Interview mit Nlighten-Geschäftsführer Andreas Herden Strom, Standort, Zugang – Wie funk­ti­o­niert Security in Rechenzentren?

Das Gespräch führte Paula Breukel 3 min Lesedauer

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Cybersecurity braucht mehr als Firewalls: Wo Strom, Zutritt und Standort nicht stimmen, hilft auch keine Verschlüsselung. Nlighten-Geschäftsführer Andreas Herden über Stromzugänge und warum die Energiefrage Teil der Security-Strategie sein muss.

Ein Rack ist kein Safe! Ohne physische Sicherheit bleiben die besten Cybersecurity-Konzepte verwundbar.(Bild:  Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)
Ein Rack ist kein Safe! Ohne physische Sicherheit bleiben die besten Cybersecurity-Konzepte verwundbar.
(Bild: Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)

Edge-Rechenzentren gewinnen an Bedeutung. Für Latenzoptimierung, regulatorische Nähe und auch aus sicherheitsstrategischer Perspektive. „Cybersecurity beginnt für mich bei der Stromversorgung“, stellt Andreas Herden, Geschäftsführer von Nlighten, im Gespräch mit Security-Insider klar. Ohne gesicherte Energieinfrastruktur gebe es keine verlässliche IT. Und ohne IT keine Digitalisierung.

Am Beispiel der Nlighten-Standorte Frankfurt und München wird deutlich, wie stark physische, infrastrukturelle und cybertechnische Sicherheit miteinander verbunden sind. Das beginnt bei der Standortwahl: „Wir schauen uns Flooding Zones, industrielle Nachbarschaften, Strom­tras­sen und Glasfaseranbindungen an, bevor wir überhaupt in die Detailplanung gehen“, so Herden. Der Standort Frankfurt bietet 4,8 Megawatt (MW) IT-Leistung auf 2.496 Qua­drat­me­ter Fläche. In München stehen vergleichbare Kapazitäten zur Verfügung.

Facility Security: Mehr als nur Zutrittskontrolle

Die Zutrittskonzepte folgen einem klar strukturierten Schichtenmodell. An der Grundstücks­gren­ze beginnt die erste Sicherungsstufe. Besucher und Techniker durchlaufen eine Vorab­an­meldung, werden vor Ort von externen Sicherheitsdiensten registriert und müssen sich neben ihren Badges durch Zwei-Faktor-Verfahren – PIN und Biometrie – ausweisen. Erst danach be­ginnt der kontrollierte Zugang zu Meet-Me-Räumen, Cages und White Spaces. „Ich selbst darf als Geschäftsführer nicht ohne Weiteres in Kundenbereiche. Und das ist auch gut so“, betont Herden.

Jede Kundeninfrastruktur bleibt vollständig isoliert. Nlighten stellt redundante Glasfaser­an­bindungen über separate Trassen sowie unabhängige Stromzuführungen (A- und B-Feed) bereit. Die Überwachung erfolgt per Closed-Circuit Television (CCTV), mit gesetzeskonformer Speicherung und Bewegungsmeldern. An Standorten mit 24/7-Betrieb greifen ergänzend Alarmsysteme und Operations-Center. Die Nachvollziehbarkeit von Zugängen, etwa durch Badges, wird DSGVO-konform protokolliert.

Von Zutritt bis Energieversorgung: Sicherheit ist mehrdimensional

Sicherheitskonzepte enden nicht an der Zugangskontrolle. Sie beginnen bereits bei der Wahl des Standorts und der Absicherung der Energiezufuhr. „Ohne verlässliche Stromversorgung lässt sich kein sicheres Rechenzentrum betreiben“, sagt Andreas Herden. Vor allem Edge-Stand­orte abseits etab­lier­ter Zentren wie Frankfurt seien auf belastbare Netzanbindung an­ge­wiesen. Nlighten kalkuliert dabei mit mindestens zwei, besser drei unabhängigen Strom­tras­sen pro Standort. In der Praxis erweise sich die Standortwahl zunehmend als limi­tier­ender Faktor: „Es gibt Regionen, in denen eine Zusage für Strom erst für das Jahr 2033 oder später erteilt wird. Das ist mit digitalen Geschäftsmodellen nicht vereinbar.“

Auch bauliche Kriterien spielen in die Resilienz hinein. Die bestehenden Nlighten-Re­chen­zen­tren setzen auf massiven Betonbau. Holz oder andere alternative Materialien beurteilt Her­den zurückhaltend. „Nachhaltigkeit ist wichtig, aber bei einem sicherheits­re­le­vanten Ge­bäu­de zählen vor allem Stabilität und Langlebigkeit.“ Wärmeauskopplung ist dagegen Teil des Kon­zepts: In Frankfurt etwa wird die Abwärme für die Versorgung eines öffentlichen Schwimmbads genutzt.

Edge als strategisches Gegengewicht zur Hyperscaler-Cloud

Mit der zunehmenden Adaption von KI-Workloads verändern sich die Anforderungen an Re­chen­zentren. Für Herden steht fest: „Ein klassischer Hyperscaler, der 50 MW auf einen Schlag will, ist nicht unser Kunde. Aber wenn dieser Hyperscaler sagt, sein Kunde braucht eine KI-Anwendung im Regionalbereich, dann sind wir wieder im Gespräch.“

Seit Juli ist Andreas Herden als Managing Director Deutschland bei nLighten tätig. Die Rechenzentrums­branche ist ein fester Bestandteil seiner Karrierelaufbahn.(Bild:  nLighten)
Seit Juli ist Andreas Herden als Managing Director Deutschland bei nLighten tätig. Die Rechenzentrums­branche ist ein fester Bestandteil seiner Karrierelaufbahn.
(Bild: nLighten)

Mit High-Density-Racks von 12 bis 50 Kilowatt, kurzen Latenzwegen und lokaler Datenhoheit sollen die Nlighten-Standorte gezielt dort einspringen, wo zentralisierte Infrastrukturen zu träge oder regulatorisch schwierig werden. Das gilt zunehmend auch für Kunden aus dem öf­fent­lichen Sektor, etwa Kommunen, die eigene Infrastrukturen aufgeben und sich in en­er­gie­effiziente Colocation-Konzepte einmieten. Herden fasst zusammen: „Wir bieten keine Illusion von Kontrolle, sondern echte Transparenz. Die Kunden wissen, wo ihre Daten liegen, wer Zu­gang hat und wie ihr Stromnetz abgesichert ist. Das ist echte Security.“

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