Steigende Stromkosten nach Cyberangriff Tibber verliert Daten von 50.000 deutschen Kunden

Von Melanie Staudacher 3 min Lesedauer

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Nach einem Cyberangriff auf den Stromanbieter Tibber müssen sich Endverbraucher nun auf mögliche Phishing-Angriffe, aber eventuell auch steigende Preise gefasst machen. Dies könnte die Reputation des Anbieters schwächen. Auch Schadenersatzansprüche sind möglich.

Der norwegische Stromanbieter hat in Berlin einen Cyberangriff zur Anzeige gebracht. Daten von rund 50.000 deutschen Kunden wurden gestohlen.(Bild:  Dall-E / KI-generiert)
Der norwegische Stromanbieter hat in Berlin einen Cyberangriff zur Anzeige gebracht. Daten von rund 50.000 deutschen Kunden wurden gestohlen.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)

Der norwegische Stromanbieter Tibber ist Opfer eines Cyberangriffs geworden. In einer Pressemeldung schreibt Tibber, dass die Daten aus einem Untersystem des Webshops „Tibber Store“ entwendet wurden, über den Tibber sogenannte Smart Energy Hardware verkauft. Betroffen sind E-Mail-Adressen und Nutzernamen von rund 50.000 deutschen Kundinnen und Kunden. Nicht betroffen sind Daten aus Stromverträgen, Passwörter, Zahlungs-, Geburts- oder Stromverbrauchsdaten oder genaue Adressen.

„Wir haben umgehend mit der Untersuchung des Vorfalls begonnen und ihn bei der Berliner Polizei zur Anzeige gebracht“, heißt es in der Meldung. „Die Sicherheit unserer Kundendaten hat für uns höchste Priorität. Wir arbeiten eng mit den Behörden und internen und externen Datensicherheits-Expert:innen zusammen, um den Vorfall aufzuklären und die Daten unserer Kundinnen und Kunden in Zukunft noch besser zu schützen.“ Die Kunden wurden bereits über den Datenschutzvorfall informiert.

Neben Reputationsschäden muss der Stromanbieter mit möglichen Schadenersatzansprüchen rechnen. Nach der Entscheidung des Bundesgerichtshof (BGH) vom 18. November 2024, in der ein Datenschutzverstoß von Facebook untersucht wurde, ist es für Verbraucher nun recht einfach, immateriellen Schadenersatz geltend zu machen. Der Datenschutzvorfall bei Facebook gilt als Präzedenzfall, dessen Ausgang nun auch für Tibber-Kunden relevant ist.

Steigen die Strompreise wegen des Hackerangriffs?

In einem X-Beitrag witzelt ein schwedischer User, er würde am kommenden Tag auswärts essen gehen, da die Strompreise von Tibber deutlich gestiegen seien. Während der Strompreis am 11. November 2024 noch circa 150 Öre pro Kilowattstunde betrug, wurde er für den 12. November 2024 zwischen 17 und 18 Uhr auf 371,5 Öre pro Kilowattstunde geschätzt.

Zwar kann der Datendiebstahl bei Tibber nicht direkt mit den höheren Strompreisen in Verbindung gebracht werden, diese könnten jedoch möglicherweise indirekt durch andere Faktoren entstanden sein:

  • Erhöhte Sicherheitskosten: Nach dem Cyberangriff hat Tibber höchstwahrscheinlich in verbesserte Sicherheitsmaßnahmen investiert, um künftige Angriffe zu verhindern. Außerdem ist es sehr wahrscheinlich, dass das IT-Personal mehr Arbeitsstunden zur Eindämmung der Bedrohung und Minderung des Schadens aufgewendet hat. Auch die Presseabteilung dürfte länger als sonst beschäftigt gewesen sein. Diese zusätzlichen Ausgaben könnten an die Kunden weitergegeben werden.
  • Rechtliche und regulatorische Auflagen: Der Datenverlust könnte zu rechtlichen Konsequenzen und Strafzahlungen oder Schadenersatzzahlungen führen, die finanzielle Belastungen für das Unternehmen darstellen.
  • Vertrauensverlust und Kundenabwanderung: Ein solcher Datenschutzvorfall kann zu Vertrauensverlust bei den Kunden führen, was zu Kündigungen und damit zu Einnahmeverlusten nach sich ziehen kann. Um diese Verluste auszugleichen, könnten die Preise erhöht worden sein.

Natürlich könnten die steigenden Strompreise ebenfalls dazu führen, dass Tibber-Kunden zu anderen Anbietern abwandern. Zwar sind diese Annahmen rein spekulativ und Schwankungen der Strompreise können auch durch andere, vom Cyberangriff unabhängige Faktoren provoziert worden sein. Allerdings zeigen sie die weitreichenden Folgen eines Cyberangriffs auf Unternehmen.

Auf Nachfrage erläutert Tibber, die Strompreise der Strombörse an seine Kunden weiterzureichen. Der Tibber-Arbeitspreis ist der Börsenstrompreis zuzüglich 2,15 Cent variabler Beschaffungs- und Bereitstellungskosten pro kWh. Personalkosten oder Kosten für die Datensicherheit würden nicht über den Arbeitspreis abgebildet, sondern über die monatliche Gebühr, die die Kunden bezahlen. Ein Erhöhung der Gebühr sei nicht geplant.

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