Unternehmen rüsten sich für Post-Quantum-Kryptografie Fortschritte im Quanten­rech­nen rücken PQC auf die Agenda

Von Paula Breukel 2 min Lesedauer

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Quantencomputer könnten schon bald heutige Verschlüsselungssysteme aushebeln. Eine neue Capgemini-Studie zeigt: Viele Unternehmen bereiten sich vor, doch ein Drittel verkennt weiterhin das Risiko.

Quantencomputer spielen eine wichtiger werdende Rolle. Doch Unternehmen müssen sich auf die damit einhergehenden Risiken vorbereiten.(Bild:  Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)
Quantencomputer spielen eine wichtiger werdende Rolle. Doch Unternehmen müssen sich auf die damit einhergehenden Risiken vorbereiten.
(Bild: Midjourney / Paula Breukel / KI-generiert)

Quantencomputer entwickeln sich rasant weiter. Das ist auch mit Risiken für die heutige IT-Sicherheit verbunden. Denn viele der aktuell eingesetzten kryptografischen Verfahren wie Rivest–Shamir–Adleman (RSA) oder elliptische Kurven (ECC) könnten bald nicht mehr vor Angriffen schützen. Besonders problematisch: Angreifer speichern schon jetzt verschlüsselte Daten mit dem Ziel, sie künftig mittels Quantencomputern zu entschlüsseln. Dieses Szenario wird als „Harvest-now, Decrypt-later“ bezeichnet.

Laut der neuen Studie „Future encrypted“ des Capgemini Research Institute sehen sich 65 Prozent der Unternehmen durch diese Bedrohung unter Druck gesetzt. 70 Prozent arbeiten bereits an quantensicheren Lösungen oder planen deren Einführung innerhalb der nächsten fünf Jahre.

Dabei rechnen 61 Prozent der „Early Adopters“ mit einem Eintreten des sogenannten „Q-Day“, also dem Zeitpunkt, an dem Quantencomputer kryptografische Standards brechen können. Experten gehen davon aus, dass dieser Zeitpunkt innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre eintreten wird.

Post-Quantum-Kryptografie wird zum strategischen Thema

Die Studie hebt Post-Quantum-Kryptografie (PQC) als zentralen Baustein für die digitale Resilienz der kommenden Jahre hervor. PQC bezeichnet Verschlüsselungsverfahren, die gegen Angriffe von Quantencomputern resistent sind. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen stuft die frühe Einführung entsprechender Technologien als strategischen Vorteil ein. 70 Prozent gehen davon aus, dass für die langfristige Datenintegrität und Wettbewerbsfähigkeit ein Umstieg unabdinglich sei.

Der regulatorische Druck steigt ebenfalls. Die US-Behörden National Institute of Standards and Technology (NIST) und National Security Agency (NSA) sowie die EU-Kommission fordern bereits den schrittweisen Umstieg auf quantensichere Verfahren bis spätestens 2035. Für sicherheitskritische Infrastrukturen sollten quantensichere Verfahren deutlich früher zum Einsatz kommen.

Einige Anbieter integrieren bereits erste PQC-Verfahren in ihre Systeme, wie Microsoft, Apple oder Cloudflare. Auch Standardbibliotheken wie OpenSSL unterstützen mittlerweile hybride Verfahren, die klassische und PQC-Algorithmen kombinieren.

Zwischen strategischem Vorsprung und schleppender Umsetzung

Trotz wachsender Aufmerksamkeit handelt nur ein Teil der Unternehmen konsequent. Der Studie zufolge zählen lediglich 15 Prozent der Early Adopters zu den so genannten „Quantum-safe Champions“. Diese zeichnen sich durch eine ganzheitliche Strategie, zentralisierte Kryptografie-Inventare, klare Migrationspläne und umfassende Schulungsprogramme aus. Doch nur 13 Prozent der Befragten führt bereits aktive PQC-Tests durch, weitere 45 Prozent befinden sich in der Konzept- oder Pilotphase.

Als zentrale Herausforderungen nennt Capgemini fehlende Budgets, mangelnde Awareness im C-Level, begrenzte technische Ressourcen und die Unsicherheit über regulatorische Details. Gut die Hälfte der Unternehmen berichten von fehlender Unterstützung durch die Geschäftsführung, 63 Prozent über fehlende Schulungsangebote. Zudem verfügt nur gut ein Drittel über eine vollständige Übersicht ihrer kryptografischen Assets. Doch laut Capgemini sei dies notwendig für eine geordnete Migration.

Crypto-Agility als Voraussetzung für digitale Resilienz

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die Bedeutung von 'Crypto-Agility'. Hierbei handelt es sich um die Fähigkeit, kryptografische Verfahren flexibel auszutauschen. Nur 23 Prozent der Unternehmen verfügen derzeit über IT-Infrastrukturen, die schnelle Umstellungen technisch unterstützen. Auch bei der Frage, wie man auf Schwachstellen in gängigen Bibliotheken reagieren kann, zeigt sich Nachholbedarf: Nur 40 Prozent sehen sich hier ausreichend vorbereitet.

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