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Die Grenzen von Löschsoftware
„Eine rückstandsfrei gelöschte Festplatte gibt es in der Regel nicht, “ sagt auch Diplom-Ingenieur Nicolas Ehrschwendner, Geschäftsführer der auf Datenrettung spezialisierten Wiener Firma „Attingo“, der die Wiederherstellung des kompromittierenden Word-Dokuments über die abgeworbenen Mitarbeiter der Konkurrenz gelang. Zwar gäbe es die Möglichkeit des Überschreibens der Festplatte, jedoch warnt Ehrschwendner: „Wann immer in einem physikalischen Bereich der Festplatte ein Defekt auftritt, wird er elektronisch abgetrennt, und die Daten werden in einen Ersatzbereich kopiert. Auf diese gesperrten Bereiche kann vom System nicht mehr zugegriffen werden. Es gibt derzeit keine Löschsoftware, die sie überschreiben kann.“
Auch der Slack space, der ungenutzte Speicherplatz innerhalb eines Datenclusters, wird nicht von allen Löschprogrammen überschrieben. DOS und Windows Systeme arbeiten mit festgelegten Datenblocklängen. Wenn die tatsächliche Dateigröße kleiner ist als in so einem Cluster zur Verfügung steht, wird trotzdem das gesamte Cluster für die Datei reserviert und der zur Verfügung stehende Platz willkürlich und ohne direkten Einfluss des Anwenders mit Daten aus verschiedenen Bereichen des Systems aufgefüllt.
Der Slack Space wird dann nicht überschrieben, wenn der Anwender mit einer Löschsoftware nur gezielt bestimmte Dateien löscht. Wenn die Software den gesamten Datenträger löschen soll, wird in der Regel auch der Slack Space überschrieben, da die Software dann jeden Sektor (in der Regel 512 Bytes) überschreibt. Wenn man eine Datei mit Löschsoftware löscht (z.B. 400 Bytes), dann werden oft nur die 400 Bytes gelöscht, jedoch nicht Daten, mit denen der Sektor vorher einmal beschrieben war. In computerforensischen Untersuchungen spielt der Slack space eine große Rolle, da man mit ihm womöglich sensible Daten extrahieren kann.
Das letzte Experiment der Columbia
Eine weitere Möglichkeit wäre das Einschmelzen oder Verbrennen der Festplatte. Doch auch hier gelingt zuweilen die Datenrettung: Im Februar 2003 verglühte die US-Raumfähre Columbia beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Sie bewegte sich zum Zeitpunkt des Auseinanderbrechens mit 20.000 Stundenkilometern, ihre Wrackteile verteilten sich über hunderte von Kilometern. Zwei Metallteile, davon eine Festplatte, waren miteinander verschmolzen und durch einen 60-Kilometer-Sturz verbeult. Trotzdem gelang es Datenrettungsexperten, Informationen von dieser Festplatte zu rekonstruieren. Fünf Jahre nach dem Absturz konnten schließlich die kompletten Ergebnisse des letzten dokumentierten Experiments der Columbia-Crew veröffentlicht werden.
Seite 3: Sicherheit durch Shreddern
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