Jüngst hat das Land Niedersachsen angekündigt, „Vorreiter“ bei der Nutzung von Microsoft Teams in der Landesverwaltung zu werden. Warum proprietäre IT jedoch keine Lösung für eine technologiesouveräne Zukunft sein kann, erläutert Dennis-Kenji Kipker.
Für mehr digitale Souveränität braucht es den Willen, den Weg zu mehr Unabhängigkeit in Hardware und Software nicht nur zu propagieren, sondern ihn auch zu gehen.
(Bild: Annika - stock.adobe.com)
Einfache Frage, einfache Antwort: Wie schaffe ich mir einen digital souveränen Arbeitsplatz? Indem ich mich weitestgehend möglich von proprietärer IT und damit aus der Abhängigkeit der Hersteller löse! Nicht nur in Deutschland und der Europäischen Union, sondern weltweit ist die digitale Souveränität ein heißes Thema, das nicht erst seit gestern diskutiert wird, aber dessen Relevanz in den letzten Jahren ganz deutlich zugenommen hat. Verantwortlich dafür ist einerseits die gravierend veränderte globalpolitische Situation, aber auch der Wille von Staaten, Unternehmen und Verbrauchern, die Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und ganz generell die Sicherheit ihrer IT zu stärken. Bislang unverrückbare Richtgrößen in der IT-Beschaffungspolitik wie Skalierbarkeit und Wirtschaftlichkeit allein rücken deshalb zusehends in den Hintergrund. Schlüsselwort vielmehr: Compliance – wie kann ich also sicherstellen, dass ich meine IT nicht nur physisch beschaffe und Lizenzen erwerbe, sondern auch richtlinienkonform betreiben kann?
Vulnerabilität von Lieferketten ist Vulnerabilität der IT-Infrastruktur
Und die Anzahl ebenjener „Richtlinien“, soll heißen: unternehmensinterner Vorgaben, Branchenstandards, Zertifizierungsanforderungen, aber auch von Gesetzen und rechtlichen Regularien, ist in der IT-Landschaft weltweit auf dem Vormarsch. Wo wir einerseits in den 2010ern Staat und Wirtschaft digitalisiert haben, geht es nun in diesem Jahrzehnt darum, die Errungenschaften dieser digitalen Vernetzung vor den hybriden Bedrohungen zu verteidigen. Genau das aber ist leichter gesagt als getan, denn über Jahrzehnte geschaffene technologische und wirtschaftliche Abhängigkeiten wie auch Verflechtungen lassen sich nicht von einem Tag auf den anderen auflösen. Zu lange haben wir uns auf der im Nachhinein falschen Annahme ausgeruht, dass digitale Souveränität nur das Funktionieren (digitaler) Lieferketten bedeutet – wenn wir uns denn darüber überhaupt Gedanken gemacht haben.
Auch die USA und China sind nicht so technologiesouverän, wie es scheint
Gerade in Deutschland und der Europäischen Union nehmen wir oftmals an, dass wir die Einzigen wären, die im globalen Vergleich digital unsouverän sind. Zwar ist diese Annahme nicht falsch, denn sowohl in der Halbleiterversorgung wie auch in der Herstellung von Software ist die EU gegenwärtig nicht in der Lage, sich autark selbst zu versorgen. Nicht umsonst hat die Europäische Union vor Kurzem eine eigene Halbleiterstrategie auf den Weg gebracht, um bis zum Jahr 2030 ebenjene Hardwaresouveränität herzustellen. Aber selbst die „Big Player“ und weltweit gemeinhin als Technologievorreiter wahrgenommenen Staaten sind weit davon entfernt, wirklich technologiesouverän zu sein: So sehen sich die USA einerseits vor der gegenwärtigen Herausforderung, die Halbleiter-Fertigungskapazitäten in den kommenden Jahren deutlich zu erhöhen, um unabhängiger von den Produkten aus der Volksrepublik China zu sein. Andererseits aber ist die Volksrepublik China nach wie vor in ganz erheblichem Maße von US-amerikanischer Software abhängig – und US-Konzerne wie Qualcomm oder Nvidia stellen wichtige Hardware her, die für das globale Wettrennen um die künstliche Intelligenz dringend benötigt wird.
Schleswig-Holstein geht mit gutem Beispiel voran – und rangiert Microsoft aus
Da die Umstellungsprozesse hin zu mehr nationaler digitaler Souveränität folglich von vielen verschiedenen und teils auch nur wenig kontrollierbaren politischen Faktoren abhängig sind, entsteht in der Öffentlichkeit schnell der Eindruck, dass die Entwicklungen stagnieren, es nicht zügig genug vorangeht oder schlimmstenfalls gar nichts passiert – gerade hier in Deutschland. Dass dem aber nicht zwingend so sein muss und man durchaus auch hierzulande bereit ist, neue Wege zu gehen, belegen immer wieder sinnvolle Initiativen nicht nur aus der Privatwirtschaft, sondern auch durch den Staat selbst. So hat Schleswig-Holstein beispielsweise vor Kurzem einen Kabinettsbeschluss zur flächendeckenden Einführung von LibreOffice als quelloffener Open-Source-Software anstelle von Microsoft Office-Produkten gefasst – und nicht nur das: Sogar ein kompletter Umstieg des Verwaltungs-Betriebssystems von Microsoft Windows auf GNU/Linux ist geplant. Die Vorteile liegen auf der Hand: So werden nicht nur die hohen Lizenzkosten eingespart und das Geld besser in die heimische IT-Wirtschaft investiert, sondern auch die Sicherheit kann durch IT-Infrastruktur vor Ort, die selbst aufgebaut wurde, durchaus verbessert werden, indem die sensiblen Daten eben nicht in eine anonyme Cloud ausgelagert werden, bei der man sich allein auf die Beteuerungen des Herstellers verlassen muss, die Daten sicher zu verarbeiten – eine Erwartung, die in der Vergangenheit nur allzu oft schon enttäuscht wurde.
Digitale Souveränität ist Innovation
Was braucht es also für mehr digitale Souveränität? Definitiv kein Schulterzucken oder ein „Wir schaffen es doch sowieso nicht!“, sondern vielmehr den Willen, den Weg zu mehr Unabhängigkeit in Hardware und Software nicht nur zu propagieren, sondern ihn auch zu gehen. Digitale Souveränität ist Innovation, und jede Innovation ist zunächst mit Umstellungen und neuen Aufwänden verbunden – mittelfristig aber ein Gewinn für alle.
Stand: 08.12.2025
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Über den Autor: Dennis-Kenji Kipker ist wissenschaftlicher Direktor des cyberintelligence.institute in Frankfurt am Main und Berater der Bundesregierung und der Europäischen Kommission in Fragen von Cybersicherheit und internationaler IT-Strategie.