Aktuelle Anforderungen an die Betriebssicherheit im Rechenzentrum Interview zu Green IT, Virtualisierung und Datacenter-Security

Autor / Redakteur: Achim B.C. Karpf / Stephan Augsten

Umwelteinflüsse und Stromschwankungen, Sabotage und Diebstahl, Malware- und Hacker-Angriffe: Die Bedrohungsszenarien für das Rechenzentrum sind vielfältig. Außerdem muss sich der Administrator aktuell mit den Themen Virtualisierung und „Green IT“ befassen. Security-Insider sprach mit Achim Weiss, Vorstand Technik und Entwicklung bei der 1&1 Internet AG, über die aktuellen Herausforderungen beim Betrieb eines Rechenzentrums.

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Achim B. C. Karpf: Energiekosten werden zum unternehmenskritischen Faktor. Wie reagieren Sie auf diese Herausforderung?

Achim Weiss: Das Thema Energiekosten spielt für 1&1 eine große Rolle – die Stromrechnung ist natürlich der größte Posten beim Betrieb unserer Rechenzentren. Deshalb ist es unser ureigenes Interesse, möglichst effiziente Systeme einzusetzen. Beim Aufbau neuer Rechenzentren – wir betreiben mehrere Standorte in Deutschland und seit Anfang dieses Jahres auch unser erstes eigenes Datacenter in den USA – können wir daher auf langjährige Erfahrungen zurückgreifen.

Sind Virtualisierung und Konsolidierung geeignete Maßnahmen, um die Energieeffizienz zu steigern?

In unserem Fall lautet die Antwort: ja und nein. Mit dem Shared Webhosting basiert ein Großteil unseres Geschäftsmodells auf der Virtualisierung. Das heißt, viele Kunden teilen sich den Speicherplatz auf einem Webserver.

Gleichzeitig gibt es aber seit 2000 vermehrt die Nachfrage nach dedizierten Servern – das heißt, ein Unternehmen oder ein Privatkunde nutzt einen Rechner ausschließlich für sich, weil er zum Beispiel eine spezielle Anwendung installieren möchte. Hier bieten wir seit letztem Jahr aber mit den virtuellen Servern ebenfalls eine Alternative – eine kleine Zahl von Kunden teilt sich einen Rechner, kann aber in einer virtuellen Umgebung auf alle Funktionen zugreifen.

Für uns spielt eine „klassische“ Konsolidierung, also Zusammenfassung von Systemen, keine große Rolle – auch in Zukunft werden wir virtuelle und dedizierte Systeme nebeneinander betreiben. Wir achten aber selbstverständlich beim Bau jedes neuen Rechenzentrums darauf, dass die Versorgungssysteme skalierbar sind.

Wird in Zukunft ein intelligentes Strommanagement abhängig von Lastzeiten von Servern und IT-Equipment eingesetzt?

Dieses Thema ist vermutlich für „klassische“ Dienstleistungs-Rechenzentren spannender. Im Internet-Business, in dem wir uns bewegen, müssen unsere Dienste und damit unsere IT-Infrastruktur rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Natürlich gehen in den Nachtstunden die Zugriffe auf unsere Server zurück, aber ein Webhosting-Kunde erwartet, dass sein Internetauftritt und seine E-Mails auch um drei Uhr morgens verfügbar sind.

Allerdings schwankt die Energieaufnahme unserer Server im Tagesverlauf um ca. fünf Prozent. Die lastschwächeren Stunden in der Nacht nutzen wir dabei verstärkt für Systemprozesse wie z.B. Backups. Eine Reduktion der „eingeschalteten“ Server macht für uns absehbar keinen Sinn.

Welche Sicherheitsanforderungen im Rechenzentrum sind für Sie derzeit die wichtigsten?

Als weltweit größter Webhoster sind für uns sowohl Betriebs- wie auch Datensicherheit absolut essentiell. Das geht los mit der Zugangskontrolle und -Überwachung, und selbstverständlich sind alle Systeme von der Stromversorgung über die Klimatisierung bis zu den Daten- und Telekommunikationsleitungen redundant ausgelegt.

Wir haben die Redundanz übrigens bis auf die Geräteebene ausgedehnt – bei kritischen Komponenten kommen grundsätzlich Geräte von verschiedenen Herstellern zum Einsatz. Bei der Datensicherheit geht es natürlich zum einen darum, dass jeder Kunde auch wirklich nur seine eigenen Daten sieht, zum anderen aber auch, dass er vor Hacker- oder sonstigen Angriffen geschützt wird.

In welchen Sicherheitsbereichen sehen Sie noch Defizite?

Defizite gibt es derzeit noch bei der verfügbaren Software zu Haltung von örtlich weit entfernten Live-Server-Kopien. Hier bereiten die durch die Entfernung nicht zu vermeidenden Latenzen im Netzwerk technische Schwierigkeiten, die wir aber im Laufe dieses Jahres lösen wollen.

Ein anderes Problem ist die regionale Zuverlässigkeit der Energieversorger. Die Ereignisse der letzten Jahre lassen vermuten, dass lang anhaltende regionale Stromausfälle in die Verfügbarkeitsüberlegungen mit einbezogen werden müssen.

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