Deloitte-Studie zeigt Skepsis bezüglich Regulierung auf „EU AI Act“ könnte KI-Entwicklung behindern

Von Martin Hensel 3 min Lesedauer

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Eine aktuelle Studie von Deloitte zeigt, dass unter Unternehmen große Skepsis bezüglich der KI-Regulierung mithilfe des „EU AI Act“ herrscht. Nur ein Teil der Firmen ist darauf vorbereitet. Mehr als die Hälfte sieht Innovationsmöglichkeiten durch die Regulierung eingeschränkt.

Der seit August gültige EU AI Act kann laut einer aktuellen Deloitte-Umfrage nur wenige Unternehmen begeistern.(Bild:  herbinisaac /  Pixabay)
Der seit August gültige EU AI Act kann laut einer aktuellen Deloitte-Umfrage nur wenige Unternehmen begeistern.
(Bild: herbinisaac / Pixabay)

Deloitte hat die Meinungs- und Marktforscher von Civey damit beauftragt, 500 privatwirtschaftliche Entscheider zum „EU AI Act“ zu befragen. Das Regelwerk ist seit Anfang August offiziell in Kraft und muss nun in den EU-Mitgliedsstaaten umgesetzt werden. Die Ergebnisse der Befragungen zeigen vor allem eine deutliche Verunsicherung: Viele Unternehmen sind sich der Auswirkungen der Verordnung nicht bewusst und haben keine klare Vorstellung, wie sie damit umgehen sollen. Die Skepsis überwiegt, nur eine Minderheit der Befragten hat sich bereits intensiv mit der neuen Gesetzeslage auseinandergesetzt. Für die verpflichtende Umsetzung der Vorgaben bleibt den Firmen noch rund zwei Jahre Zeit – danach drohen erhebliche Strafen.

„Zögern in der Auseinandersetzung mit dem „EU AI Act“ ist gefährlich“, warnt Dr. Till Contzen, Partner im Tax- und Legal-Bereich von Deloitte. Die Umsetzung der Anforderungen werde je nach Umfang der KI-Nutzung in einem Unternehmen einen erheblichen Aufwand mit sich bringen – zumal viele Organisationen nicht einmal wüssten, wie viel KI sie genau nutzen. Laut Contzen drohe eine Situation vergleichbar mit der Umsetzung der DSGVO. Damals standen viele Unternehmen vor einer riesigen Aufgabe, da sie die zwei Jahre Übergangsfrist kaum genutzt hatten.

Weitverbreitete Skepsis

Die Umfrage zeigt allgemein große Skepsis gegenüber dem neuen Regelwerk. 39 Prozent der Befragten versprechen sich davon mehr Rechtssicherheit im Umgang mit KI – allerdings verneinen dies 35 Prozent, weitere 25 Prozent sehen keinen großen Unterschied. Ähnlich sieht es bei der Frage aus, ob der „AI Act“ zu mehr oder weniger Vertrauen in KI führen wird: Ein gutes Drittel (34,9 Prozent) glaubt an einen positiven Effekt, aber fast genauso viele Teilnehmer (30,8 Prozent) sehen das nicht. Zudem schätzt knapp die Hälfte der Teilnehmer (47,4 Prozent) den „AI Act“ eher als Hindernis bei der Entwicklung und Einführung KI-basierter Anwendungen ein. Nur ein knappes Viertel (24,1 Prozent) ist überzeugt, dass die neuen Gesetze hier hilfreich sind.

Obwohl der „AI Act“ bereits in Kraft ist, haben sich knapp die Hälfte (48,6 Prozent) der Unternehmen noch nicht intensiv auf die Umsetzung vorbereitet. Nur 35,7 Prozent sehen sich gut vorbereitet, knapp ein Fünftel (19,4 Prozent) der Teilnehmer gibt eine eher schlechte Vorbereitung zu. Dementsprechend fürchtet über die Hälfte (52,3 Prozent) eine Einschränkung ihrer Innovationsmöglichkeiten durch die Regulierung. Nur 18,5 Prozent glauben, dass die Verordnung in Sachen Innovation positive Folgen haben wird.

Hohe Erwartungshaltung, aber Furcht vor negativen Effekten

„Die teils wohl bewusst unklaren Regelungen des AI Act machen eine Auslegung tatsächlich nicht immer leicht“, erklärt Contzen. Dies sei allerdings ein Fortschritt gegenüber den Schwierigkeiten eines unregulierten Zustandes, in dem die Grenzen nur erahnt werden können und die Unternehmen und die Industrie auf sich allein gestellt sind.

Zudem treffe eine hohe Erwartungshaltung der Bevölkerung an die Vorteile der KI-Nutzung auf große Sorge vor negativen Effekten, ergänzt Dr. Sarah Becker, die das Thema Digital Ethics bei Deloitte betreut. „Durch eine angemessene Regulierung kann zwar Vertrauen hergestellt werden, gleichzeitig besteht die Gefahr, die Innovationskraft zu schwächen“, so die Expertin. Die Grenzen der Regulierung würden sich aufgrund der vielen auslegungsbedürftigen Regelungen erst noch zeigen müssen. Grundsätzlich jedoch wirke eine Regulierung allein durch das Setzen eines Rahmens erst einmal vertrauensbildend. „Insofern führt an einer Berücksichtigung ethischer und juristischer Konsequenzen bei KI-Innovation kein Weg vorbei“, meint Becker.

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