IT-Security & Rufbereitschaft So wichtig ist faire Entlohnung in der IT-Rufbereitschaft

Ein Gastbeitrag von Birol Yildiz 3 min Lesedauer

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Ob Rufbereitschaft oder Bereitschaftsdienst – IT-Teams sichern den Geschäftsbetrieb von Unternehmen oft rund um die Uhr. Welche Entlohnungsmodelle gibt es für diese anspruchsvollen Jobs, was zahlen Unternehmen von Amazon bis Zalando, und wie bleiben IT-Mitarbeitende leistungsfähig? Experten geben Einblicke, konkrete Praxisbeispiele und Empfehlungen für faire Lösungen.

Rufbereitschaft sollte für Unternehmen nicht nur organisatorische Pflicht, sondern ein wesentlicher Teil des Personalmanagements sein. Transparente Regelungen, faire Vergütung und moderne Technologien sorgen für reibungslose Abläufe und zeigen Wertschätzung gegenüber den IT-Experten.(Bild:  ihorvsn - stock.adobe.com)
Rufbereitschaft sollte für Unternehmen nicht nur organisatorische Pflicht, sondern ein wesentlicher Teil des Personalmanagements sein. Transparente Regelungen, faire Vergütung und moderne Technologien sorgen für reibungslose Abläufe und zeigen Wertschätzung gegenüber den IT-Experten.
(Bild: ihorvsn - stock.adobe.com)

Ob rote Lampe, Error 404 oder piepende Geräusche – Fehlermeldungen gehören in fast allen Unternehmen zur Tagesordnung. Denn je digitaler und komplexer die Technologien hinter angebotenen Produkten und Dienstleistungen werden, desto anfälliger für Störungen sind sie auch. IT-Teams spielen somit eine entscheidende Rolle in Organisationen, insbesondere wenn es um die Gewährleistung von Systemverfügbarkeit und den schnellen Umgang mit Ausfällen geht. Rufbereitschaft gehört aus diesem Grund für viele IT-Experten und -Expertinnen zum anstrengenden Alltag. Aber wie sieht eine faire Entschädigung für diese Arbeitsbelastung und ständige Erreichbarkeit aus? Die Antwort darauf bleibt komplex, da einheitliche gesetzliche Vorgaben fehlen.

Rufbereitschaft vs. Bereitschaftsdienst: Der Unterschied liegt im Detail

Rufbereitschaft bedeutet, dass Beschäftigte außerhalb ihrer regulären Arbeitszeit jederzeit telefonisch für eventuelle Einsätze erreichbar sein müssen. Dies gilt, folgerichtig, auch für zu Hause oder unterwegs. Dementsprechend müssen die technischen Voraussetzungen dafür gegeben sein. Dabei ist zu beachten, dass diese Zeiten rechtlich als Ruhezeit gelten – es sei denn, es findet in dieser Zeit ein konkreter Einsatz statt. In diesem Fall gilt die tatsächlich geleistete Arbeit als Arbeitszeit. Die Unternehmen sind daher aufgefordert, diese Regelungen in ihrer Entgeltpolitik entsprechend umzusetzen.

Von Bereitschaftsdienst ist hingegen die Rede, wenn es erforderlich ist, dass die Arbeitnehmer tatsächlich im Betrieb anwesend sind. Dies ist zum Beispiel notwendig, wenn Serversysteme überwacht oder betreut werden müssen. Dieser Aspekt ist relevant, wenn beispielsweise strenge Service Level Agreements einzuhalten sind.

Pauschale Sondervergütung vs. reguläre Arbeitszeit: Ein Vergleich

Für die Entlohnung von Bereitschaftsdiensten stehen den Unternehmen unterschiedliche Vergütungsmodelle zur Verfügung. Während einige Arbeitgeber eine pauschale Entlohnung vorsehen, betrachten andere die Rufbereitschaft als Teil der regulären Arbeitszeit. Beispiele aus der Praxis zeigen die Bandbreite:

  • IT-Teams bei Zalando und Hello Fresh erhalten 1.000 bis 1.050 Euro pro Woche für die Rufbereitschaft.
  • Amazon honoriert seine Mitarbeitenden mit rund 800 Euro pro Woche, während Paypal oder Klarna nur rund 330 - 500 Euro pro Woche zahlen.

Für etablierte Unternehmen empfiehlt sich eine Auswertung und Berechnung der vergangenen Monate und Jahre, um einen Durchschnittswert für die Anzahl und Dauer der Sondereinsätze außerhalb der regulären Arbeitszeit zu ermitteln und auf dieser Basis eine Pauschale festzulegen. Diese Regelung schont die Ressourcen, erspart die minutengenaue Erfassung der Einsätze und ist tendenziell günstiger als die Vergütung nach Zeitaufwand. Zudem lassen sich so die Einteilung im Team und die Einhaltung der gesetzlichen Ruhezeiten besser wahren und sowohl der Einsatz als auch die Bezahlung werden für die Kollegen planbar. Die Entlohnung als Arbeitszeit ist ohnehin nur dann möglich, wenn die Mitarbeitenden in dieser Zeit auch tatsächlich arbeiten, z.B. im Homeoffice.

Empfehlungen der deutschen Gewerkschaften

Die Gewerkschaft ver.di empfiehlt klare Richtlinien für Rufbereitschaft:

  • Zeitliche Begrenzung: Maximal 56 Tage Rufbereitschaft im Jahr.
  • Ruhezeiten: Gewährung einer ununterbrochenen Ruhezeit von 8 Stunden.
  • Vergütungsmodell: Eine Pauschale von 245 Euro pro Woche, zusätzlich zu einer Vergütung für geleistete Einsätze.

Alternativ oder zusätzlich zur Pauschalvergütung ist auch ein Freizeitausgleich möglich. Darüber hinaus ist die Implementierung klarer Prozesse essenziell, um die Belastung der IT-Teams zu minimieren und gleichzeitig die Kontinuität des Betriebs zu gewährleisten.

Weitere Voraussetzungen für motivierte und leistungsfähige Mitarbeitende

Neben einer fairen Entlohnung spielen technische und organisatorische Maßnahmen eine zentrale Rolle, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit herzustellen. Mit den richtigen Tools wie eingespielten Prozessen in den IT-Teams und insbesondere im Incident Management System, können Unternehmen ihren Bereitschaftsdienst effizient und transparent gestalten. Automatisierte Benachrichtigungen, festgelegte Eskalationsprozesse und klar definierte Rotationspläne reduzieren Stress und beugen einer Überlastung der Belegschaft vor. So steigen nicht nur die Mitarbeiterzufriedenheit, sondern auch die Effektivität des IT-Teams und der Anreiz, Bereitschaftsdienste zu übernehmen bzw. rufbereit zu sein.

Zukunftsfähige Lösungen für eine faire Rufbereitschaft

Unternehmen sind gut beraten, Rufbereitschaft nicht nur als organisatorische Notwendigkeit zu betrachten, sondern auch als einen wichtigen Aspekt des Personalmanagements. Transparente Regelungen, faire Vergütung und der Einsatz moderner Technologien schaffen nicht nur einen reibungslosen Ablauf, sondern unterstreichen auch die Wertschätzung gegenüber den IT-Experten. Schließlich sind sie es, die Prozesse am Laufen halten und auftretende Probleme schnellstmöglich beheben. Als elementarer Pfeiler in jedem funktionierenden Betriebsauflauf sollten sie entsprechend honoriert werden.

Über den Autor: Birol Yildiz ist CEO des Incident-Management-Anbieters ilert.

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