Schwachstelle in Apples Find-My-Funktion Forscher entwickeln Tool zur Ausnutzung von Satellitenkommunikation

Quelle: Pressemitteilung 3 min Lesedauer

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Forschende haben erstmals bewiesen, mithilfe neuer iPhones Satellitenkommunikation außerhalb des vorgesehenen Apple-Ökosystems nutzen zu können. Dafür nutzten sie Schwachstellen in der „Find My“-Satellitenfunktion von Apple aus.

Apple nutzt für seine Standord-Erkennungsfunktion „Find My“ Satelliten. Schwachstellen in dieser Funktion haben Forschende ausgenutzt, um die Satelliten für den Versand von Textnachrichten – auch ohne Internetzugang – zu nutzen.(Bild:  © – aapsky – stock.adobe.com)
Apple nutzt für seine Standord-Erkennungsfunktion „Find My“ Satelliten. Schwachstellen in dieser Funktion haben Forschende ausgenutzt, um die Satelliten für den Versand von Textnachrichten – auch ohne Internetzugang – zu nutzen.
(Bild: © – aapsky – stock.adobe.com)

Seit 2022 bietet Apple mit dem iPhone 14 eine Satellitenkommunikationsfunktion an, die in Notfällen eine Verbindung herstellen kann, wenn kein Mobilfunknetz verfügbar ist. Apple nett diese Smartphone-zu-Satellit-Technologie „Emergency SOS via Satellite“. Sie ermöglicht Notrufe, Standortübermittlung sowie Kurznachrichten über Satellit. Gerade in Krisen und während Katastrophen hilft ein solcher Dienst den Betroffenen. Ein Forscher-Team des Nationalen Forschungszentrums für angewandte Cybersicherheit ATHENE hat nun gemeinsam mit Forschenden der Hasso-Plattner-Institut für Digital Engineering dieses wichtige Satellitenkommunikationssystem erstmals einer umfassenden Sicherheitsanalyse unterzogen. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Technologie trotz mehrschichtiger Verschlüsselung und starker Sicherheitsarchitektur Schwachstellen enthalte, die Kriminelle für unerlaubte Kommunikation ausnutzen könnten.

Find-My-Netzwerk von Apple zweckentfremdet

Das Forschungsteam habe eine Simulationsumgebung entwickelt, mit der es das Satellitenprotokoll ohne tatsächliche Satellitenverbindung analysieren konnte. Dort konnten sie mithilfe von Reverse Engineering die komplexe Architektur der Satellitenkommunikation im Detail untersuchen, ohne versehentlich echte Notrufe auszulösen. Sie dokumentieren die mehrstufige Verschlüsselung, mit der Apple die übertragenen Daten schützt. Wie sie herausfanden, verschlüssle der US-Hersteller die Nachrichten mehrfach, sowohl auf der Transportebene als auch auf der Anwendungsebene, was die sensiblen Daten vor unbefugtem Zugriff während der Übertragung durch den Weltraum schützen soll. Doch genau hier entdeckten die Forschenden gleich mehrere Sicherheitslücken. „Wir konnten nachweisen, dass die implementierten Sicherheitsmechanismen teilweise umgangen werden können“, sagt Alexander Heinrich, einer der an der Untersuchung beteiligten ATHENE-Wissenschaftler. Es sei möglich, die geografischen Einschränkungen des Apple-Dienstes zu überlisten und auch von nicht erlaubten Regionen aus zu verwenden.

Darüber entwickelte das Team eine Möglichkeit, wie sie die „Find My Friends“-Funktion von Apple zur Übertragung beliebiger Textnachrichten verwenden konnten. Diese Funktion dient Apple-Nutzern, den Standort von Freunden oder Familienmitgliedern in Echtzeit einzusehen, und nutzt dafür Satellitenkommunikation. Mit der neuen Methode waren die Forschenden in der Lage, auch Textnachrichten über die „Find My“-App zu versenden, auch in Ländern, in denen es den Satellit-basierten Dienst gar nicht gibt, ohne Internetzugang und außerhalb der Kontrolle staatlicher Überwachung von Netzwerken. Dafür haben sie gemeinsam mit dem Secure Mobile Networking Lab der TU Darmstadt eine Open-Source-Lösung entwickelt und diese auf Github veröffentlicht.

Sensible Infrastrukturdaten von Apple öffentlich

Außerdem hätten die Forschenden Listen mit den genauen Standorten der Bodenstationen der Satelliten, die Apple nutzt und von Globalstar betrieben werden, gefunden, wobei es sich um sensible Infrastrukturdaten handle, die eigentlich nicht öffentlich zugänglich sein sollten. „Diese Schwachstellen könnten von Angreifern ausgenutzt werden, um Dienste zu nutzen, die in bestimmten Regionen nicht verfügbar sein sollten, oder um Nachrichten zu senden, die den Beschränkungen der Anbieter nicht entsprechen“, warnt Alexander Heinrich, einer der an der Untersuchung beteiligten ATHENE-Wissenschaftler.

Die Forschenden geben an, Apple über ihre Erkenntnisse informiert zu haben. Der Hersteller habe daraufhin Maßnahmen ergriffen, um die Schwachstellen zu schließen.Zum Beispiel solle eine Begrenzung der Nachrichtengröße auf 83 Byte erfolgen, um den Missbrauch einzuschränken. Gleichzeitig sei ein direkter Kurznachrichtenversand für Apple-Kunden, die das Find-My-Netzwerk nutzen, freigeschaltet worden.

Die direkte Satellitenkommunikation für Smartphones wird zunehmend wichtiger, zum Beispiel als alternativen Nachrichtenkanal, der nicht vom Staat überwacht oder blockiert werden kann, wie es in China und Iran der Fall ist. Die Forschenden von ATHENE und des Hasso-Plattner-Institut schließen, dass ihre Untersuchungen exemplarisch zeigen würden, wie moderne Verschlüsselungstechnologien trotz beschränkter Bandbreite erfolgreich implementiert werden könnten. Aber auch, welche Herausforderungen bei der Absicherung solcher Systeme bestünden. Die Forschungsarbeit liefere wichtige Erkenntnisse für die sichere Gestaltung solcher Systeme, die auch für andere Hersteller wichtig seien, die künftig in diesen aufstrebenden Markt eintreten würden.

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