So schützen Unternehmen digitales Vertrauen vor Deepfake-Angriffen Deepfake-Risiken gezielt bekämpfen

Ein Gastbeitrag von Chris Dimitriades 4 min Lesedauer

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Deepfakes bedrohen Unternehmen durch täuschend echte Manipulationen von Führungskräften und Markenbotschaften. Trotz technologischer Lösungen bleibt menschliche Kompetenz entscheidend; Unternehmen benötigen umfassende Reaktionsstrategien und geschultes Personal, um Imageschäden zu verhindern und digitales Vertrauen langfristig zu sichern.

Deepfakes sind nicht nur ein weiterer Trend, sie offenbaren Schwachstellen nicht nur in Systemen, sondern auch in Vertrauensmodellen und Kommunikationstaktiken.(Bild: ©  terovesalainen - stock.adobe.com)
Deepfakes sind nicht nur ein weiterer Trend, sie offenbaren Schwachstellen nicht nur in Systemen, sondern auch in Vertrauensmodellen und Kommunikationstaktiken.
(Bild: © terovesalainen - stock.adobe.com)

In der heutigen digitalen Wirtschaft ist Vertrauen eine Währung. Dieses Vertrauen wird jedoch zunehmend durch eine der raffiniertesten Formen digitaler Täuschung bedroht: Deepfakes. Die künstlich erzeugten Täuschungen verwischen die Grenze zwischen dem, was real ist, und dem, was nicht, und gefährden damit nicht nur unsere Wahrnehmung der Wahrheit, sondern auch die Grundlagen der Cybersicherheit und Markenintegrität.

Wenn Unternehmen versuchen, digitales Vertrauen aufzubauen, müssen sie sich mit dem zweischneidigen Schwert der Deepfakes auseinandersetzen: technologische Wunderwerke auf der einen Seite, mächtige Manipulationswerkzeuge auf der anderen. Die Folgen bekommen Unternehmen bereits zu spüren - gefälschte Videos von Managern, die falsche Anordnungen geben, manipulierte Werbebotschaften, angebliche Kundendienstmitarbeitende, die Ver­brau­cher täuschen. Die finanziellen Kosten und der Imageschaden können katastrophal sein.

Aufmerksamkeit ist nicht optional

Der erste Schritt im Kampf gegen Deepfakes besteht darin, die Bedrohung zu erkennen, die sie darstellen. Die ISACA-Studie „State of Digital Trust“ hat wiederholt gezeigt, dass eine Lücke klafft zwischen der Aussage von Unternehmen, dass digitales Vertrauen wichtig ist, und der Frage, wie gut sie auf neue Bedrohungen vorbereitet sind. Diese Diskrepanz ist besonders besorgniserregend, wenn es um sich schnell entwickelnde Bedrohungen wie Deepfakes geht.

Obwohl 82 Prozent der europäischen Geschäfts- und IT-Fachleute glauben, dass digitales Vertrauen in den nächsten fünf Jahren an Bedeutung gewinnen wird, geben fast drei Viertel an, dass ihre Unternehmen keine Schulungen zu diesem Thema anbieten. Dies ist angesichts von Bedrohungen wie Deepfakes besonders besorgniserregend. Es muss ein breites, abteilungs- und funktionsübergreifendes Bewusstsein geschaffen werden, das in die tägliche Entscheidungsfindung einfließt.

Technologie ist Teil der Lösung - nicht die ganze Lösung

Das Erkennen von Deepfakes durch künstliche Intelligenz entwickelt sich in Echtzeit weiter. Die Technologie ist in der Lage, Anomalien bei Mikrobewegungen im Gesicht, Lippen­syn­chro­ni­sa­ti­on oder gefälschtem Lichtverhalten zu erkennen. Doch so leistungsfähig diese Werkzeuge auch sein mögen, sie können nicht allein funktionieren. Echte Verteidigung erfordert eine mensch­liche Lösung - ausgebildete Spezialisten, die in der Lage sind, Anzeichen zu erkennen, Alarm auszulösen und entsprechend zu reagieren.

Die Rolle der Cybersicherheitsexperten, insbesondere derjenigen, die in Gemeinschaften wie ISACA eingebettet sind, wird hier entscheidend. Gemeinsames Wissen, Standards und Rahmen­bedingungen geben Organisationen die Werkzeuge an die Hand, die sie benötigen, um den sich entwickelnden Bedrohungen einen Schritt voraus zu sein. Das digitale Vertrauens-Ökosystem gedeiht, wenn Fachleute miteinander vernetzt, geschult und an bewährten Verfahren aus­ge­rich­tet sind. Um eine langfristige Resilienz aufzubauen, muss das Erkennen mit Governance, Kommunikation und gemeinsamer Verantwortung einhergehen.

Resilienz beginnt mit einem Plan

Einen Deepfake zu entdecken, ist nur die halbe Miete. Unternehmen müssen über einen organisierten Reaktionsplan verfügen: wer wird wie benachrichtigt, welche Beweise werden aufbewahrt und wie wird die Kommunikation gehandhabt. Die Schnelligkeit und Transparenz der Reaktion kann über den Erhalt des Vertrauens entscheiden.

Es ist ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich, bei dem die Technologie zwar eine wichtige Rolle spielt, aber nicht die einzige Lösung darstellt. Digitales Vertrauen hängt von den Anstrengungen des Einzelnen ab: Er muss befähigt, informiert und wachsam sein. Die Unternehmen müssen die technische Erkennung mit einer Kultur des Bewusstseins und der Zusammenarbeit auf allen Ebenen des Unternehmens verbinden.

Zusammenarbeit ist der Eckpfeiler der Verteidigung

Cybersicherheit geht alle an, insbesondere im Zusammenhang mit fortgeschrittenen Angriffen wie Deepfakes. Die Entwicklung der Widerstandsfähigkeit in ganz Europa hängt von der konzertierten Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Industrie und Berufsverbänden ab. Kein Sektor kann das Risiko allein eindämmen.

Die Initiativen in Europa nehmen an Fahrt auf. ISACA arbeitet beispielsweise eng mit der Europäischen Kommission und nationalen Behörden auf Länderebene zusammen, um zur Entwicklung neuer Strategien beizutragen, Qualifikationslücken zu schließen und Spitzenleistungen im Bereich der Cybersicherheit zu fördern. Die Harmonisierung von Vorschriften und Gesetzesreformen durch die Förderung der Einführung geeigneter Rahmenwerke, Schulungsprogramme und Governance-Modelle durch Unternehmen ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung.

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Gesetzgebungsinitiativen wie das KI-Gesetz der EU sind ein wichtiger Teil dieser neuen Vision. Durch das Festlegen von Leitplanken für die Schaffung und Nutzung von KI zielt das Gesetz darauf ab, die Risiken des Missbrauchs von KI - insbesondere die Verbreitung von Deepfakes und synthetischen Medien - zu verringern. Regulierung ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Die Unternehmen müssen diese Initiativen durch erfolgreiche Corporate Governance, Kontrollen auf Unternehmensebene und einen Talentpool ergänzen, der in der Lage ist, die Kontrollen erfolgreich umzusetzen.

Diese Partnerschaften beginnen, die Prioritäten von Regulierungsbehörden, Unternehmen und Fachkreisen aufeinander abzustimmen - und schaffen so eine einheitlichere und strategischere Front gegen Desinformation, Manipulation und andere aufkommende digitale Bedrohungen. Ein gemeinsames Ökosystem des Vertrauens ist nicht nur möglich, sondern unerlässlich.

Vertrauensbildung im Zeitalter der Täuschung

Deepfakes sind nicht nur ein weiterer Trend - sie sind ein Lackmustest dafür, wie ernst wir es mit dem digitalen Vertrauen nehmen. Sie offenbaren Schwachstellen nicht nur in Systemen, sondern auch in Vertrauensmodellen, Kommunikationstaktiken und der Bereitschaft von Mitarbeitenden. Und in einer Wirtschaft, in der 64 Prozent der Berufstätigen Reputations­schäden als unmittelbare Folge von mangelndem Vertrauen in die digitale Welt ansehen, stand noch nie so viel auf dem Spiel.

Durch Sensibilisierung, Investitionen in Erkennungsfähigkeiten, die Förderung von Ethik in der KI und den Aufbau von geschulten, flexiblen Talenten können sich Unternehmen nicht nur vor Deepfakes schützen - sie können auch in Sachen Vertrauen führend werden.

In einer Welt, in der das Sehen keine Garantie mehr für die Wirklichkeit ist, muss Vertrauen auf mehr als nur auf den eigenen Augen beruhen. Es muss auf einer Strategie, auf Solidarität und auf einer Vision fußen.

Über den Autor: Chris Dimitriadis ist Chief Global Strategy Officer der ISACA.

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