Physikalische Zugangssicherheit lässt sich leicht aushebeln Permutation schafft wirksameren Zugangsschutz

Autor / Redakteur: Lothar Lochmaier / Peter Schmitz

Während sich die meisten marktgängigen Schlösser in privaten Häusern und Schließanlagen relativ leicht überwinden lassen, setzen Betriebe meist auf einen Methodenmix. Im Gegensatz zur aufwändigen und teuren biometrischen Absicherung lässt sich das Unternehmen mit Hilfe von Permutation durchaus wirkungsvoll und zu vertretbaren Kosten absichern.

Logpicking ist als Volkssport in Mode gekommen. Denn mit Hilfe einfacher Techniken lassen sich die meisten Türschlösser binnen Sekunden aushebeln. Auf den Internetseiten der Sportsfreunde der Sperrtechnik Deutschland e.V. kann sich der Besucher ein Bild über die hohe Kunst des Schlossöffnens machen, ein „Fun-Sport mit Gefühl“, wie es der Betreiber der Seite ausdrückt.

Derartige Vereine fördern sicherlich einerseits den kreativen Umgang mit Sicherheitslücken. Allerdings verfolgen nicht alle Logpicker derart ehrenhafte Motive. Die Zahl der kriminellen Akteure, die relativ simple Mechanismen bei der Zugangssicherheit auszunutzen versuchen, steigt weiter an. Wie leicht sich mechanische Schließmechanismen aushebeln lassen, zeigt der niederländische Lockpicker Barry Wels auf eindrucksvolle Weise.

Der Sicherheitsexperte wird nicht müde, das Ende der mechanischen Schlösser immer wieder zu proklamieren. Fast jedes Schloss lasse sich öffnen, ohne dabei den Schließmechanismus zu beschädigen, betont Wels. Dennoch gebe es aufgrund der geringen Kosten und der einfachen Produktionsverfahren auch in absehbarer Zeit keine Alternative zu diesem gängigen Mechanismus.

Einfache Tricks hebeln normale Schlösser in Sekunden aus

Findige Eindringlinge lassen sich aber auch nicht vor einer mit zusätzlichen Sicherheitscodes gesicherten Variante abschrecken. Als einer der legal operierenden Champions auf dem Gebiet des Logpickings gilt Oliver Diederichsen, dem es bereits vor einigen Jahren gelang, binnen weniger Minuten die fünfstellige PIN eines Schlosses vom Hersteller Abus zu knacken. Zahlreiche Informationsseiten im World Wide Web bieten dabei auch für kriminelle Rechercheure einen wertvollen Fundus.

So verwundert es kaum, dass neben neugierigen Tüftlern längst auch illegal operierende Eindringlinge Tools entwickelt haben, die analog zu den Cracking-Tools für Script-Kiddies in der Online-Welt die Eintrittsbarrieren für Amateure aller Art deutlich heruntergesetzt haben. Der Fachterminus für eine der gängigen bzw. effektivsten Techniken lautet „Bumping“. „Damit lassen sich ohne jegliches Training auf billige Art und Weise die Schließmechanismen aushebeln, ohne die Schlösser zu beschädigen“, sagt Barry Wels. Technische Erläuterungen zur Funktionsweise dazu offeriert der Experte auf seiner Homepage.

Während die Eindringlinge immer leichteres Spiel haben, sind auch die Abwehrkräfte mit der Entwicklung von neuen Methoden heraus gefordert. Als etwa Sicherheitspezialist Kaba vor rund 30 Jahren damit begann, die Berechnung von Schließplänen zu automatisieren, wurde das speziell dafür konzipierte Computerprogramm rasch wieder verworfen.

„Der Computer wird das menschliche Denkvermögen nie ersetzen können“, sagt Viktor Niffenegger, Business-Unit-Leiter bei Kaba Wetzikon. Denn der Computer könne weder voraus denken noch mögliche Erweiterungen des Systems in seine Berechnungen einbeziehen. Das Zauberwort lautet deshalb Permutation. Ein Computer errechnet quasi die Kombinationsmuster der Lochbohrungen, die der Hersteller aber nicht dem Spiel eines reinen Algorithmus überlässt, sondern immer wieder individuell variiert.

Permutation schafft individuelle und intelligente Schloss-Systeme

Unter Permutation versteht man dabei die Berechnung der Kombinationsmöglichkeiten, wo und wie die winzigen Lochbohrungen auf einem Schlüssel zu platzieren sind. Die beiden Seiten eines Schlüssels ergeben ein linkes und ein rechtes Bohrbild. Hinzu kommen Kanten- und schräge Zusatzbohrungen, wobei die Tiefe und die Anordnung der Löcher variabel sind.

In den letzten zwei Jahrzehnten hat der Computer so gewisse Teilschritte in der Produktion übernommen und erleichtert den Spezialisten die zentrale Kontrolle der Schließpläne. „Der Schließplan für ein Mehrfamilienhaus ist verhältnismäßig einfach zu berechnen, zumindest für einen Permutationsprofi“, räumt Anita Helbling ein, Teamleiterin Permutation bei Kaba.

Bei einer größeren Anlage für Unternehmen oder öffentliche Gebäude gestaltet sich die Berechnung jedoch erheblich aufwändiger. Die Spezialisten von Kaba jonglieren nämlich tagelang mit Zahlen und allen erdenklichen Kombinationsmustern, bis die endgültige Berechnung steht. Die Permutationscodes werden gesichert an die Produktionsmaschinen weiter gegeben und die Schlüssel und Zylinder in den eigenen Werken hergestellt. Alte Spuren und Pfade für die Eindringlinge werden dabei konsequent gelöscht. Die gebrauchten Kombinationen bleiben mit Blick auf die Weiterverwendung für immer gesperrt.

Theoretisch ergeben sich etwa im System Kaba star rund 18 Billiarden Permutationsmöglichkeiten, allerdings nutzt Kaba aus Sicherheitsgründen nicht die volle Bandbreite an Möglichkeiten aus. „Um die optimale Sicherheit zu gewährleisten, haben wir uns sehr hohe Standards gesetzt und nutzen gezielt nur einen Teil dieser Möglichkeiten“, ergänzt Viktor Niffenegger. So sei beispielsweise vorgegeben, dass ein Zylinder mit einer Mindestanzahl Bolzen versehen sein muss – gemeint sind damit die winzigen Stiftchen im Innern des Zylinders. Die Tiefe der nebeneinander liegenden Bohrungen ist ebenfalls genau definiert. Hinzu kommen zusätzlich im Zylinder eingebaute Schikanen. Damit lässt sich die Sicherheit des Gesamtsystems noch weiter erhöhen.

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