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Allgeier-Chef Ralf Nitzgen über Sicherheitsparadigmen

Die „gefühlte IT-Sicherheit“ in Zeiten der Rundumüberwachung

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Kommentar: Das Signal aus der Internet-Wirtschaft

Die Spionage-Affäre hat viele befremdliche Aspekte neben den technischen Hintergründen, also den immensen Möglichkeiten der „Dienste“, digitale Daten abzugreifen, und den mannigfachen Möglichkeiten, die sich durch Big-Data-Analysen ergeben. Zu diesen nicht-technischen Absonderlichkeiten zählen für mich beispielsweise die vielen Experten, die auf einmal – nach den Snowden-Enthüllungen – eh schon alles gewusst haben wollen. In der IT-Branche kennt man sich halt aus, wenn man Experte ist. Besonders befremdlich fand ich die Reaktion einiger US-Unternehmen, deren guter Name nach den Enthüllungen im Feuer stand. In der Unternehmenskommunikation sprach man zunächst weiterhin über „die Cloud“, als ob es all die Enthüllungen über digitale Überwachung, ­Geheimgerichte und Wirtschaftsspionage nicht gegeben hätte.

Jetzt gibt es endlich eine gemeinsame Website von AOL, Apple, Facebook, Google­, Linkedin, Microsoft, Twitter und Yahoo.

Die vom Vertrauensverlust betroffenen US-Internetkonzerne sprechen hier direkt den US-Präsidenten Obama und die Mitglieder des Kongresses an. Sie fordern eine Neuausrichtung der Digitalüberwachung seitens der „Dienste“, also vor allem der NSA und des britischen GCHQ. Überwachung soll sich nicht auf die breite Masse, sondern auf konkrete Zielpersonen beschränken. Die Behörden müssten viel strenger überwacht werden. Sie wollen veröffentlichen dürfen, wie oft und warum an Behörden Nutzerinformationen weitergereicht werden müssen. Zudem fordern sie einen „freien Fluss von Informationen“ und einen internationalen Rechtsrahmen für Anfragen nach Nutzerdaten.

Ob das Statement etwas bringt, bleibt zweifelhaft, aber überfällig war es allemal.

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