Continental hat es schon getroffen, die Hörgerätekette Kind auch: Hackerangriffe werden immer mehr zu Bedrohung. Europas Industrie ist hier einer Studie zufolge nicht ausreichend gewappnet.
Grund für das schlechte Abschneiden vieler Industriebetriebe sei vor allem die Langlebigkeit vieler Produktionsanlagen; da laufe als Betriebssystem zum Teil noch Windows 95 oder 98, sagt Christian Korff von Cisco.
(Bild: Gorodenkoff - stock.adobe.com)
Die Industriebetriebe in Europa sind einer Studie zufolge nur unzureichend auf Hackerangriffe vorbereitet. Nur 2 Prozent der Unternehmen seien hier bestmöglich aufgestellt, bei 17 Prozent könne man immerhin von einem guten Schutz sprechen, heißt es in einer Studie des Netzwerk-Ausrüsters Cisco. Bei mehr als 80 Prozent der Firmen bestehe dagegen Handlungsbedarf.
Im Vergleich mit anderen Branchen liege die Industrie hier nur im unteren Mittelfeld. Die besten Werte ermittelte Cisco für Technologie-Anbieter, wo immerhin 28 Prozent gut oder sehr gut vorbereitet seien, gefolgt von der Finanzbranche mit 23 Prozent. Auch im weltweiten Vergleich schneide Europas Industrie schlecht ab. In den USA seien 29 Prozent der Industriebetriebe gut oder sehr gut gegen Cyberattacken gerüstet, 10 Prozentpunkte mehr als in Europa. Am schlechtesten schnitten in Europa Bildungseinrichtungen und das Gesundheitswesen ab.
„Das sind erschreckende Daten“, sagte Christian Korff, Mitglied der Geschäftsführung bei Cisco in Deutschland, der Deutschen Presse-Agentur. „Die europäische Industrie hat hier eindeutig Nachholbedarf, denn sie ist an vielen Stellen leicht verwundbar.“ Das könne zur ernsten Gefahr für den Standort werden. „Eine ausreichend gute Cyberabwehr kann heute über das Fortbestehen von Unternehmen entscheiden“, so der Manager, der auch Leiter der Bundesfachkommission „Künstliche Intelligenz und Wertschöpfung 4.0“ im Wirtschaftsrat der CDU ist.
Eigenwahrnehmung oft besser als die Realität
Für die Untersuchung hatte Cisco im Januar und Februar weltweit mehr als 8000 Führungskräfte aus Unternehmen befragt, davon knapp 2000 in Europa. 214 kamen aus der Industrie. Dabei habe sich auch gezeigt, dass sich die eigene Wahrnehmung der Unternehmen oft nicht mit der realen Gefahr decke. Fast 80 Prozent der befragten Manager in Europa hätten erklärt, sie seien zuversichtlich, im Kampf gegen Cyberattacken bestehen zu können. Zugleich rechneten 72 Prozent damit, dass es bei Ihnen in den nächsten ein bis zwei Jahren zu einer Unterbrechung des Betriebs wegen einer Cyberattacke kommen werde. „Das ist schon beeindruckend“, merkte Korff an. „Die Unternehmen fühlen sich relativ sicher, obwohl sie relativ schlecht vorbereitet sind.“
Vorfälle wie an der Uni Gießen, die nach einem Hackerangriff Ende 2020 monatelang offline war, zeigten, welche Gefahren drohten. „Wenn uns das im Herstellungsbereich passiert, dann brauchen wir uns um globale Lieferketten keine Gedanken zu machen. Dann steht hier die Produktion“, warnte Korff. Auch der Zulieferer Continental war im vergangenen Jahr Opfer einer Cyberattacke geworden, bei der Daten abgegriffen wurden. Beim Hörgerätehersteller Kind lag im Februar die zentrale Konzern-IT für mehrere Tage lahm, nachdem Hacker in das System eingedrungen waren.
Maschinen laufen oft noch auf Windows 95
Grund für das schlechte Abschneiden vieler Industriebetriebe sei vor allem die Langlebigkeit vieler Produktionsanlagen, sagte Korff. „Herstellungsprozesse werden ja schon seit 30 Jahren elektronisch unterstützt. Da läuft als Betriebssystem zum Teil noch Windows 95 oder 98. Die sind natürlich nicht auf dem Stand der Technologie.“ Und sie seien auch nur schwer nachzurüsten. „Die alten Betriebssysteme und die vorhandenen Maschinen machen es extrem schwer, hier Sicherheitstechnologie einzubauen.“
Etwas besser sehe es beim Thema Künstliche Intelligenz (KI) aus. 34 Prozent der Industrie seien hier gut oder sehr gut aufgestellt. Wirklich zufrieden könne man damit aber nicht sein, sagte Korff. Zwar hätten 64 Prozent der Betriebe eine KI-Strategie, doch nur 34 Prozent hätten auch die technische Infrastruktur, um KI wirklich einsetzen zu können. „Und wenn ich sehe, dass ein Drittel der Industrie-Unternehmen noch keine KI-Strategie haben, dann wird mir angst und bange“, fügte Korff hinzu. Schließlich gehe es hier um die wohl wichtigste Schlüsseltechnologie der Zukunft.
„Die Fertigungsindustrie muss aufpassen, dass sie die beiden technologischen Megatrends Cybersicherheit und KI nicht verschläft – das gilt für Europa und Deutschland“, warnte Korff. Sonst sei die Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr. „Das ist existenziell für die deutsche und europäische Wirtschaft. Wenn wir nicht in der Lage sind, KI zu nutzen, uns aber gleichzeitig auch vor KI-Angriffen zu schützen, dann werden wir die nächste Dekade nicht überstehen.“
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.