Digitale Bezahlsysteme für alle Menschen Barrierefreie und sichere Authen­tifizie­rung im Zahlungsverkehr

Ein Gastbeitrag von Claire Deprez 4 min Lesedauer

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Um Unternehmen und Verbraucher zu schützen, ist Sicherheit im digitalen Zahlungsverkehr essenziell. Doch zunehmend kompliziertere Authen­tifizie­rungs­methoden gegen ausgefeilte Betrugsmaschen erschweren es beson­ders Menschen mit körperlichen und kognitiven Einschränkungen. Dabei gibt es Wege, Sicherheit und Barrierefreiheit im Zahlungsverkehr zu vereinen.

Digitale Bezahlsysteme sind heute alltäglich, stellen aber für Menschen mit Behinderungen oder begrenzten digitalen Kenntnissen eine erhebliche Herausforderung dar.(Bild:  elenabsl - stock.adobe.com)
Digitale Bezahlsysteme sind heute alltäglich, stellen aber für Menschen mit Behinderungen oder begrenzten digitalen Kenntnissen eine erhebliche Herausforderung dar.
(Bild: elenabsl - stock.adobe.com)

Erst langsam wächst in der Gesellschaft das Bewusstsein dafür, dass Barrierefreiheit kein Nischenthema ist. Laut der World Bank Group lebt weltweit über eine Milliarde Menschen mit einer Form von Behinderung, in Deutschland hat fast jeder Vierte eine amtlich anerkannte Schwerbehinderung oder lebt mit einer chronischen Krankheit – insgesamt 9,4 Prozent der Bevölkerung. Das Spektrum reicht dabei von visuellen oder auditiven Beeinträchtigungen bis hin zu körperlichen und kognitiven Einschränkungen. Und in einer alternden Gesellschaft wie der unseren wird die Zahl der Betroffenen weiter steigen. Gerade der digitale Zahlungsverkehr mit seinen komplexen Authentifizierungsmethoden kann für diese Personengruppen eine echte Herausforderung darstellen, die es ihnen schwer bis unmöglich macht, eigenständig am wirtschaftlichen Leben teilzuhaben. Wollen wir als Gesellschaft inklusiver werden, müssen daher auch Unternehmen ihren Teil dazu beitragen.

Barrierefreiheit stärken: Neues Gesetz ab 2025

Das sieht auch der Gesetzgeber so, und hat mit dem Barriere­freiheits­stärkungs­gesetz (BFSG) einen Rahmen für mehr gesellschaftliche Teilhabe geschaffen. Das BFSG markiert einen Wendepunkt für Unternehmen und verpflichtet sie ab Juni 2025 dazu, ihre Angebote barrierefrei zu gestalten. § 3 des BFSG definiert Produkte und Dienstleistungen als barrierefrei, „(…) wenn sie für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind.“ Explizit angesprochen werden dabei unter anderem Bankdienstleistungen und der elektronische Geschäftsverkehr als Bereiche, die einfacher zugänglich werden sollen. Hierfür muss die Ausgestaltung aktueller Authentifizierungsprozesse genauer unter die Lupe genommen werden.

Schwachpunkte bei der Barrierefreiheit

Authentifizierungsmechanismen spielen in digitalen Systemen eine zentrale Rolle für die Sicherheit und Integrität von Nutzerdaten und -transaktionen. Sie schützen vor unbefugtem Zugriff und sorgen dafür, dass Transaktionen nicht durch Betrug oder Identitätsdiebstahl kompromittiert werden. Natürlich nimmt mit der Zahl der digitalen Bezahlvorgänge auch die der Cyberangriffen zu. Und das hat wiederum Einfluss auf die Komplexität der Authentifizierungsprozesse.

Das Problem: Viele der heute verfügbaren Authentifizierungsmethoden weisen in Hinblick auf die Barrierefreiheit Schwachpunkte auf, die sich auf den ersten Blick nur schwer überwinden lassen. Beispielsweise können Captchas für Nutzer mit Sehbehinderungen oder feinmotorischen Einschränkungen eine Barriere darstellen, während die klassische, tastaturgebundene PIN- oder Passworteingabe Personen mit motorischen oder körperlichen Einschränkungen ausschließt. Angesichts dieser Herausforderungen ist es notwendig, die Konzeption von Authentifizierungsprozessen weiterzudenken und noch inklusiver zu gestalten.

Flexible Ausgestaltung der Prozesse

Ein Gamechanger bei der Überwindung von Barrieren kann die flexible Ausgestaltung von Authentifizierungslösungen sein – ohne dabei Kompromisse in Sachen Sicherheit einzugehen. Ein Ansatz ist beispielsweise die Implementierung von adaptiven Authentifizierungssystemen, die je nach Nutzerprofil unterschiedliche Methoden anbieten. So können Unternehmen beispielsweise neben einer Standardvariante die sprachbasierte Authentifizierung für Personen mit visuellen Einschränkungen anbieten, von der auch Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwächen profitieren. Für Nutzer mit kognitiven oder sprachlichen Beeinträchtigungen können wiederum biometrische Authentifizierungen via Fingerabdruck oder die Gesichtserkennung eine große Hilfe sein.

Je mehr Geräte im Einsatz sind, desto komplizierter wird es – das gilt auch für alle Authentifizierungen per Smartphone. Die Alternative: Authentifizierungslösungen über den Browser ohne zusätzliche Geräte (Smartphones oder Hardware-Token), sofern diese dem WCAG-Standard entsprechen und den Endnutzer bei sensiblen PSD2-Transaktionen wie Zahlungen, Online-Banking oder digitaler Identität schützen. Lohnenswert ist auch, über den Einsatz der Dynamischen, Virtuellen Tastatur (DVK) nachzudenken. Durch die Integration einer Vokalisierung in die DVK können beispielsweise sehbehinderte Nutzer sie auch für sichere PIN-Eingaben verwenden.

Auch wenn den Unternehmen heute mehr Optionen für einen barrierefreien Zahlungsverkehr zu Verfügung stehen als noch vor einigen Jahren: Damit das Thema Inklusion wirklich zum Erfolg wird, müssen die Organisationen auch ihre Mitarbeitenden für das Thema sensibilisieren – zum Beispiel durch Schulungen, die Förderung von nutzerorientierten Ansätzen oder durch die Durchführung regelmäßiger Zugänglichkeitstests. Nur so wächst das Bewusstsein für die unterschiedlichen Bedürfnisse der User.

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Fazit: Digitale Bezahlsysteme können und müssen inklusiv sein

Digitale Bezahlsysteme sind heute alltäglich, stellen aber für Menschen mit Behinderungen oder begrenzten digitalen Kenntnissen eine erhebliche Herausforderung dar. Unternehmen müssen daher in Sachen Barrierefreiheit verstärkt aktiv werden. Praktische Lösungen umfassen dabei zum Beispiel Spracherkennung, biometrische Authentifizierung und Dynamische Virtuelle Tastaturen.

Über die Autorin: Claire Deprez ist als Head of Production Management Authentication Services bei Worldline verantwortlich für das Produktmanagement von starken Kunden­authentifi­zierungs- und Sicherheitslösungen wie Access Control Server, Trusted Authentication und Digital Intrusion Protection. Mit 10 Jahren Erfahrung in der internationalen Geschäfts­entwicklung und in Ausschreibungen hat sie ein ausgeprägtes Verständnis für Kunden- und Marktbedürfnisse entwickelt, mit besonderem Schwerpunkt auf Sicherheit, Zahlungen und Identität.

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