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Was steckt hinter der Warnung

Das nährt die Vermutung, dass es sich um den offiziellen Rückzug des unbekannten Entwicklerteams handelt. Dieser Meinung ist inzwischen auch Matthew Green, ein Forscher der Johns Hopkins Universität, der im Oktober letzten Jahres das Crowdfunding des TrueCrypt-Audits mit initiiert hatte.
„Ich glaube“, sagte Green in einem Telefongespräch mit Sicherheitsforscher Brian Krebs „[...] die TrueCrypt-Entwickler haben sich dazu entschlossen aufzuhören, und das ist ihre typische Art so etwas zu tun“ so Green weiter. Die Warnung davor, dass die Nutzung TrueCrypts unsicher sei, weil das Programm nicht behobene Sicherheitslücken enthalten könne, passt zu dieser Vermutung, wenn man die Warnung mit einem Blick in die Zukunft sieht.
Auch wenn die erste Stufe des Audits keine gravierenden Sicherheitslücken gefunden hat, so ist ein Exploit der bereits bekannten Schwachstellen nicht auszuschließen – und auch nicht, dass in der zweiten Phase des Audits weitere Sicherheitslücken auftauchen. Können diese nicht behoben werden, weil das Entwicklerteam nicht mehr aktiv ist, dann wird das Programm damit automatisch unsicher. Derzeit sieht also alles nach einer – zwar ungeschickt kommunizierten, aber plausiblen – Einstellung der Entwicklung des Programms aus.
Was hat Windows XP damit zu tun?
Für viel Verwirrung hat in der Warnung auf der TrueCrypt-Projektwebseite der Bezug zum Support-Ende für Windows XP durch Microsoft gesorgt. Mancher vermutete hinter der Empfehlung für Bitlocker eine Regierungsverschwörung, um TrueCrypt-Nutzer zum Umstieg auf eine Verschlüsselungslösung zu bewegen, die angeblich durch Geheimdienste knackbar sei.
Logischer ist aber tatsächlich, worauf die Entwickler auf der Webseite ja selbst hinweisen. Windows XP war das letzte Microsoft-Betriebssystem, das nicht über eine bereits integrierte Festplattenverschlüsselung verfügte. Durch die Beendigung des XP-Supports ist ein sicherer Betrieb für normale Anwender nicht mehr gewährleistet und damit ist auch der Einsatz einer Festplattenverschlüsselung kaum mehr sinnvoll. Die Verschlüsselung mit dem bordeigenen Bitlocker ist seit Windows Vista wohl nach Ansicht der TrueCrypt-Entwickler sinnvoller.
Wie geht es weiter mit TrueCrypt?
Sollte das ursprüngliche Entwicklerteam TrueCrypt tatsächlich nicht mehr weiterentwickeln, steht die Zukunft des Programms in den Sternen. Zwar versucht die Community, TrueCrypt weiterhin am Leben zu erhalten und die letzte voll funktionsfähige Version 7.1a weiterhin zum Download anzubieten, aber eine Weiterentwicklung bzw. ein Fork des Programms ist aufgrund der unklaren Lizenzlage fragwürdig.
„Es gibt viele Dinge die sie [die Entwickler, Anm. d. Red.] hätten tun können, um es anderen Leuten einfacher zu machen, den Code zu übernehmen, inklusive einer Lösung für die Lizenzsituation“, betont Matthew Green im Gespräch mit Brian Krebs. „Aber vielleicht macht das, was sie heute getan haben, das [die Übernahme des Codes, Anm. d. Red.] auch unmöglich. Sie haben das ganze Ding angezündet und jetzt vertraut ihm [dem Programm, Anm. d. Red.] vielleicht keiner mehr, weil jeder denken wird, dass da eine große böse Schwachstelle im Code steckt.“
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