch KI-Einsatz ist nicht unbegründet. So prognostiziert das Marktforschungsunternehmen IDC in seinem Report „Future Scape: Worldwide Digital Transformation 2020 Predictions“, # US45569118 vom Oktober 2019, dass Unternehmen, die Künstliche Intelligenz (KI) nutzen, bis 2024 in der Lage sein werden, auf Kunden, Wettbewerber, Regulierungsbehörden und Partner 50 Prozent schneller zu reagieren als Unternehmen, die keine einsetzen.

KI für die Infrastrukturebene

IBM Watson AIOps nutzt KI, um auf der Infrastrukturebene zu automatisieren, etwa indem die Software IT-Anomalien in Echtzeit erkennt. Außerdem soll die Software helfen, sich anbahnende Probleme zu erkennen. Das wiederum könnte CIOs dabei helfen, Ressourcen auf höherwertige Arbeiten zu konzentrieren und reaktionsfähigere und intelligentere IT-Strukturen aufzubauen, die länger einsatzfähig bleiben können.

IBM Watson AIOps basiert auf der jüngsten Version von Red Hat Openshift für den Einsatz in hybriden Cloud-Umgebungen. Sie lässt sich mit Techniken kombinieren, die im Mittelpunkt heutiger verteilter Arbeitsumgebung stehen, wie von Slack and Box, aber auch mit traditionellen Überwachungs-Tools von Anbietern wie Mattermost und Servicenow.

Stewart Butterfield, CEO und Mitbegründer von Slack, sagt beispielsweise: „Die größte Herausforderung für Organisationen ist die Anpassung. Slack ist am wertvollsten, wenn es sich eng in die anderen Tools integriert, die Kunden täglich verwenden, und wichtige Geschäftsinformationen in Kanäle bringt, in denen die Teams zusammenarbeiten können. Durch den Einsatz von Slack mit Watson AIOps können IT-Bediener effektiv an Lösungen für Vorfälle zusammenarbeiten, so dass sie kritische Zeit mit der Lösung von Problemen verbringen können, anstatt sie zu identifizieren.“

Hoffnung der Kundschaft

Ein Konzern, den die Pandemie und der damit einhergehende Lockdown hart trifft, ist die Lufthansa. Roland Schütz, Executive Vice President und Chief Information Officer des Konzerns, sagt: „Unsere Branche wurde von der Pandemie hart getroffen.“

Er hofft: „Unsere Arbeit in der Künstlichen Intelligenz in den vergangenen Jahren wird uns helfen, einige der zukünftigen Herausforderungen abzuschwächen“ und fügt an: „Die Zusammenarbeit mit IBM bei der Anwendung ihrer Watson-KI-Technologien hat uns geholfen, die Modernisierung unserer Tool-Landschaft im Bereich Data Science zu beschleunigen. Wir nutzen KI, um Prozesse zu automatisieren, die zu Vorteilen wie einer reaktionsschnellen Kundenbetreuung und operativen Themen führen. Auf diese Weise leisten wir einen wichtigen Beitrag zu einem soliden Start nach der Krise.“

Beschleuniger für die Modernisierung

Ebenfalls von der IBM-Forschung entwickelt ist eine „Akzelerator für Anwendungsmodernisierung mit KI“ innerhalb des „IBM Cloud Modernization Service“. Dieser soll Kunden dabei helfen, den mit der Anwendungsmodernisierung verbundenen Gesamtaufwand und die Kosten zu reduzieren.

Im Prinzip geht es um eine Reihe an Tools, mit denen sich die End-to-End-Modernisierung verbessern lässt: Analyse und Empfehlungen für verschiedene Architektur- und Mikrodienstoptionen sollen beschleunigt werden. Der „Akzelerator“ nutzt kontinuierliches Lernen und interpretierbare KI-Modelle, um sich an die bevorzugten Software-Entwicklungspraktiken des Kunden anzupassen und mit der Entwicklung von Technologie und Plattformen Schritt zu halten.

Neue und aktualisierte Funktionen bei „Cloud Pak for Data“, „Cloud Pak for Automation“ und bei der Automatisierung von Call-Centern mit „IBM Watson Assistant“ könnten, so IBM, CIOs zusätzlich helfen, in dem aktuellen dynamischen Umfeld effektiv zu arbeiten.

5G und Edge Computing

Das Angebot für Enterprises, insbesondere der Telekommunikation für den Übergang zum Edge Computing im 5G-Zeitalter kombiniere das Unternehmen eigenen Angaben zufolge das Fachwissen von IBM in Multicloud-Umgebungen mit der Open-Source-Erfahrung von Red Hat. Mit Edge-Services, IBM Business Partnern und offenen Multicloud-Angeboten von IBM könnten Unternehmen das Potenzial von 5G nutzen, um etwa Anwendungen wie Notfallhilfe, Roboterchirurgie oder Sicherheitsfunktionen in vernetzten Fahrzeugen zu unterstützen. Hier komme es auf Latenzzeiten von wenigen Millisekunden an, die dadurch eingespart werden, dass Arbeitslasten nicht an eine zentrale Cloud gesendet werden.

Red Hat Openshift, eine Kubernetes-Plattform, läuft prinzipiell überall - vom Rechenzentrum über mehrere öffentliche Clouds bis hin zum Edge-Computing. Sie bietet somit das Potenzial, die Komplexität der Verwaltung von Arbeitslasten über eine riesige Anzahl von Geräten verschiedener Hersteller hinweg zu bewältigen, und Telcos die Flexibilität, die sie benötigen, um ihren Kunden schnell Edge-fähige Dienste anbieten zu können.

Hier eine Auswahl an Tools:

  • „IBM Edge Application Manager“ bietet ein vergleichsweise autonomes Management, mit der sich KI-, Analyse- und IoT-Workloads im Unternehmen bereitstellen und remote verwalten lassen, um Analysen und Einblicke in Echtzeit und in großem Maßstab zu liefern. Die Software ermöglicht die gleichzeitige Verwaltung von bis zu 10.000 Edge-Knoten durch einen einzigen Administrator. Es ist die erste Lösung, die auf dem Open-Source-Projekt „Open Horizon“ basiert, das von IBM-Ingenieuren entwickelt wurde, um einer einzigen Person die sichere Verwaltung eines so umfangreichen Netzwerks von Edge-Geräten zu ermöglichen.
  • „IBM Telco Network Cloud Manager“ basiert ebenfalls auf Red Hat Openshift und verfügt laut IBM über „intelligente“ Automatisierungsfunktionen zur Orchestrierung von virtuellen und Containernetzwerkfunktionen innerhalb von Minuten. Dienstanbieter sollen in der Lage sein, die Arbeitslasten sowohl auf Red Hat Openshift als auch auf der Red Hat OpenStack-Plattform zu verwalten. Das könne von entscheidender Bedeutung sein, da Telcos zunehmend nach Möglichkeiten suchten, ihre Netzwerke für eine größere Agilität und Effizienz zu modernisieren und neue Dienste heute und mit der zunehmenden Verbreitung von 5G anzubieten, so IBM.

Ergänzt wird das Produktangebot durch dedizierte IBM Services-Teams für Edge Computing und Telco Network Clouds. Zudem gibt es Initiativen für ein „IBM Edge Ecosystem“ und ein „IBM Telco Network Cloud Ecosystem“. Zu diesen gehören Gerätehersteller, Netzwerk- und IT-Provider und Software-Anbieter wie Cisco, Dell Technologies, Juniper Networks, Intel, Nvidia, Samsung, die Equinix Company Packet, Hazelcast, Sysdig, Turbonomic, Portworx, Humio, Indra Minsait, Eurotech, Arrow Electronics, Adlink, Acromove, Geniatech, Smartcone, Cloudhedge, Altiostar, Metaswitch, F5 Networks, Adva und Vodafone Business.

Partner Equinix

Equinix etwa baut eine Referenzarchitektur auf, die das IBM Cloud Paks Ökosystem an den Rand des Netzwerks bringt. Mit seiner Edge Metal-Infrastruktur, die auf Packet Bare Metal-Technologie basiert, Red Hat Openshift und IBM Edge Application Manager können Unternehmen Edge-Anwendungen einmal erstellen und überall einsetzen.

Zac Smith, Managing Director von Bare Metal bei Equinix, sagt: „Mit dem Angebot aus vernetzten, automatisierten Bare-Metal-Angeboten, die mit Edge Computing und einer hybriden Multicloud-Technik von IBM und Red Hat gepaart sind, können Kunden eine Blaupause für schnelle Innovation am Netzwerkrand nutzen. Unsere Metro Edge-Standorte haben außerdem den Vorteil, dass sie die Konsolidierung von entfernten Standorten vor Ort (Edge-in) oder die Migration aus der Cloud (Cloud-out) ermöglichen und dennoch nahe genug am Ort bleiben, an dem Daten erstellt und Maßnahmen ergriffen werden, um Latenzzeiten zu reduzieren, Bandbreitenbeschränkungen zu vermeiden und ein hohes Maß an betrieblicher Belastbarkeit aufrechtzuerhalten.“

IBM Call for Code 2020

Der jährliche IBM Programmierwettbewerb „Call for Code“ hat seit 2018 mehr als 300.000 Software-Experten aus 168 Ländern inspiriert. Der diesjährige Wettbewerb sollte ursprünglich die Entwicklung von Lösungen gegen den Klimawandel vorantreiben – angesichts der aktuellen Pandemie wurde der Wettbewerb um einen zusätzlichen Part zu COVID-19 ergänzt.

Eine hochrangig besetzte, internationale Jury unter Vorsitz von Ex-US-Präsident Bill Clinton hat die drei Sieger bekannt gegeben:

  • Are you well?“ – Die Handy-App des indischen Unternehmens Altran auf Basis des „IBM Watson Assistant“ analysiert die Symptome von Patienten und ordnet sie den Risikokategorien niedrig, mittel oder hoch zu. Auf Basis dieser Zuordnung werden die User mit Medizinexperten verbunden, die sich dann auf sichere Art und Weise zuerst um die wirklich dringenden Fälle kümmern können.
  • COVID Impact“ – COVID Impact wurde von einem Team der University of British Columbia programmiert und soll die finanziellen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf kleine Unternehmen reduzieren. Mit Hilfe von „IBM Watson Services“ und weiterer Technologien kann das Tool das Geschäftsrisiko für einzelne Unternehmen berechnen und informiert zudem über Hilfsangebote der kanadischen Regierung. Eine Heatmap für politische Entscheider visualisiert, wo der Bedarf am größten ist, um Hilfen gezielt in bestimmte Regionen oder Branchen zu steuern.
  • Safe Queue“ – Diese Software eines Entwicklers aus Los Angeles kann die Warteschlange vor Geschäften ersetzen und den Zugang zum Gebäude regeln. Mit Hilfe von GPS-Daten wird eine digitale Warteschlange erzeugt, auf deren Basis die Kunden dann mit einem individuellen QR-Code Einlass erhalten. Neben der „IBM Cloud Foundry“ kommen hier auch Geodaten von „HERE“ zum Einsatz.

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Über den Autor

 Ulrike Ostler

Ulrike Ostler

Chefredakteurin DataCenter-Insider, DataCenter-Insider