KI-Sicherheit Abwehrsysteme für den sicheren KI-Einsatz

Ein Gastbeitrag von Matteo Quattrocchi 4 min Lesedauer

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Unternehmen stehen vor der Herausforderung, KI in ihre Prozesse zu implementieren – und das möglichst schnell und mit geringem Risiko. Inkonsistente Sicherheitsmaßnahmen, regulatorische Unsicherheiten und die wachsende Komplexität von KI-Systemen erschweren diesen Balanceakt. Während der EU AI Act erste Leitplanken setzt, bleibt die Verantwortung für Sicherheit und ethischen Einsatz bei den Menschen.

Unternehmen, die KI-Technologien nutzen, dürfen Sicherheit nicht als nachträgliches Add-on betrachten, sondern müssen sie von Anfang an in ihre Strategie einbetten.(Bild: ©  LALAKA - stock.adobe.com)
Unternehmen, die KI-Technologien nutzen, dürfen Sicherheit nicht als nachträgliches Add-on betrachten, sondern müssen sie von Anfang an in ihre Strategie einbetten.
(Bild: © LALAKA - stock.adobe.com)

Unternehmen stehen vor der Herausforderung, KI in ihre Prozesse zu implementieren – und das möglichst schnell und mit geringem Risiko. Inkonsistente Sicherheitsmaßnahmen, regulatorische Unsicherheiten und die wachsende Komplexität von KI-Systemen erschweren diesen Balanceakt. Während der EU AI Act erste Leitplanken setzt, bleibt die Verantwortung für Sicherheit und ethischen Einsatz bei den Menschen.

Laut dem Cisco AI Readiness Index fühlen sich nur 29 Prozent der Unternehmen weltweit ausreichend darauf vorbereitet, Manipulationen und Bedrohungen im Zusammenhang mit KI zu erkennen und abzuwehren. In Deutschland liegt dieser Wert sogar noch niedriger. Viele Unternehmen setzen KI zwar ein, haben jedoch noch keine durchdachten Sicherheits­maßnahmen implementiert. KI zuverlässig abzusichern ist jedoch entscheidend, um langfristig Vertrauen und Stabilität zu gewährleisten.

EU AI Act: Der Mensch bleibt in der Pflicht

Mit dem EU AI Act hat die Europäische Union den weltweit ersten umfassenden Rechtsrahmen für den sicheren Einsatz von KI geschaffen. Die Verordnung legt verbindliche Sicherheitsstandards für Hochrisiko-Anwendungen fest. Besonders im Fokus steht die Cybersicherheit: Strenge Sicherheitsprotokolle sollen unbefugten Zugriff und Missbrauch verhindern. Gleichzeitig betont das Gesetz die unverzichtbare Rolle menschlicher Aufsicht, um Risiken frühzeitig zu erkennen und zu minimieren.

Die Verantwortlichkeiten für die Sicherheit von KI sind jedoch komplex. Das KI-Gesetz nimmt vor allem EntwicklerInnen von KI-Systemen sowie Anbieter allgemeiner KI-Modelle in die Pflicht, unterstreicht aber auch die Verantwortung der AnwenderInnen. In der Praxis reicht regulatorische Konformität allein nicht aus, um KI-Systeme wirksam zu schützen. Unternehmen müssen ihre KI-Modelle sowohl technisch als auch organisatorisch absichern und Strategien entwickeln, die über reine Compliance hinausgehen und sich flexibel an neue Bedrohungen anpassen.

Wo KI-Systeme verwundbar sind

Sicherheitsrisiken können in jeder Phase der Entwicklung und Nutzung auftreten. Ein zentrales Problem ist die fehlerhafte Modelloptimierung. Beim Feinabstimmen von KI-Modellen auf spezifische Daten oder Szenarien können unbeabsichtigte Verzerrungen oder Fehler entstehen. Das kann dazu führen, dass Modelle unerwartet reagieren, unethische Entscheidungen treffen oder sogar manipulierbar werden.

Auch Datenlecks sind eine erhebliche Bedrohung für KI-gestützte Systeme und das gesamte IT-Netzwerk. Unternehmen, die KI-Modelle nicht nur mit öffentlichen, sondern auch mit eigenen Daten trainieren, laufen Gefahr, dass unzureichend geschützte Informationen in falsche Hände geraten.

Ein weiteres Problem ist der unkontrollierte Einsatz von KI-Tools durch Mitarbeitende. Fehlen klare Richtlinien und Kontrollmechanismen, können Datenschutzvorgaben unbewusst oder gezielt umgangen werden. Das gefährdet nicht nur die IT-Sicherheit, sondern führt auch zu regulatorischen Verstößen.

Angriffsflächen reduzieren, KI wirksam schützen

Um KI-Sicherheitsrisiken zu minimieren, müssen Unternehmen gezielte Schutzstrategien entwickeln, die den gesamten Lebenszyklus von KI-Modellen abdecken. Ein zentraler Baustein ist die automatisierte Analyse von Schwachstellen. Regelmäßige Sicherheitsprüfungen und kontinuierliche Tests helfen, potenzielle Angriffspunkte frühzeitig zu identifizieren und durch gezielte Schutzmaßnahmen abzusichern.

Die Sicherheit von KI-Systemen wird durch eine kontinuierliche Überwachung während des Betriebs deutlich erhöht. Echtzeit-Monitoring hilft, Bedrohungen wie Denial-of-Service-Angriffe oder Manipulationsversuche rechtzeitig zu erkennen und abzuwehren.

Der Schutz sensibler Daten bleibt eine der größten Herausforderungen. KI-Modelle dürfen nicht unkontrolliert Informationen preisgeben oder auf nicht-autorisierte Datenquellen zugreifen. Strikte Zugriffsrichtlinien und lückenloses Monitoring sind daher unerlässlich, um Datenverluste zu verhindern und regulatorische Vorgaben einzuhalten.

Auch der unkontrollierte Einsatz von KI-Tools muss eingedämmt werden. Unternehmen benötigen Transparenz über die eingesetzten Anwendungen und klare Richtlinien für deren Nutzung. Nur so lassen sich Compliance-Risiken minimieren und die Verbreitung von Schatten-KI – also der Nutzung nicht genehmigter oder nicht überwachter KI-Anwendungen innerhalb eines Unternehmens – verhindern.

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Zusätzlich zu den technologischen Maßnahmen müssen Mitarbeitende geschult und ausgebildet werden. Nur wer sich der Risiken bewusst ist, kann KI sicher und verantwortungsvoll einsetzen.

End-to-End-Sicherheitslösungen können Unternehmen dabei unterstützen, Anwendungen sowohl während der Entwicklung als auch im Betrieb zu schützen. Durch einheitliche Sicherheitsmechanismen lassen sich Risiken minimieren, ohne die Effizienz und Leistungsfähigkeit der Systeme einzuschränken.

Robustes Abwehrsystem für den sicheren KI-Einsatz

KI-Sicherheit ist keine bloße regulatorische Pflicht – sie ist die Grundlage für nachhaltigen Erfolg. Unternehmen, die KI-Technologien nutzen, dürfen Sicherheit nicht als nachträgliches Add-on betrachten, sondern müssen sie von Anfang an in ihre Strategie einbetten. Risiken können nur dann wirksam minimiert werden, wenn Schutzmechanismen integraler Bestandteil der Entwicklung und Nutzung sind.

Der EU AI Act setzt einen wichtigen Rahmen für den verantwortungsvollen Einsatz von KI. Doch ohne gezielte technologische Sicherheitslösungen und menschliches Know-how bleiben viele Schwachstellen bestehen.

Die Zukunft der KI wird maßgeblich davon abhängen, wie gut es Unternehmen gelingt, Sicherheit und Innovation miteinander zu verbinden. Ein ganzheitlicher Ansatz, der sowohl regulatorische Anforderungen als auch technische Schutzmaßnahmen umfasst, ist der Schlüssel, um das volle Potenzial der KI zu nutzen – ohne dabei Sicherheit und Vertrauen zu gefährden.

Über den Autor: Matteo Quattrocchi ist Leiter der EU-KI-Politik bei Cisco.

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