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Konzentriertes Blitzschutzkonzept sichert Datentransfer der Thüringer Netkom

Blitz- und Überspannungsschutz nach dem Single-Entry-Point-Prinzip

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Zentraler Schutzpunkt reduziert Störungen und Kosten

Gleichzeitig wurde für den Objektschutz bei der Netkom ein neues Schutzkonzept umgesetzt. Herkömmliche Systeme arbeiten nach dem Blitzschutzzonenkonzept, das unterschiedlichen Bereichen oder Zonen verschiedene Schutzstufen zuweist. Nach der Norm VDE 0185-305 Teil 1 bis 4 spricht man heute von einem Blitzschutzsystem, das einen äußeren und einen inneren Blitzschutz umfasst.

Der äußere Blitzschutz meint dabei Fangeinrichtung, Ableitung und Erdungsanlage. Der innere Blitzschutz setzt sich zusammen aus Grob-, Mittel- und Feinschutz, bzw. aus deren Kombinationen in einem Gerät.

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Die Schutzelemente sollen verhindern, dass die gefährliche Überspannung einen Weg zu den Anlagen im Gebäudeinneren finden. Der Feinschutz setzt direkt an empfindlichen Geräten an, um diese auch gegen die letzte Störspannung abzuschirmen. Auf die Betriebsräume bei Netkom ließ sich diese Strategie allerdings nicht anwenden, zu komplex war die Anlagenstruktur des Netzdienstleisters.

Single Entry Point statt Zonenkonzept

Stattdessen kam das so genannte SEP-Prinzip zum Einsatz. Dabei werden alle ein- und ausgehenden Leitungen eines Gebäudes oder Raumes an einer Stelle zusammengefasst. Anders als beim Blitzschutzzonenkonzept, bei dem jede Leitung an jedem Punkt einer Zone eintreten kann, werden alle Kupferleitungen an einem Punkt in den zu schützenden Bereich eingeführt. Dort wird der Überspannungsschutz montiert, von wo aus es eine einzige normgerechte Erdableitung zur PAS gibt.

Innerhalb des geschützten Bereichs sind keine weiteren Schutzmaßnahmen nötig. Aufwand und Kosten für die Ableiter reduzieren sich dadurch deutlich, zugleich sind die Anlagen durch den gebündelten Schutz besser gegen die Verschleppung vom Potentialdifferenzen und Einkopplungen geschützt.

Als Schutzkomponenten wurden Bausteine mit Tiefpassfilter verwendet, die nur die Nutzsignale passieren lassen und Anteile mit höheren Frequenzen herausfiltern. „Durch häufige Schaltungen, wie sie bei Netkom ständig vorkommen, oder zum Beispiel durch Wechselrichter, primär getaktete Netzteile und Gleichrichtungen werden hochfrequente Impulse (Transienten) erzeugt“, erläutert Zitzmann.

Diese selbst verursachten Störungen könnten auf das Kommunikationsnetzwerk koppeln und die Übertragung beeinträchtigen. Durch die Tiefpassfilter werden die Transienten eliminiert, noch bevor sie die zu schützenden Geräte erreichen. Diese Tiefpässe sind in allen Schutzschaltungen integriert.

Kontrolle gegen wild verlegte Kabel

Seit 1997 arbeitet die Netkom mit der Leutron GmbH aus dem baden-württembergischen Leinfelden-Echterdingen zusammen. Die lange und enge Kooperation ist ein wichtiger Aspekt für den gesamten Blitzschutz, wie Zitzmann meint: „Für das Funktionieren des Konzepts ist es essentiell, dass eine Kontrollperson mit Erfahrung das System beaufsichtigt und alle Änderungen überwacht.“ Ansonsten könnte beispielsweise bei Baumaßnahmen eines der vielen beteiligten Gewerke unbemerkt eine Leitung einziehen, die das SEP-Prinzip unterläuft und wie eine Bresche im Schutzwall der Elektronik wirkt.

Stationsbücher und umfassende Aufzeichnungen beugen dem vor und vereinen alle notwendigen Informationen über die Installationen. „Ein durchdachtes Schutzkonzept in Verbindung mit einer strikten Kontrolle und Dokumentation aller Installationen sind die unabdingbare Grundlage für die Vermeidung von Schäden durch Blitzeinschläge“, so die mahnenden Worte von Gerhard Hahn.

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