Neue Technologien wie KI und Cloud verändern physische Sicherheitslösungen und erhöhen das Reaktionsvermögen von Unternehmen. Ein weltweiter Report von Genetec zeigt, wie Technologien zu einem vereinheitlichten Sicherheitsmanagement beitragen können.
KI und Cloud verwandeln physische Sicherheit in eine strategische Geschäftsfunktion, aber 70 Prozent der Unternehmen haben weiterhin Bedenken bei der Implementierung.
Physische Sicherheit wird zunehmend neu definiert und gilt nicht mehr nur als Schutz für Menschen und Vermögenswerte: Unternehmen sehen Sicherheit zunehmend als Kernfunktion, die die Ausfallsicherheit und den Geschäftswert verbessert. Laut dem Report „Die Lage der physischen Sicherheit 2026“ von Genetec sind Unternehmen offen für Innovationen und investitionsbereit in moderne Technologien wie KI und Cloud, um sich gegen neue Sicherheitsbedrohungen zu wappnen und ihre Entscheidungsfindung zu verbessern. Allerdings sollten Technologien wie KI nicht um ihrer selbst willen eingesetzt werden, sondern Menschen, Prozessen und Ergebnissen dienen. Für den Bericht wurden weltweit von 7.368 Fachleute für physische Sicherheit aus Unternehmen verschiedener Größen und Branchen befragt.
Physische Sicherheit wird zur strategischen Funktion
Die Ergebnisse der Umfrage lassen eine grundlegende Veränderung in der Arbeitsweise, den Investitionen und der Wertschöpfung von Abteilungen für physische Sicherheit erkennen. Moderne Technologien tragen immer stärker zu einer verbesserten Entscheidungsfindung bei. Infolgedessen entwickelt sich die physische Sicherheit zu einer immer stärker unternehmensorientierten Funktion, die für die Gewährleistung der Sicherheit von entscheidender Bedeutung ist und gleichzeitig zum Geschäftserfolg beiträgt. Bereits 70 Prozent der Befragten nutzen integrierte oder vereinheitlichte Systeme für Videomanagement und Zutrittskontrolle. Die wichtigsten Gründe für die Modernisierung alter Lösungen in den Bereichen Videomanagement und Zutrittskontrolle sind dabei Integration in neue Technologien (60 Prozent) und der Zugriff auf neue Funktionen (51 Prozent).
Die Ergebnisse bestätigen: Sicherheit wird zunehmend als geschäftsrelevanter Faktor verstanden, der Effizienz, Entscheidungsprozesse und bereichsübergreifende Zusammenarbeit unterstützt. Die am häufigsten ersetzten Systeme waren 2025: Kameras 61 Prozent, Zutrittskontrollsysteme 56 Prozent, Videomanagementsysteme 40 Prozent, Lesegeräte/Karten 36 Prozent.
KI kann die physische Sicherheit effizienter gestalten, indem sie Anomalien erkennt, Vorfälle vorhersagt und eine schnellere, sicherere Entscheidungsfindung ermöglicht, sofern die Technologie ordnungsgemäß implementiert wird. Um Prozesse zu beschleunigen, Abweichungen aufzuspüren und beispielsweise Videomaterial schnell zu sichten, setzen immer mehr Unternehmen auf KI-basierte Sicherheitslösungen. Das Interesse am KI-Einsatz hat sich bei den befragten Sicherheitsexperten verdoppelt. Im Durchschnitt nutzen bereits 21 Prozent KI/LLM und 26 Prozent Tools zur Datenanalyse und -visualisierung. Um das Potenzial von KI jedoch auszuschöpfen, sind vernetzte Systeme und die Beseitigung von Hindernissen für den Datenaustausch erforderlich. Denn KI-gestützte Analysen bieten nur dann Mehrwert, wenn sie mit verantwortungsvollen Datenpraktiken und klaren operativen Zielen einhergehen.
Die Hauptziele der KI-Integration sind laut dem Report die automatische Auslösung von Ereignissen (55 Prozent), die vollständige Automatisierung repetitiver Aufgaben (48 Prozent) und die automatische Filterung und Klassifizierung von Ereignissen sowie die automatische Koordination von Notfallaufgaben (jeweils 46 Prozent).
Die Umfrageergebnisse zeigen auch, dass große Unternehmen mit höheren Budgets und größeren Teams für IT und physische Sicherheit mehr experimentieren und verstärkt KI und Datenvisualisierungstools einsetzen. Während das Vertrauen in KI wächst, bestehen jedoch weiterhin Unsicherheiten hinsichtlich der Implementierung. Nur 29 Prozent der befragten Endnutzer gaben an, keine Bedenken hinsichtlich KI zu haben. Gleichzeitig sind 70 Prozent hinsichtlich der Konzeption und Implementierung von KI-Systemen besorgt. Bedenken bestehen insbesondere hinsichtlich der Verwendung der Daten (37 Prozent) und wegen möglicher missbräuchlicher Verwendung der Technologie (36 Prozent).
Die Einführung der Cloud, insbesondere in Form von Hybridmodellen, gewinnt an Dynamik, da Unternehmen nach flexiblen, skalierbaren Lösungen suchen. Aber ähnlich wie bei KI gelingt die Umstellung auf die Cloud nur dann, wenn dadurch die Ausfallsicherheit erhöht und die Zusammenarbeit verbessert wird, nicht aber, wenn die Komplexität zunimmt.
Den Ergebnissen zufolge bevorzugen Anwender definierte Cloudstrategien und entscheiden sich für Hybridmodelle, die Skalierbarkeit mit der Flexibilität verbinden, bestimmte Workloads bei Bedarf vor Ort zu behalten.
Als Gründe für die Cloud-Einführung nennen die Befragten automatische Updates, einfache Implementierung, geringere Wartung. Im Vergleich zu 2024 ist der Einsatz von Hybrid-Cloud für physische Sicherheitsumgebungen um 2 Prozent auf 45 Prozent gestiegen. 48 Prozent setzen noch auf reine On-Prem-Lösungen und 7 Prozent auf reine Cloudlösungen.
Stand: 08.12.2025
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61 Prozent der Vertriebspartner und Planer erwarten in den nächsten zwölf Monaten eine steigende Cloud-Migration und 72 Prozent erwarten in den kommenden fünf Jahren überwiegend Hybridmodelle.
Engere Zusammenarbeit zwischen Teams für physische Sicherheit und IT
Angesichts der zunehmenden Digitalisierung verschmelzen physische und IT-Sicherheitsmaßnahmen immer stärker. Das erfordert abteilungsübergreifende Zusammenarbeit. Denn gemeinsam können die Experten neue Hard- und Software-Systeme besser aufeinander abstimmen und intelligentere, widerstandsfähigere Schutzkonzepte erarbeiten. In Zukunft werden so immer mehr vereinheitlichte und integrierte Systeme eingesetzt. Diese ermöglichen ein umfassendes Sicherheitsmanagement sowie eine verbesserte Entscheidungsfindung.
Über die Zusammenarbeit im Haus hinaus kommt der Kooperation zwischen Teams und Lösungsanbietern, darunter auch Vertriebspartner und Hersteller, eine entscheidende Bedeutung zu. Auf diese Weise lässt es sich neuen Risiken begegnen, die Entscheidungsfindung verbessern und Sicherheitsdaten können in umsetzbare Erkenntnisse verwandelt werden. Denn Technologiepartner begleiten heute nicht nur Projekte, sondern strategische Modernisierungsprogramme, KI-Implementierungen und Cloudtransformationen. 73 Prozent der Unternehmen geben an, dass Zukunftsfähigkeit und Stabilität des Anbieters von physischen Sicherheitssystemen entscheidend sind. Produktleistung (45 Prozent) und Preisgestaltung (43 Prozent) folgen ebenfalls als zentrale Kriterien.
Die physische Sicherheit entwickelt sich 2026 zu einer strategischen Disziplin, die Modernisierung, KI, Datenkompetenz und flexible Infrastrukturen vereint. Es gibt eine steigende Nachfrage nach vereinheitlichten Plattformen für physische Sicherheit, Cybersicherheit und Business Intelligence. Kunden verlangen nach Lösungen, die nicht nur Vermögenswerte schützen, sondern auch einen messbaren ROI bieten und sich nahtlos in größere Unternehmenssysteme integrieren lassen.
Durch den Einsatz von cloudbasierter Verarbeitung, KI und Datenquellen geht es bei der physischen Sicherheit nicht mehr nur um den reinen Schutz, sondern auch um Echtzeitinformationen, die zu schnelleren Reaktionen und besseren Entscheidungen führen.
Um nachhaltige Fortschritte zu erzielen, müssen Verantwortliche IT- und Sicherheitsteams auf eine gemeinsame Infrastruktur und Datenbasis ausrichten. Dadurch schaffen Unternehmen nicht nur mehr Sicherheit, sie gewinnen Resilienz, Effizienz und Zukunftsfähigkeit.
Über den Autor: Andreas Flemming ist Area Sales Director DACH bei Genetec Deutschland.