Unternehmen müssen jetzt handeln Fachkräftemangel bedroht Deutschlands Cybersicherheit

Ein Gastbeitrag von Alex Gerritsen 5 min Lesedauer

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Der Mangel an IT-Fachkräften in Deutschland wird immer gravierender. Dieser Zustand bedroht nicht nur die digitale Zukunft des Landes, sondern auch dessen Sicherheit. Denn besonders betroffen vom Fachkräftemangel ist der Bereich Cybersicherheit, wo immer mehr und immer raffiniertere Bedrohugnen Unternehmen und kritische Infrastrukturen bedrohen.

Ist der deutsche Fachkräftemangel im Bereich Cybersicherheit strukturell bedingt oder ist er hausgemacht? So oder so, Unternehmen müssen dringend in Aus- und Weiterbildungen investieren, um diese Lücke zu schließen.(Bild:  Andrii Yalanskyi - stock.adobe.com)
Ist der deutsche Fachkräftemangel im Bereich Cybersicherheit strukturell bedingt oder ist er hausgemacht? So oder so, Unternehmen müssen dringend in Aus- und Weiterbildungen investieren, um diese Lücke zu schließen.
(Bild: Andrii Yalanskyi - stock.adobe.com)

Laut Bitkom werden in Deutschland bis zum Jahr 2040 663.000 IT-Fachkräfte fehlen – das sind viermal so viele wie heute. Dieser Fachkräftemangel bedroht laut Branchenverband die digitale Zukunft Deutschlands und damit den deutschen Wirtschaftsstandort.

Besonders akut zeigt sich der Fachkräftemangel im Bereich Cybersicherheit. Ein Drittel der Unternehmen gibt an, davon betroffen zu sein. Vor dem Hintergrund, dass Cyberkriminalität deutsche Unternehmen bereits heute jährlich 206 Milliarden Euro kostet, ist die Eindämmung des Fachkräftemangels in diesem Bereich eine der wichtigsten Prioritäten für Unternehmen und die Gesellschaft insgesamt. Ganz oben auf der Agenda steht deshalb, die Ursachen dieser Knappheit zu verstehen.

Strukturelle Ursachen im Bereich der Cybersicherheit

Ein wesentlicher struktureller Grund liegt auf der Hand: In dem Maße, wie die digitale Revolution voranschreitet und die Digitalisierung in der Geschäftswelt an Bedeutung gewinnt, steigt auch die Nachfrage nach Fachkräften im Bereich der Cybersicherheit. Darüber hinaus verändern sich mit der Weiterentwicklung digitaler Technologien auch die von Unternehmen geforderten IT-Fähigkeiten.

Die Cloud ist ein typisches Beispiel. In der Vergangenheit reichte es, Mitarbeiter zu finden, die in der Lage waren, Rechenzentren und Systeme vor Ort abzusichern. Unternehmen, die eine Migration in die Cloud planen, benötigen heute jedoch IT-Spezialisten, die sich mit den Besonderheiten der Cloud-Sicherheit auskennen. Das setzt gänzlich andere Qualifikationen voraus und stellt eine andere Art von Kompetenz dar: Unternehmen müssen nicht nur ihre physischen Werte sichern, sondern auch ihre komplexen IT-Systeme, die sich mit denen zahlreicher externen Partner, Lieferanten sowie einer Vielzahl smarter Geräte verbinden und austauschen.

In ähnlicher Weise bedeutet der Aufstieg des Internets der Dinge (Internet of Things, IoT), dass sich die Cybersicherheit nun über Rechenzentren, Dienste und Laptops hinaus auf alle Arten von Betriebsumgebungen, Geräten und sogar Produkten erstreckt. Beispiele sind vernetzte Autos, intelligente Industrieanlagen und digitale Kioske.

Mit der Ausweitung der Digitalisierung auf neue Bereiche wächst die Anzahl potenzieller Angreifer und damit die Komplexität der Angriffsmethoden, die immer raffinierter werden. Das verschärft die Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern. Cyber-Angriffe sind heute selten einmalige Ereignisse, sondern oft anhaltende Attacken von hartnäckigen Kriminellen. Um diese abzuwehren, bedarf es dessen, was Gartner als Continuous Threat Exposure Management (CTEM) bezeichnet: ein Ansatz, der die größten Bedrohungen für ein bestimmtes Unternehmen aktiv identifiziert und priorisiert.

Um CTEM zu erreichen, müssen Unternehmen einen ganzheitlichen Überblick über ihre Risiken gewinnen. Sie müssen erkennen, dass die Bewertung von Cyber-Risiken keine einmalige oder jährliche Aktion ist. Vielmehr handelt es sich um einen sich ständig verändernden, kontinuierlichen Prozess, der zu Verbesserungen führt – insbesondere, wenn neue Bedrohungen auftreten und Sicherheitsprotokolle angepasst werden müssen.

Auch wirken sich Vorschriften wie DORA, NIS2, der Cyber Resilience Act und der EU AI Act aus: Ein Ergebnis dieser Regulierungswelle ist die sogenannte "neue Ära der Cyber-Sicherheitstransparenz" - eine Ära, in der die Offenlegung und Dokumentation über Cyber-Vorfälle und -praktiken von einer früher freiwilligen zu einer heute verpflichtenden Aufgabe wird. Die Arbeit in diesem neuen Umfeld erfordert neue Qualifikationen. Insbesondere müssen CISOs und ihre Teams in der Lage sein, das operative Cyber-Reporting in Berichte umzusetzen, die für Vorstände verständlich und nutzbar sind.

Hausgemacht: Kompetenz für Cybersicherheit gesucht

Eine der größten Herausforderungen in Deutschland ist der gravierende Mangel an Hochschulabsolventen in den Bereichen Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwissenschaften und Mathematik (MINT): Seit März 2024 fehlen in Deutschland 244.400 Arbeitskräfte in MINT-Berufen. Auf nationaler Ebene muss mehr in die MINT-Bildung investiert werden, um verstärkt junge Menschen für diese Themen zu begeistern. Da nur 34 Prozent der MINT-Fachkräfte in Deutschland Frauen sind, sollte diese Zielgruppe besonders sorgfältig adressiert werden.

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Auch den Unternehmen kommt eine wichtige Rolle zu. Herkömmliche IT-Programme vermitteln oft nicht die spezifischen Fähigkeiten, die zur Bekämpfung moderner Cyber-Bedrohungen erforderlich sind. Unternehmen sollten daher sicherstellen, dass sie in geeignete Tools und Weiterbildungsmaßnahmen zur Mitarbeiterentwicklung investieren. Neben der Sicherstellung einer angepassten Ausbildung der bestehenden Sicherheits-Teams sollten Unternehmen auch auf Upskilling-Programme setzen, um Fachkräfte aus anderen Abteilungen für die Arbeit im Bereich der Cybersicherheit zu qualifizieren.

Ein weiteres Phänomen, das in deutschen Unternehmen häufig zu beobachten ist: Von HR-Teams wird oft erwartet, dass sie Generalisten sind. An einem Tag rekrutieren sie für den Vertrieb, am nächsten für die Finanzabteilung und am übernächsten für die Cybersicherheit. Diese ständige Verlagerung des Schwerpunkts führt dazu, dass die Personalabteilungen nicht über das erforderliche, tiefe Verständnis für Cybersicherheit verfügen, um die besten Mitarbeiter einzustellen. Dies kann die Suche nach geeigneten Kandidaten von vornherein erschweren. Möglicherweise veröffentlichen Unternehmen dann Stellenbeschreibungen, die das tatsächliche Qualifikationsprofil von Cybersicherheitsexperten nicht widerspiegeln oder sie erstellen ”Wunschlisten” mit Eigenschaften, die unmöglich bei einer einzigen Person zu finden sind.

Deutschlands Unternehmen absichern

Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften im Bereich Cybersicherheit wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Deutsche Unternehmen müssen dringend dafür sorgen, dass sie über die notwendigen Mitarbeiter verfügen, um das stetige Wachstum digitaler Tools und Dienste zu unterstützen. Die Zusammenarbeit mit spezialisierten Beratern ist eine Möglichkeit, wie sich Unternehmen dabei Unterstützung einholen können. Dies verschafft ihnen sofortigen Zugang zu einem Pool an Kandidaten mit den erforderlichen, fundierten Sicherheitskenntnissen. Darüber hinaus können gezielte und nachhaltige Umschulungs- und Ausbildungsprogramme dazu beitragen, die Kompetenzlücke zu schließen. Längerfristig ist ein koordiniertes Vorgehen auf nationaler Ebene erforderlich, um eine gesunde MINT-Pipeline sicherzustellen und den Motor der deutschen Digitalwirtschaft am Laufen zu halten.

Über den Autor: Alex Gerritsen ist Geschäftsführer bei der Personalberatung Keller West, die sich auf den IT-Sektor in der DACH-Region spezialisiert hat. Seit 2023 ist er Partner bei The SR Group und verfügt über mehr als 20 Jahre Recruitmenterfahrung im Tech-Bereich. Als Head of DACH leitet Alex Gerritsen zudem die Geschäfte aller Personalberatungsmarken von The SR Group in der Region. Nach Stationen in London und Amsterdam ist er seit 2004 in Deutschland beruflich verwurzelt. Er war u.a. bei einem der weltweit größten Personalberatungsunternehmen für den MINT-Bereich tätig, spezialisierte sich auf die Startup-Branche für HR-Tech und unterstützte Personalberatungen bei der Expansion ihres DACH-Geschäftes.


Fachkräftemangel in der IT-Security


Der Fachkräftemangel in Deutschland bedroht die Wirtschaft, besonders in der IT-Sicherheit. Unternehmen suchen dringend qualifizierte Experten, um Cyberrisiken zu bewältigen. Der steigende Bedarf an IT-Sicherheitsfachkräften verschärft das Problem weiter. In dieser Serie sprechen wir mit HR-Expertinnen und Security-Profis aus der Praxis darüber, wie Unternehmen trotz knappem Angebot die perfekt passenden Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter finden und halten können.

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