Cohesity-Studie „Risk-Ready or Risk-Exposed: The Cyber Resilience Divide“ „Typisch deutsches“ Abwarten spart oft Kosten

Ein Gastbeitrag von Patrick Englisch 3 min Lesedauer

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Cyberangriffe können erhebliche Kosten verursachen. Wer nicht immer die neuesten Technologien nutzt, vermeidet dies eventuell. So zeigt eine aktuelle Studie von Cohesity, dass die „typisch deutsche“ Zurückhaltung Unternehmen vor Auswirkungen auf ihre Aktienkurse oder Finanzprognosen schützt.

Die deutsche Zögerlichkeit ist nicht unbedingt eine Schwäche. Das ist das Ergebnis des Cohesity-Reports.(Bild: ©  Prostock-studio - stock.adobe.com)
Die deutsche Zögerlichkeit ist nicht unbedingt eine Schwäche. Das ist das Ergebnis des Cohesity-Reports.
(Bild: © Prostock-studio - stock.adobe.com)

Deutsche Unternehmen werden international häufig belächelt, weil sie nicht immer jedem Trend hinterherlaufen und die aktuellsten Technologien sofort einführen. Für die Cybersicherheit kann dieses Abwarten aber von Vorteil sein.

Zum Beispiel mussten in den letzten 12 Monaten weltweit 70 Prozent der börsennotierten Unternehmen nach einem Cyberangriff ihre Gewinn- oder Finanzprognosen revidieren. In Deutschland waren es nur 52 Prozent. Auswirkungen auf den Aktienkurs spürten weltweit 68 Prozent und in Deutschland 45 Prozent der Unternehmen, so die Cohesity-Studie „Risk-Ready or Risk-Exposed: The Cyber Resilience Divide“.

Skepsis als Stärke?

Dieser deutliche Unterschied liegt daran, dass in Deutschland Unternehmen oft zögerlicher bei der Einführung neuer Technologien sind, deren Sicherheitsstandards und -architekturen noch nicht umfassend geprüft wurden. In Deutschland sagen lediglich 29 Prozent der Befragten, die Einführung von GenAI-Tools in ihren Unternehmen würde deutlich schneller voranschreiten, als sie es für sicher halten. Zum Vergleich: Weltweit sind es 37 Prozent.

Deutsche Unternehmen hinterfragen in der Regel stärker als Unternehmen in anderen Län­der, welche Rahmenbedingungen bei der Nutzung von Generativer Künstlicher Intelligenz die internen und gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Dies gilt insbesondere, wenn bei entsprechenden Lösungen Cloud Services eingesetzt werden.

Dagegen ist die Intensität der Angriffe im internationalen Vergleich recht ähnlich. Sowohl weltweit als auch in Deutschland hat mehr als die Hälfte der Unternehmen im vergangenen Jahr einen schwer­wie­gen­den Cyberangriff erlebt. Die rechtlichen oder regulatorischen Kon­se­quenz­en wie Geldstrafen und Gerichtsverfahren sind ebenfalls vergleichbar häufig. In Deutschland waren 89 Prozent davon betroffen, weltweit 92 Prozent.

Doch die finanziellen Auswirkungen sind un­ter­schied­lich stark. So haben weltweit 36 Prozent der Unternehmen zwischen 1 und 10 Prozent ihres Jahresumsatzes aufgrund von Cy­ber­an­grif­fen verloren. In Deutschland waren es lediglich 31 Prozent. Diese Verluste bringen Unternehmen dazu, Budget aus den Bereichen Innovation und Wachstum in Richtung Wiederherstellung und Behebung umzuleiten. Dazu waren weltweit 73 Prozent und in Deutschland nur 62 Prozent der nicht börsennotierten Unternehmen gezwungen.

Cyberresilienz für Finanzen notwendig

Obwohl schwerwiegende Angriffe also messbare finanzielle Folgen haben, geben in Deutschland 54 Prozent der Befragten zu, dass ihre Cyberresilienzstrategie ver­bes­se­rungs­wür­dig ist. Dagegen vertrauen 45 Prozent der deutschen Führungskräfte ihren Resilienzstrategien.

Diese waren bislang eventuell ausreichend, doch die Intensität der Angriffe wird weiter steigen, auch durch den zunehmenden Einsatz von KI aufseiten der Angreifer. Die Kluft zwischen wahrgenommener Bereitschaft und nachgewiesener Reaktionsfähigkeit dürfte sich damit vergrößern. Entsprechend müssen Unternehmen nicht nur aufgrund allgemeiner Vorsicht, sondern auch gezielt auf Angriffe vorbereitet sein. Denn Cyberresilienz ist heute eine Frage der finanziellen Stabilität.

Einen wichtigen Ansatz bietet hierfür die Automatisierung von Prozessen für die Da­ten­si­che­rung im Zusammenspiel der Security-Teams im Unternehmen. Dies umfasst das schnellstmögliche Initialisieren eines Clean Rooms für die Forensik, die Überleitung in den Staging-Bereich bis hin zur Minimum Viable Company. Während weltweit bereits 44 Prozent der Angriffe automatisch entdeckt und verifiziert werden, sind es in Deutschland nur 35 Prozent.

Das Wiederherstellen der Daten aus Backups dauert weltweit und in Deutschland in circa 95 Prozent der Fälle mehr als einen Tag, in jedem zehnten Fall über eine Woche. So fordern 63 Prozent der Befragten in Deutschland eine stärkere Automatisierung für Erkennung, Reaktion und Wiederherstellung. Insbesondere bei unternehmsübergreifenden Ransomware-Attacken und komplexen Architekturen von geschäftskritischen Anwendungen können sich manuelle oder auch semi-manuelle Wiederherstellungen auch über mehrere Wochen hinziehen. Dabei erwarten 41 Prozent, dass KI bis Ende 2026 eine zentrale Rolle spielen wird, um Verbesserungen zu erzielen.

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Die deutsche Zögerlichkeit als strategischer Vorteil?

Das sprichwörtliche deutsche Zögern bei der Nutzung von Innovationen ist aus Si­cher­heits­per­s­pek­ti­ve eine Stärke. Doch diese Haltung wird neben regelmäßigem Patchen der IT angesichts der weiter steigenden Angriffe nicht ausreichen. Es ist eine umfassende Resilienzstrategie mit automatisierten, KI-gestützten Assistenten und Prozessen nötig, um sich vor den klaren finanziellen Auswirkungen durch schwerwiegende Cyberattacken zu schützen.

Über den Autor: Patrick Englisch, Director & Head of Technology Sales Central Europe bei Cohesity.

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