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Allgeier-Chef Ralf Nitzgen über Sicherheitsparadigmen

Die „gefühlte IT-Sicherheit“ in Zeiten der Rundumüberwachung

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ITB: Durch den Patriot Act und über das juristische Vehikel von Geheimgerichtsbeschlüssen können US-Anbieter dazu gezwungen werden, mit Geheimdiensten zu kooperieren. Vor diesem Hintergrund und der Intransparenz scheint sich langsam aber ­sicher vielerorts so etwas wie ein ­Generalverdacht gegenüber US-Anbietern zu etablieren. Ist das aus ­Ihrer Sicht gerechtfertigt, und was bedeutet das für Anbieter mit einem Rechtsstand in Deutschland?

Nitzgen: Ob dies gerechtfertigt ist oder nicht, darüber möge sich jeder selbst ein Bild verschaffen. Tatsache ist jedoch, dass es so etwas wie „gefühlte Sicherheit“ zu geben scheint. Und in diesem Zusammenhang haben viele, auch international aufgestellte Kunden bereits in der Vergangenheit europäischen Sicherheitslösungen den Vorzug gegenüber Lösungen von US-Anbietern oder von Anbietern aus anderen Ländern gegeben, denen gegenüber es ähnliche Vorbehalte zu ­geben scheint. Deswegen glaube ich, dass sich diese Faktoren durchaus positiv für die Vermarktung europäischer Security-Lösungen auswirken werden.

ITB: Denken Sie, dass sich die berechtigte Aufregung, aus welchen Gründen auch immer, wieder legen wird?

Nitzgen: IT-Sicherheit ist kein neues Thema. Es gerät immer dann stärker in den Fokus, wenn es entsprechende Vorfälle gegeben hat. Neu ist dieses Mal der Umfang der Berichterstattung, daher wird uns das Thema noch eine Weile begleiten. Jedoch ist es so, dass Sicherheit und Komfort generell einander diametral gegenüberstehen. Und so wird sich mit der Zeit der Fokus wieder von der Sicherheit weg auf andere Themen verschieben, ohne dass der Bereich „Datensicherheit“ vollständig vernachlässigt wird. Zu deren Einhaltung gibt es schließlich entsprechende Verpflichtungen. Bis zum nächsten großen Vorfall, der sich mit Sicherheit ereignen wird.

ITB: Was bedeutet das alles im großen Bild für den IT-Channel? Wie ändert sich das Geschäft und welche Fragen stellen sich dadurch neu?

Nitzgen: Definitiv ist „IT-Sicherheit“ das Thema, das bestehende Produkte, Vorgehensweisen und Prozesse in den Unternehmen ein weiteres Mal nachhaltig verändern wird. In diesem Zusammenhang muss sich jeder Unternehmer und IT-Verantwortliche die Fragen stellen: Sind alle meine Kommunikationskanäle sicher? Wo stehe ich möglicherweise in einer Haftung? Welchem Dienstleister kann ich meine Daten anvertrauen? Wie ermittle ich dessen Vertrauenswürdigkeit? Genügen seine Maßnahmen und Prozesse meinen Sicherheitsanforderungen und wie kann ich auch langfristig Cloud-Dienste sicher nutzen? Antworten auf diese Fragen zu finden und schließlich im Sinne der Unternehmensziele umzusetzen, wird in den kommenden beiden Jahren vielerorts sicher eine zentrale Herausforderung sein.

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