Spionage seit 2022 Tschechien ertappt chinesische Hacker auf frischer Tat

Von Melanie Staudacher 4 min Lesedauer

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Seit 2022 lesen chinesische Hacker E-Mails tschechischer Diplomaten heimlich mit. Als dies jüngst entdeckt wurde, veröffentlichten die tschechische Regierung, die EU und die Nato Meldungen mit öffentlichen Anschuldigungen. Doch das scheint bei der chinesischen Regierung nicht gut anzukommen.

In einer Stellungnahme der chinesischen Botschaft in Prag bezeichnet diese die mutmaßlich chinesischen Hacker als „sogenannte APT31“ und weist die Vorwürfe einer staatlich unterstützten Cyberattacke zurück.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
In einer Stellungnahme der chinesischen Botschaft in Prag bezeichnet diese die mutmaßlich chinesischen Hacker als „sogenannte APT31“ und weist die Vorwürfe einer staatlich unterstützten Cyberattacke zurück.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Die tschechische Regierung wirft der chinesischen vor, für einen Cyberangriff auf das Außenministerium verantwortlich zu sein, bei dem Tausende E-Mails offengelegt wurden. Wie der tschechische Außenminister Jan Lipavský erklärte, habe es sich bei den Angreifern um eine staatlich geförderte Gruppe aus China gehandelt, die unter dem Namen „APT31“ agiert.

Chinesische Hacker lesen seit Jahren E-Mails mit

Wie das tschechische Nachrichtenpoprtal Seznam Zpravy berichtet, hätten Experten des tschechischen Geheimdienstes und der Nationalen Agentur für Cybersicherheit Cyberkriminelle dabei erwischt, E-Mails herunterzuladen. Darin seien auch Inhalte zwischen Diplomaten enthalten gewesen, die nicht der Geheimhaltung unterliegen würden. Dennoch gehöre die Korrespondenz zur kritischen Infrastruktur des Landes und könne sensible Informationen enthalten. Bereits seit 2022 würde APT31 die Nachrichten mitlesen.

Öffentliche Anschuldigung

Am 28. Mai 2025 hat Lipavský angekündigt, den chinesischen Botschafter umgehend einzubestellen, um ihm deutlich zu machen, dass der Cyberangriff die bilateralen Beziehungen der beiden Länder schwerwiegend schädige.

„Die tschechische Regierung verurteilt diese bösartige Cyberkampagne gegen ihre kritische Infrastruktur unmissverständlich. Diese Aktion untergräbt die Glaubwürdigkeit der Volksrepublik China und steht im Widerspruch zu ihren öffentlichen Erklärungen. Diese Aktivitäten stehen im Widerspruch zu den Normen des verantwortungsvollen Verhaltens von Staaten im Cyberspace, die von allen UN-Staaten unterstützt wurden. Wir fordern die Volksrepublik China auf, sich an diese Verpflichtungen und Prinzipien zu halten, ähnliche Angriffe zu unterlassen und in Bezug auf diese Situation geeignete Maßnahmen zu ergreifen“, heißt es in einer Stellungnahme der tschechischen Regierung unter Ministerpräsident Petr Fiala.

Seznam Zprávy zufolge seien anonyme Quellen der Ansicht, dass diese öffentliche Anschuldigung und solch klaren Worte unangenehm für China seien. Anders als Russland versuche die Volksrepublik, ihren Einfluss im Westen zu verbergen. Denn würden solche Aktionen ans Licht kommen, würden sie zum Beispiel den Verkauf chinesischer Technologie erschweren. „Mit dem heutigen Schritt haben wir Licht auf China geworfen, das seit langem versucht, unsere Widerstandsfähigkeit und Demokratie zu untergraben. Mit Hilfe von Cyberangriffen, Informationsmanipulation und Propaganda wird es in unserer Gesellschaft installiert, und wir müssen uns dagegen wehren“, habe Lipavský gegenüber dem Nachrichtenportal gesagt.

Die Nato und EU steht hinter Tschechien

Auch die Europäische Union und die Nato veröffentlichten Statements zum Cyberangriff Chinas auf Tschechien. „Die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten stehen gemeinsam mit ihren internationalen Partnern solidarisch an der Seite Tschechiens angesichts der böswilligen Cyberkampagne, die sich gegen das tschechische Außenministerium richtete“, so die Meldung des European Council. Bereits 2021 habe man die chinesische Regierung aufgefordert, gegen böswillige Cyberaktivitäten vorzugehen. Stattdessen hätten seitdem mehrere Mitgliedstaaten der EU ähnliche Aktivitäten gemeldet. „Wir verurteilen böswillige Cyberaktivitäten aufs Schärfste, da sie dem Rahmenwerk der Vereinten Nationen für verantwortungsvolles staatliches Verhalten im Cyberraum zuwiderlaufen, dem sich alle UN-Mitgliedstaaten angeschlossen haben. Wir fordern alle Staaten, einschließlich China, auf, von solchem ​​Verhalten Abstand zu nehmen, das Völkerrecht zu achten und die Normen und Grundsätze der Vereinten Nationen, einschließlich derjenigen im Zusammenhang mit kritischer Infrastruktur, einzuhalten. In diesem Zusammenhang bekräftigen wir, dass Staaten nicht zulassen sollten, dass ihr Territorium für böswillige Cyberaktivitäten missbraucht wird.“

Eine Solidaritätsbekundung veröffentlichte auch die Nato: „Wir verurteilen aufs Schärfste böswillige Cyberaktivitäten, die darauf abzielen, unsere nationale Sicherheit, unsere demokratischen Institutionen und unsere kritische Infrastruktur zu untergraben. Die böswilligen Cyberaktivitäten gegen die Tschechische Republik unterstreichen, dass der Cyberraum stets umkämpft ist. Wir beobachten mit zunehmender Besorgnis das zunehmende Muster böswilliger Cyberaktivitäten aus der Volksrepublik China.“

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China dementiert Spionage-Angriff

Auf der Webseite der chinesischen Botschaft in Prag lehnt ein Sprecher der chinesischen Botschaft die Anschuldigungen ab. Diese seien unbegründet. „Das UN-Rahmenwerk für verantwortungsvolles Handeln stellt klar, dass Untersuchungen zu den Ursprüngen von Cyberangriffen auf klaren und verlässlichen Beweisen beruhen müssen. China akzeptiert in keiner Weise, dass die Tschechische Republik China ohne jeden Beweis unter dem Vorwand der Cybersicherheit verleumdet. In Bezug auf die sogenannte 'APT31' hat die chinesische Seite wiederholt technische Analysen und Klarstellungen durchgeführt, die eindeutig zeigen, dass die einschlägigen Beweise unzureichend und die Schlussfolgerungen nicht wissenschaftlich sind. Wir müssen betonen, dass die chinesische Seite alle Formen von Cyberangriffen entschieden ablehnt und rechtmäßig bekämpft und Hacking nicht unterstützt, fördert oder toleriert. Gleichzeitig lehnen wir es entschieden ab, dass einige Staaten das Thema Cybersicherheit nutzen, um ihre engen geopolitischen Interessen voranzutreiben. China hat immer die Auffassung vertreten, dass alle Parteien die Zusammenarbeit durch bilaterale Dialoge oder Rechtshilfe auf der Grundlage des gegenseitigen Respekts, der Gleichheit und des gegenseitigen Nutzens verstärken und den Bedrohungen der Cybersicherheit gemeinsam begegnen sollten. Wir fordern die tschechische Seite auf, ihre falschen Praktiken unverzüglich zu korrigieren, die 'Mikrofondiplomatie' zu beenden und sich wirklich an den Rahmen des verantwortungsvollen Verhaltens der UN-Staaten zu halten und Fragen der Cybersicherheit objektiv und fair anzugehen.“

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