KI-Einführung stockt an der Schnittstelle von Technik und Mensch KI-Zug rollt – aber keiner fährt mit

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

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94 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen Künstliche Intelligenz (KI) – doch 63 Prozent der Führungskräfte halten ihre Belegschaft für nicht bereit. Der neue „People Readiness Report 2025“ von Kyndryl legt offen, wo es in der KI-Transformation hakt: nicht im Code, sondern in der Kultur.

Neue Kyndryl-Studie zeigt: 71 Prozent der Unternehmen halten ihre Belegschaft für nicht KI-bereit. Die Lücke liegt nicht im Code, sondern in der Kultur.(Bild:  KI-generiert)
Neue Kyndryl-Studie zeigt: 71 Prozent der Unternehmen halten ihre Belegschaft für nicht KI-bereit. Die Lücke liegt nicht im Code, sondern in der Kultur.
(Bild: KI-generiert)

Laut Kyndryls aktuellem „People Readiness Report 2025“ setzen 95 Prozent der befragten Organisationen bereits KI ein. Doch wer unter die Oberfläche blickt, erkennt ein strukturelles Problem: Die Technologie ist da – aber der Mensch bleibt zurück. 71 Prozent der Führungskräfte weltweit sagen, ihre Belegschaft sei nicht bereit, das volle Potenzial zu heben. In Deutschland sind es 63 Prozent.

Ein weiteres Signal: Viele Unternehmen realisieren, dass die versprochenen Effekte auf sich warten lassen. 60 Prozent der Entscheider hierzulande klagen über fehlende Fachkräfte, um KI-Lösungen überhaupt betreiben zu können.

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Die Implementierung läuft, die Integration hinkt. Gerade einmal ein Drittel der Unternehmen hat KI vollständig ins Tagesgeschäft integriert. Entscheidender noch: Die versprochene Rendite bleibt häufig aus. Nur 21 Prozent nutzen KI primär für Produkte oder Services. Die meisten Organisationen beschränken sich auf Automatisierung und generative Tools.

Dabei liegt die eigentliche Bremse nicht im Tech-Stack, sondern im Vertrauen. Fast die Hälfte der befragten CEOs weltweit beschreibt eine Belegschaft, die KI ablehnt – zum Teil sogar offen feindselig. In Deutschland liegt dieser Wert bei 20 Prozent. CTOs und CIOs hingegen sehen das Problem nicht: 73 Prozent von ihnen gehen davon aus, dass KI von den meisten Mitarbeitenden positiv aufgenommen wird.

Diese Diskrepanz ist mehr als eine Wahrnehmungslücke. Sie stellt ein strategisches Risiko dar: Während Technologieverantwortliche Zuversicht verbreiten, schlagen CEOs Alarm – wegen mangelnder Einsatzbereitschaft, sinkender Motivation und der Gefahr, große Teile der Belegschaft langfristig zu verlieren.

Wenn C-Level sich uneins ist

Der Report zeigt deutlich: Nicht nur zwischen Teams und Technologie, auch innerhalb der Führungsetage herrscht Dissonanz. Während CTOs und CIOs auf Upskilling setzen (80 Prozent), rekrutieren CEOs lieber extern (57 Prozent).

In der Bewertung der Mitarbeiter herrscht Uneinigkeit: 73 Prozent der Tech-Leiter sehen Akzeptanz, aber nur 45 Prozent der CEOs. Unterschiede zeigen sich auch in der Einschätzung der strukturellen Barrieren. CEOs sehen deutlich häufiger Probleme bei Infrastruktur, Widerständen und Change-Fähigkeit.

Die 14 Prozent, die es anders machen

Kyndryl identifiziert einen kleinen Kreis von Vorreitern: Die sogenannten „AI Pacesetters“ machen nur 14 Prozent aus – aber sie zeichnen sich durch ein klar erkennbares Muster aus. Sie nutzen KI gezielt für Wachstum, binden Mitarbeiter aktiv ein und verfügen über konkrete Change-, Governance- und Schulungsstrategien.

  • 93 Prozent dieser Pacesetter haben eine klare Gesamtstrategie
  • 88 Prozent haben Change-Management-Prozesse etabliert
  • 79 Prozent verfügen über ein AI-Governance-Framework

Im Vergleich dazu liegen diese Werte bei der Masse der Unternehmen nur zwischen 27 und 31 Prozent.

Vertrauen schlägt Technik

Pacesetter investieren nicht nur in Tools, sondern in Kultur. Sie binden Mitarbeitende frühzeitig ein, formulieren ethische Leitlinien und schaffen Transparenz. Ergebnis: 72 Prozent berichten von hoher Akzeptanz im Team. Bei den anderen Unternehmen liegt der Wert bei 31 Prozent.

Die Angst vor Arbeitsplatzverlust, eine der Hauptursachen für Skepsis, begegnen Pacesetter offensiv. Mentoring, Weiterbildungen und neue Karrierepfade sind kein Lippenbekenntnis, sondern strukturell verankert.

Skills zählen, aber nur mit Kontext

Ein weiteres Problem: Nur ein Drittel der Unternehmen kennt überhaupt die eigenen Skill-Gaps. Pacesetter setzen dagegen auf aktives Skill-Tracking, Coaching und gezielte Entwicklung. Vier von zehn dieser Unternehmen berichten: Sie haben keine Kompetenzlücken mehr.

Ein bemerkenswerter Wert – nicht, weil er allgemeingültig wäre, sondern weil er zeigt, dass Transformation möglich sein kann. Aber sie ist nicht billig zu haben.

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